LUXEMBURG
FERNAND KARTHEISER

Am nächsten Sonntag kommt die ADR in Ettelbrück zu ihrem Nationalkongress zusammen. Es ist dies ein besonderer Kongress, wird der wohl bekannteste ADR-Politiker Gast Gibéryen sich doch in der darauffolgenden Woche nach 31 Jahren offiziell aus der „Chamber“ zurückziehen.

„Kaum jemals war eine politische Partei so lange und so innig mit einer dominierenden Persönlichkeit verbunden wie die ADR mit Gast Gibéryen. 31 Jahre lang hat er die Geschicke der Partei, seiner Partei möchte man sagen,  maßgeblich bestimmt.  Mit seinem Abschied aus der aktiven Politik geht für die ADR eine Ära zu Ende. Sie muss sich dieser Herausforderung nun stellen und wird sie auch meistern.
Die Stärken der ADR liegen in ihrer Positionierung in der rechten Mitte des politischen Spektrums und ihrer konservativen, werteorientierten  und sozialen Ausrichtung.  Die Programmatik der Partei hat sich im Laufe der Jahre vervollständigt und stetig verfeinert.

Es ist eine Besonderheit der politischen Landschaft Luxemburgs, dass sich alle anderen relevanten Parteien im linken Spektrum oder allenfalls in der linken Mitte bewegen.  Dies gilt insbesondere auch für die CSV, die schon längst alles Christliche über Bord geworfen hat und sich Luxemburg nur noch  als eine Art Bundesland eines europäischen Gesamtstaates vorstellen kann.

Die ADR vertritt  somit alleine eine Ausrichtung, die durchaus wieder vermehrt Zuspruch findet und ist daher eine attraktive Alternative für Menschen, die sich einen Umbruch im Sinne einer eher patriotischen, traditionelleren und weniger ideologischen Politik wünschen.

Der nun anstehende Nationalkongress wird den alternativen Charakter der ADR noch einmal unterstreichen. Aller Voraussicht nach wird der Kongress insgesamt drei Positionspapiere annehmen, die jeweils die Themenbereiche Wohnen, Klimapolitik und Migration betreffen. Hierbei wird deutlich werden, dass die ADR sowohl innovative Ideen hat als auch die Auseinandersetzung mit den Vorstellungen ihrer politischen Konkurrenz nicht scheut.

Insbesondere in der Asyl- und Migrationsdiskussion bietet die ADR den Wählern eine klare Alternative zu dem Regierungskurs an, der ja von allen anderen Parteien, inklusive der CSV, mitgetragen wird.   
Für die ADR ist ihre derzeitige Ausnahmestellung kein Selbstzweck. Wie jede andere politische Partei strebt sie eine Regierungsbeteiligung an, auch wenn diese Option derzeit noch unrealistisch scheint.  Doch auch in der CSV bleibt der strategische Fehler ihres Spitzenkandidaten bei den Parlamentswahlen 2018  unvergessen.

Das prinzipielle Nein zu einer bürgerlichen Mitte-Rechtskoalition zwischen CSV und ADR als Alternative zu Gambia hat der CSV erhebliche Stimmenverluste gebracht. Hat sie daraus gelernt?“