ESCH/ALZETTE
CHRISTIAN SPIELMANN

„Rot“ beleuchtet das Leben und Werk des Malers Mark Rothko

Der amerikanische Schriftsteller, Theater- und Drehbuchautor John Logan („Gladiator“, „Aviator“, „Skyfall“) war beim Anblick der Bilder von Mark Rothko derart fasziniert, dass er ihm sein Theaterstück „Red“ widmete, das 2009 in London uraufgeführt wurde, mit Alfred Molina als Rothko und Eddie Redmayne (Oscargewinner für „The Theory of Everything“) als Ken in den Hauptrollen.

Ein Jahr später kam es an den Broadway und gewann sechs Tony Awards - davon ging einer an Logan und einer an Redmayne. Im Oktober 2011 spielte das Berliner Renaissance Theater „Rot“ erstmals in deutscher Sprache. Das Tournee-Theater Euro-Studio tourt nun mit „Rot“ durch die Theaterlandschaft und gastierte am Dienstag in Esch. Die Hauptrollen spielen Dominique Horwitz und Benno Lehmann, die bereits in Berlin die Rollen vom Maler und seines fiktiven Assistenten Ken interpretierten.

Streitgespräche

„Rot“ spielt um 1958, damals erhielt Rothko den Auftrag, Wandgemälde für das Nobel-Restaurant „Four Seasons“ im New Yorker Seagram Building zu erschaffen. Auf der Bühne geht der Maler nachdenklich auf und ab, raucht und trinkt. Ken, ein junger Maler, soll ihm bei belanglosen Arbeiten helfen, wie zum Beispiel Rahmen aufziehen, Farben mischen, Essen und Zigaretten herbeiholen. Rothko will weder sein Freund, noch sein Mentor sein, sondern nur sein Arbeitgeber. So muss sich Ken die endlosen Reden des Meisters anhören, meistens Reflexionen über sein Werk, das von der Farbe Rot dominiert wird, aber auch die Kritiken an zeitgenössischen Malern.

Für Rothko sind Kunstkritiker und Galeristen keine Menschen, und Picasso ein Scharlatan, der für Geld Speisekarten signiert. Das Bild eines Kindes beinhaltet Wahrheit! Sagt Ken mal seine Meinung und sie passt nicht in Rothkos Weltbild, sieht Ken sich den Wutausbrüchen des Meisters ausgesetzt. Doch Ken lernt, deckt Rothkos Widersprüche auf und wird unbewusst zum Schüler.

Wahn und Angst

Unter der Regie von Torsten Fischer spielt Horwitz den Maler mit einer aparten Strenge. Selbstbewusst ist der Meister der Malerei, ein Kettenraucher und Trinker. Er liebt seine Werke, weiß die unmöglichsten Dinge darüber zu erzählen. Doch hin und wieder dringen Zeichen eines möglichen Wahns in seinem in diesen Momenten gewollt exzentrischen Spiel durch.

Rothkos ist von Rot fasziniert und so sieht er diese Farbe ständig, selbst im Atelier von Matisse, das jedoch weiß gestrichen war. Große Angst hat er vor der Farbe Schwarz. „Eines Tages wird das Schwarze das Rote verschlingen!“, gesteht er Ken. Schwarz bedeutet das Nichts, den Tod. Und Rothko wird sein Leben freiwillig 1970 beenden. Gegen Horwitz besteht Lehmann gekonnt als Weichei, der schnell lernt, sich auflehnt, um schließlich ein eigenständiger Maler zu werden.

„Rot“ wirft nicht nur einen Blick auf Rothkos Werk, sondern ist eine generelle und intelligente Reflexion über die Malerei des 20. Jahrhunderts, die zwar volle Konzentration vom Zuschauer über die Dauer von 90 Minuten erfordert, ihn aber nicht kalt lässt und zum Überlegen anregt.