ANNETTE WELSCH

Im Gesundheitsministerium wird fleißig gearbeitet. Gerade im Bereich der Prävention tut sich vieles: Ein nationales Programm zur Früherkennung von Darmkrebs startet demnächst und man scheut sich auch nicht, so sensible Bereiche wie Suizid und Demenz anzupacken, zu thematisieren, Angebote zu machen und sie nicht zuletzt so aus der Tabuzone herauszuholen. Als nächstes wird wohl der Alkoholmissbrauch ins Licht der Öffentlichkeit gerückt werden. Gut so, denn schaut man sich die Polizeimeldungen an, bekommt man durchaus den Eindruck, dass Punkteführerschein und 0,5 Promille-Grenze nicht viel gebracht haben. Quasi täglich fahren Leute Schlangenlinie, verursachen Unfälle oder schlafen im Auto ein - lustig ist das eigentlich nicht. Alkoholsucht und damit verbundene Verhaltensauffälligkeiten ist auch die häufigste Ursache, warum Patienten in Krankenhäusern auf den psychiatrischen Stationen aufgenommen werden. Gerade der ganze Bereich der mentalen Gesundheit wird in den letzten zehn Jahren, nachdem die Psychiatriereform endlich in Angriff genommen wurde, kräftig beackert. Seitdem bläst auch frischer Wind im CHNP, das sein Monopol für die Psychiatrie verlor und von einem Staatsbetrieb in eine Anstalt öffentlichen Rechts verwandelt wurde.

Da sieht es in anderen Bereichen ganz anders aus. Ein ganz dickes Brett, das nur ganz langsam und mühselig gebohrt wurde und wird, ist das Staatslabor. Auch hier ging man 2013 von einem Staatsbetrieb zu einer Anstalt öffentlichen Rechts über. Lange Jahre hat man dafür gebraucht. Hauptgrund war, dass man nicht genug Pathologen fand, die als Bac+12 unter Beamtenstatut und zu einem Beamtengehalt, auch wenn es im höheren Dienst war, arbeiten wollten.

Der letzte noch verbeamtete Direktor ging im März 2015 in Pension. Seitdem gab es zwei Interim-Direktoren und erst ab Februar nächsten Jahres wird ein renommierter Experte aus dem Ausland die Führung übernehmen. Zumindest wird man dann einen strategischen Plan mit Horizont 2018 vorfinden, der dieser Tage vorgestellt wurde. Das war beileibe nicht der Fall, als der jetzige Interim, der den Plan innerhalb von vier Monaten stehen hatte, im März begann. Er habe „en catastrophe“ angefangen und leere Schubladen vorgefunden, sagte er. Schlimmer noch: Das ausgesprochen kritische, um nicht zu sagen vernichtende externe Audit, das 2001 zum Staatslabor erstellt wurde, habe nichts an seiner Gültigkeit verloren, so seine mehr als deutliche Kritik. Das war dann schon ein Hammer. In 15 Jahren keine Besserung, keine politische Reaktion, obwohl das Staatslabor Monopol hat bei den Analysen von Gewebeproben und wegen der unsäglich langen Wartezeiten, bis die Resultate, ob bei einem Patienten Krebs vorliegt oder nicht, immer wieder im Zentrum der öffentlichen Kritik stand? Von der nicht so öffentlichen Kritik der französischen Expertin, die 2011 mit der Aufgabe betraut wurde, das nationale Krebsregister auf die Beine zu stellen und es 2013 fertig hatte, ganz zu schweigen.

Die Mühlen mahlen manchmal sehr langsam in Luxemburgs Staatsbetrieben. Dabei tut die ein oder andere ausländische Expertise doch durchaus gut.