LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Das Handwerk bräuchte 9.400 neue Mitarbeiter pro Jahr - Welche zu finden wird aber immer schwieriger

Nein, „die Thematik ist nicht neu“, wie „Chambre des Métiers“-Präsident Tom Oberweis gestern einleitend zu einer Pressekonferenz über den Fachkräftemangel im Handwerk betonte. „Sie hat sich aber verschärft“, in einer Zeit die geprägt ist vom schnellen technologischen Wandel und einer Welle von Rentenantritten in den kommenden Jahren. Dass die Fachkräfte-Herausforderung der größte Knackpunkt für die Handwerksbetriebe ist, ist auch schon länger gewusst. Die „Chambre des Métiers“ hat aber erstmals eine tiefgründigere Analyse durchgeführt, um etwa herauszufinden, wo es an welchen Profilen mangelt.

6.600 Unternehmen wurden angeschrieben, rund 800 haben geantwortet, sie machen aber 25 Prozent der Gesamtbeschäftigung in der Branche aus. Der Gesamtbedarf an Mitarbeitern bei den teilnehmenden Betrieben liegt bei 3.142, davon 93 Prozent im Produktionsbereich, der Rest in der Verwaltung. Rechnet man die Erkenntnisse auf den gesamten Handwerkssektor mit seinen über 7.300 Betrieben und mehr als 88.100 Mitarbeitern hoch, würden in den kommenen zwölf Monaten nahezu 9.400 neue Mitarbeiter fehlen, entweder für die Betriebsexpansion oder für den Ersatz von Abgängen in die Rente. In den kommenden zehn Jahren dürften laut „Chambre des Métiers“ zwischen 20.000 und 23.000 Mitarbeiter in Handwerksbetrieben ihre Pensionsansprüche gelten machen.

Laut Umfrage müssten 30 Prozent der fehlenden Arbeitskräfte ein DAP/CATP-Diplom besitzen und 22 Prozent ein CCP, aber auch 26 Prozent unqualifizierte Arbeitskräfte werden gesucht. Diese Prozentsätze variieren allerdings von Branche zu Branche. Fakt ist, dass drei Viertel der Betriebe Fachkräfte aus der Großregion anzuwerben versuchen, wo allerdings vor Ort ebenfalls ein großer Bedarf besteht. 13 Prozent suchen sogar in Portugal.

Angesichts dieser zentralen Problematik fordert die „Chambre des Métiers“, die selbst dauernd eine Reihe von Aktionen betreibt, um Fachkräfte anzuziehen, eine breit angelegte Offensive gemeinsam mit der Politik. „Konsequentes Handeln ist gefragt“, sagt Handwerkskammer-Direktor Tom Wirion und: „wir müssen proaktiver werden“.

Luxemburg müsse attraktiver werden für Grenzgänger - etwa durch bessere Verkehrsanbindungen - und qualifizierte Migranten, für die Aufnahmeprozeduren vereinfacht werden müssten. Sie müssten freilich mit einem „Package“ von Angeboten gelockt werden, darunter erschwinglicher Wohnraum aber auch ein guter Zugang ihrer Kinder zu den hiesigen Schulen oder Betreuungsstrukturen.

Zur Standard-Wunschliste des Handwerks gehört außerdem eine bessere Orientierung und berufsnahe Ausbildung von Schülern, für die es in der Branche zahlreiche Chancen gibt. Angemahnt werden aber auch Maßnahmen, die es ermöglichen, erfahrene Mitarbeiter länger im Betrieb zu halten und Arbeitssuchende fit fürs Handwerk zu machen. Die Regierung als ganze sei gefordert, sagt die Handwerkskammer, die sich einen Koordinator wünscht, der alle Impulse bündelt und weitertreibt.

Die Handwerkskammer selbst hat ihrerseits einen Aktionsplan gegen die Fachkräfteknappheit aufgestellt, die sie nun jedes Jahr neu berechnen will. In dem Plan sind eine Menge proaktiver Maßnahmen zu finden, wie etwa die Teilnahme an Messen und Wirtschaftsmissione und allen Initiativen, welche die Regierung bereit ist, zur Anwerbung von Fachkräften durchzuführen.