LUXEMBURGSVEN WOHL

Vier Ministerien stellen sich dem Thema Sexualität

Dass das mit der Sexualität keine so einfache Sache ist, das sollte eigentlich jedem einleuchten. Deshalb verwundert es auch nicht, wenn vier Ministerien sich hier gemeinsam für einen Aktionsplan in Hinsicht auf einen gesunden Umgang mit Intimität und Sexualität einsetzen. Dieser Plan wird gleichzeitig vom Bildungs-, Gleichberechtigungs-, Familien- und Gesundheitsministeriums mitgetragen.

Dem Thema gerecht werden

Ganz unkompliziert kann der Plan also nicht sein. Doch man hat sich auf drei Kernpunkte, beziehungsweise fünf Achsen geeinigt, auf die es sich zu konzentrieren gilt. Zum einem wird klar gemacht, dass es nicht nur um die eigentlichen sexuellen Handlungen geht, sondern auch Zuneigung und Intimität insgesamt thematisiert wird. Damit sollen auch Aspekte wie sexuelle Identität und Orientierung, Lust und Vergnügen, sowie Fortpflanzung angesprochen werden. Das Thema soll also aus einer möglichst breiten und inklusiven Perspektive angegangen werden.

Vor dem Hintergrund von HIV soll natürlich auch auf die gesundheitlichen Aspekte eingegangen werden. Hinzu gesellen sich Themen wie ungewollte Schwangerschaften und sexuelle Gewalt. Auch die Bildung wird mit Hinblick auf die Sexualität in den Fokus gestellt.

Übergreifende Aktion

Diese breite Auslegung des Themas spiegelt sich zum einen in den spezifischen Entscheidungen als auch an der Beteiligung der Ministerien. Einer der Punkte etwa konzentriert sich auf die Kommunikation zwischen den verschiedenen Ministerien, damit die Vorgehensweise auch möglichst kohärent bleibt. Darum kümmert sich zu einem großen Teil das Gesundheitsministerium
unter Mars Di Bartolomeo (LSAP). Auch die Bekämpfung von Aids und die teils kostenfreie Verhütung
für Frauen unter 25 sowie die Umsetzung des neuen
Abtreibungsgesetzes fallen in den Aufgabenbereich
dieses Ministeriums.

Das Informieren und Sensibilisieren der Materie sowie der Unterricht sollen zudem darauf ausgerichtet werden, allen, das heißt sowohl Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen, die notwendigen Kompetenzen zu vermitteln, damit diese ihre Sexualität bewusst selbst bestimmen können. Diese Kompetenzen sollen aber auch bei den Professionellen in den zuständigen Bereichen möglichst ausgebaut werden. Wichtig sei ebenfalls, dass der Zugang zu diesen Angeboten für alle offen gehalten wird. Das beinhaltet natürlich auch, dass die Teile der Bevölkerung angesprochen werden, die oftmals benachteiligt werden.

Kampf gegen Stereotypen

Die Ministerin für Gleichberechtigung, Françoise Hetto-Gaasch betont in diesem Zusammenhang, dass man auch die Chance nutzen sollte und mit den zahlreichen Stereotypen, die in diesem Themenfeld angesiedelt sind, endlich aufzuräumen. Damit erst werde der Weg frei für die Gleichberechtigung und Chancengleichheit zwischen Mann und Frau. Dabei ist natürlich die Bildungsministerin, Mady Delvaux-Stehres, mit eingebunden. Das didaktische Material in den Schulen soll stärker diesen Aspekten angepasst werden. So sollen, im Fall wo dies nötig sei, das Unterrichtsprogramm auch angepasst und zusätzlich auch innovative Ideen mitgetragen werden. Für Marc Spautz, seines Zeichens Familienminister, spielt Sexualität auch im Zusammenhang mit der persönlichen Entwicklung von Kindern und Jugendlichen eine Rolle. So setzt er seinen Akzent auf die Kompetenz der Professionellen, die mit Kindern und Jugendlichen im Bereich der Sexualität arbeiten. So sollen die Fortbildungsangebote für die Erzieherinnen und Erzieher weiter verstärkt und auch ausgebaut werden. Auch soll der „Planning familial“ in Zukunft stärker unterstützt werden. Viele dieser einzelnen Bestimmungen sollen bis 2016 laufen.