LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Das Blaumeisen-Sterben hat seinen Höhepunkt überschritten - Bakterium als Ursache

Selten standen die kleinen blauen Kerlchen so im Fokus wie in den letzten Wochen - gemeint sind die Blaumeisen. Leider aus keinem schönen Anlass, denn die bunten Singvögel wurden in den Frühlingsmonaten von einer artspezifischen Krankheit befallen und meistens auch getötet.

Schon Ende April beziehungsweise Anfang Mai hatten der liberale Abgeordnete Gusty Graas und die CSV-Oppositionsführerin Martine Hansen unabhängig voneinander fast gleichlautende Fragen an Umweltministerin Carole Dieschbourg (Déi Gréng) gerichtet. Beide erkundigten sich nach der Ursache des beobachteten Sterbens von Blaumeisen und was darüber bekannt sei.

Eine englische Krankheit

Dieschbourg berichtete darüber, dass das Blaumeisen-Sterben erstmals 1996 in England beobachtet wurde, seit dem tritt es dort immer wieder im Frühjahr auf. Im März dieses Jahres wurde die Krankheit auch in Deutschland, Belgien, Frankreich und dann in Luxemburg beobachtet.

Veterinärmedizinische Untersuchungen in Deutschland haben das Bakterium „Suttonella ornithocola“ als Ursache der Krankheit ausgemacht, das wurde auch vom luxemburgischen Veterinäramt durch eigene Untersuchungen bestätigt. Dieses Bakterium aus der Familie der Kardiobakterien verursacht bei infizierten Meisenvögeln eine Lungenentzündung. „Suttonella ornithocola“ befällt insbesondere kleine Arten wie die Blaumeise, die in Europa am häufigsten vorkommt. Kranke Vögel werden hauptsächlich in der Nähe von Futterstellen gesichtet, was auf eine hohe Ansteckungsgefahr hinweise, so Dieschbourg. Allerdings bestehe keine Gefahr, dass dieses Bakterium auf den Menschen oder Haustiere überspringt.

Bilanz des Vogelsterbens

Vorgestern hat nun der Naturschutzverband natur&ëmwelt eine Bilanz zum Schicksal der Blaumeisen in Luxemburg vorgestellt.

Seit Ende März 2020 wurden natur&ëmwelt aus vielen Gärten und insbesondere von Futterstellen tote oder krank wirkende und kurz danach sterbende Blaumeisen gemeldet. Auch das komplette Fehlen von Blaumeisen wurde vermehrt beobachtet.

Nun könne man aufgrund von 228 Meldungen von 371 Vögeln (davon knapp zwei Drittel tote und rund ein Drittel kranke Tiere) die bei natur&ëmwelt eingegangen sind, ein vorläufiges Fazit ziehen. Zunächst fällt auf, dass sich die Beobachtungen relativ gleichmäßig und flächendeckend über das ganze Land verteilen und keine offensichtlichen „Hotspots“ auszumachen waren. Der Verlauf der eingegangenen Meldungen pro Tag zeige, dass das Blaumeisensterben im März begonnen hatte, Mitte April ein Höhepunkt erreicht wurde und die Zahl der toten Vögel danach wieder zurückging. Gleiche Beobachtungen wurden in Deutschland gemacht. Rund um Thema Blaumeisen arbeitete natur&ëmwelt eng mit seinem deutschen Partner „NaBu“ zusammen.

Nach Auffassung der Naturschutzorganisationen gehen nicht alle toten Vögel „auf das Konto des Bakteriums“. Allerdings passen die Beschreibungen der gefundenen bzw. beobachteten Vögel auf die von Suttonella ornithocola -typische Symptomatik. Da seit Ende Mai jedoch kaum mehr Meldungen eingingen wurde die Meldeliste für kranke oder tote Blaumeisen von natur&ëmwelt geschlossen.

„Social distancing“ für Meisen

Um die Lebensumstände der überlebenden Blaumeisen zu verbessern, empfiehlt die Organisation durch einen naturnahen und vogelfreundlichen Garten günstige Bedingungen für die Vögel schaffen und ihnen so die Möglichkeit zu geben, Verluste durch erfolgreiche Bruten zu kompensieren.

Da es sich um eine ansteckende Krankheit handelt, sei das Risiko einer Übertragung überall dort besonders hoch wo viele Vögel aufeinander treffen, also an Futterstellen und Tränken. Um Ansteckungen einzudämmen sollten Futterstellen geleert und gereinigt werden und die Fütterung für rund vier Wochen eingestellt werden.