Das Verbrechen hatte ganz Luxemburg geschockt: Am 1. November 2010 war der damals 69-jährige Rentner Camille K. mit einer Axt erschlagen in seinem Haus in Hassel gefunden worden. Gestern setzte das Berufungsgericht die Verhandlungen im Mordfall Camille K. fort.
Der Tat dringend verdächtigt wurden damals der 44-jährige Adoptivsohn Pascal Michel K. und sein 38-jähriger Freund Jérémy B. Das Gericht kam zu der Überzeugung, dass der Adoptivsohn Pascal Michel K. und sein Freund Jérémy B. den Mord in Auftrag gegeben hatten. Charles Edouard C. soll der bezahlte Mörder gewesen sein. Die beiden Verdächtigten waren in Versailles verhaftet und mit Charles C. in Luxemburg am 8. Januar 2014 wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Motiv der Tat konnte das Gericht allerdings nicht aufklären, wie die Verteidiger damals einräumten.
Bis heute streiten die drei Männer die Tat ab und legten Berufung ein, da sie hoffen (so das Gerücht) das Gericht als freie Männer zu verlassen. Nach Meinung der Verteidiger haben die drei Männer gute Chancen, ihre Strafen zu mindern. Die Verteidiger rechnen nach dem Wirbel um das „Hassel-Urteil“ mit deutlicher Strafminderung.
Richter Edon musste am vergangenen Dienstag von den Verteidigern eine Antragsflut über sich ergehen lassen. Die neue Verteidigerin Me Liliane Glock spricht flüssig, drückt sich klar aus. Sie möchte ein neues Gutachten von einem unabhängigen Experten. Die beiden anderen Verteidiger, Me Penning und Me Rollinger, schlossen sich dem Antrag an, wollten sie doch einen ähnlichen Antrag stellen. Außerdem wollen die drei Verteidiger den Zeugen Mersch noch einmal hören. Die Anklagevertreterin lehnte den Antrag erwartungsgemäß ab, weil er ihrer Meinung nach unbegründet ist.
Die Stellungnahmen der Angeklagten
Die Verteidigung spricht von Unvoreingenommenheit und will einen fairen Prozess. Richter Edon stellte unverhohlen Fragen an die drei Angeklagten. Die drei in erster Instanz verurteilten Mörder erklärten zuerst, dass sie unschuldig sind. Der mutmaßliche Mörder Charles C. gab einige Details zu seiner Beziehung zu den beiden anderen Angeklagten. Er erklärte, er sei über Hassel nach Luxemburg gefahren, um mit Camille K. über den Verkauf eines Wagens zu sprechen. In erster Instanz hatte C. zu Protokoll gegeben, er hätte Camille K. getroffen, um eine Bibel zu kaufen. Richter Edon fragte C., warum er im Internet Recherchen über den Mord von Camille K. gemacht habe. Jeder hätte von dem Mord gewusst, sagte C. und das Geld, das er damals bei sich hatte (4.000 Euro), stammte von Jérémy B. und war für den Kauf von zwei Wagen in Slowenien bestimmt. C. gab an, dass er während des Verhörs von einem Polizisten gezwungen worden war, das Wort „Pedofile“ zu schreiben. Bekanntlich war eine Bibel neben dem Bett von K. gefunden worden, in der das falsch geschriebene Wort „Pedofile“ geschrieben war. Dann wurde C. über die Zeitspanne vom 31. Oktober zum 1. November 2010 befragt. Die letzte SMS, die C. erhielt, war um 23.44. Die Frage, warum das Handy dann von 23.44 bis 3.40 ausgeschaltet war, konnte C. nicht genau beantworten. Auch der 38-jährige Jérémy B. gab zu Protokoll, dass er nichts mit dem Mord zu tun hat.
Der 44-jährige Adoptivsohn Pascal Michel K. leugnete weiter, etwas mit der Tat zu tun zu haben. „Ich habe den Auftrag nicht zum Mord gegeben“, sagt der Angeklagte. Sein Leben sei transparent, jeder könne sein Leben auf Facebook nachlesen. Seinem Gefühl nach muss ein anderer den Auftrag an Charles C. gegeben haben. Die Anklagevertreterin stellte dem Angeklagten die Frage, ob er damit meine, ob die Polizei den Auftrag zum Mord gegeben habe. Dazu bemerkte Pascal K. , „Il y a un problème culturel dans la police grand-ducale“. Der Angeklagte sprach fast eine Stunde über Politik, Polizei, SREL, Richter Prosper Klein und Homosexualität. Der Prozess wird am 13. Januar 2015 fortgesetzt.


