CORDELIA CHATON

80 Jahre ist die „Association des banques et banquiers Luxembourg“ (ABBL) in diesem Jahr geworden und gehört damit zu den ältesten Verbänden - erst recht unter den Arbeitgeberverbänden - in Luxemburg. Doch in der letzten Zeit tauchte sie mit ungewohnten Schlagzeilen auf, bei denen es weniger um Finanzthemen und Gründe zum Feiern ging, als um menschliche Spannungen.

Der Verwaltungsratspräsident hatte den Direktor Serge de Cillia nach 19 Jahren Tätigkeit überraschend in den Zwangsurlaub geschickt. Zunächst gab es aus dem Umfeld der ABBL Andeutungen im Hinblick auf dessen Benehmen gegenüber Mitarbeitern, dann wurde der Ton konzilianter, man dankte ihm offiziell und inoffiziell sprach man von Spannungen mit dem Verwaltungsrat. Dass ein Verband mit 35 Mitarbeitern und einem Budget von sieben Millionen Euro, der zu den wichtigsten Lobby-Verbänden des Landes gehört, den Chef auf diese Weise in die Wüste schickt, lässt tief blicken.

Der Bankenverband war mal der Verband der Luxemburger Banken schlechthin. Doch erstens werden die Banken immer weniger - laut dem Bericht von KPMG-Partner Thomas Feld auf dem „International Bankers Forum“ sind es aktuell 136 Banken - und zweitens sind nur noch wenige Luxemburger Banken darunter. Tatsächlich stammen die Banken aus 29 Ländern. Eine der größten Banken, die 1919 gegründete „Banque Générale du Luxembourg“, die heute BGL BNP Paribas heißt, gehört mehrheitlich zur französischen Großbank BNP Paribas. Sie beschäftigt über 2.300 Mitarbeiter in Luxemburg. Doch die Entscheidungen werden in der Pariser Konzernzentrale getroffen. So sieht es in vielen Geldhäusern aus. Gleichzeitig gewinnen jene Finanzdienstleister an Relevanz, die wie Paypal oder Advanzia nicht mehr im traditionellen Banking aktiv sind. Die Bankenlandschaft ist im Umbruch - und die ABBL sucht sich. Denn mit über 26.000 Mitarbeitern bleibt der Finanzsektor ein sehr wichtiger Arbeitgeber. Längst bringen Fonds das Geld und Schalterbanken gelten als überholt. Nicht umsonst hatte Feld seine Bankenanalyse als „Zeitalter der Ungewissheit“ betitelt.

In einer solchen Zeit wäre es gut, vorbereitet zu sein und nach Leitlinien zu handeln, die im Unternehmensbereich gern mit Corporate Governance betitelt werden. Im großen und ganzen geht es dabei um korrektes Benehmen und Ethik. Der rasche Rauswurf mit nachgereichter Begründung sieht nur begrenzt danach aus.

Doch es scheint logisch, dass ABBL-Präsident Guy Hoffmann seinen Vizepräsidenten Yves Maas für ein Jahr zum ABBL-Interims-Chef macht. Hoffmann und Maas verstehen sich gut.

Ist Maas das neue Gesicht der Bankenwelt? Die Besetzung eine spontane Entscheidung? Oder das ganze eine geplante Aktion?

So oder so gibt es einen Ruf nach Aufbruch bei der ABBL - und eine Menge unterschiedlicher Vorstellungen zu den Profilen, die dorthin führen sollen.

Ein Tipp kommt aus der Autobranche: „Suche nicht nach Fehlern, sondern nach Lösungen“ - von Henry Ford.