LUXEMBURG
LUC SPADA

 Am Anfang war es nur eine weitere Nachricht, nach Maß, für die Sensationsreporter von Stern, Focus… Nicht zuletzt, weil es ihr in keiner Weise an den Hauptzutaten fehlte: ein bisschen Kotzen, ein bisschen Internet und viel Dummheit. Nach der Urteilsverkündigung wurden aber auch die gängigen Mainstream-Medien auf den Fall aufmerksam.

Die Rede ist von einem spanischen Youtuber. Er ersetzte das milchige weißliche Zeug in den Oreo-Keksen durch Zahnpasta und gab eine solche Packung, zusammen mit einem Zwanzigeuroschein, an einen Obdachlosen. Der ahnungslose Mann übergab sich anschließend und der Youtuber, der den „Gag“ filmte, gab sich am Ende zufrieden, denn er hatte ja immerhin was zur Zahnhygiene des Mannes beigetragen. Des Weiteren hält der spanische Influencer fest, dass die Leute, seine Fans also, diejenigen, die sich seine Videos anschauen, es gerne etwas abartiger haben.

Warum eigentlich nicht? Vielleicht hat er dämliche Fans, davon gibt es jede Menge in dieser Welt, meistens ebenso dämlich wie ihre Vorbilder. Muss die beschworene Abartigkeit aber auf Kosten der Menschen stattfinden, die nicht gerade zu den Stärksten der Gesellschaft gehören?

Wenn Mensch es gerne etwas abartiger hat, kann er sich mit seinem eigenen Kot Tag für Tag einreiben, stinkt schön, sieht scheiße aus, überdies kann er sich eine Partnerin suchen, die ihn anpinkelt, und zusammen können sie lecker verdorbenen Fisch essen, sich dabei filmen, wie sie danach ein paar Nächte im Krankenhaus verbringen, angeschissen, angepinkelt, ausgekotzt. Und sich dabei lieben, wie sie ihre Abartigkeit lieben. Die Krankenkasse zahlt das schließlich gerne. Wunderbar. Les goûts et les couleurs, ça ne se discute pas, wie es so schön heißt.

Der hier beschriebene Fall ist am Ende aber nur ein Zeichen von miserabler Erziehung. Und nicht zu vergessen: Feigheit. Denn wie der Video-Kasper online erklärte, hätte er von stärkeren Menschen womöglich etwas auf die Nase bekommen. Das stimmt und macht umso deutlicher, wie es um die humanistische Verfassung unseres spanischen Internetstars steht. Erinnert an Diebe, die alte Frauen oder Männer zu Boden stoßen, um sie zu beklauen. An die fünf Faschos, die auf einen hilflosen „Ausländer“ einschlagen. Wer hauen und Scheiße bauen will, soll sich zumindest ebenbürtige Gegner ins Haus holen.

Das Gericht verurteilte den jungen Mann zu fünfzehn Monaten Haft auf Bewährung und fünf Jahren Youtube-Sperre, er darf also keine Videos mehr hochladen. Dem jungen Menschen wird somit seine bis dato einzige Daseinsberechtigung entzogen: Aufmerksamkeit. Vielleicht ein guter Moment, um in sich zu gehen, tief dorthin, wo das Herz liegt, zuzuhören, wie es pumpt, zu verstehen, dass dies ein Geschenk ist und dieses Geschenk nicht für Gemeinheiten verramscht werden muss.