LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Effizientere Organisation der Polizei soll Einbruchsphänomen eindämmen

Das Unsicherheitsgefühl in Luxemburg wächst. Schuld daran ist die zunehmende Zahl der Einbrüche in den vergangenen Wochen. Ende November wurden an einem einzigen Wochenende 36 gezählt. 3.869 Einbrüche und Einbruchsversuche waren es bislang in diesem Jahr, - 400 mehr als 2013. „Luxemburg ist keine Insel, auch nicht was Einbrüche anbelangt“, stellte CSV-Abgeordneter Léon Gloden gestern während einer auf Initiative seiner Partei anberaumten Aktualitätsstunde in der Abgeordnetenkammer fest. Einbrüche würden mittlerweile zum „daily business“ im Großherzogtum gehören. In einigen Fällen sei zudem brutale Gewalt im Spiel. In den Grenzregionen sei das Risiko besonders hoch, da die Täter schnell ins Ausland flüchten könnten, bemerkte Gloden.

Zehn Prozent der Haushalte betroffen

In der Tat wurden in den vergangenen fünf Jahren in zehn Prozent der Haushalte Luxemburgs eingebrochen. Hinzu kommen fünf Prozent, bei denen es zu versuchten Einbrüchen kam. Laut einer rezenten Statec-Studie fürchten 34 Prozent der Einwohner, sie könnten in den kommenden zwölf Monaten Opfer eines Einbruchs werden. Wie man diesem Phänomen entgegen wirken wolle, damit sich die Bevölkerung letztendlich wieder sicherer fühle, wollte Gloden deshalb unter anderem vom Minister für Innere Sicherheit, Etienne Schneider, wissen.

Eine hundertprozentige Sicherheit könne es nicht geben, gab LSAP-Abgeordnete Claudia Dall’Agnol zu bedenken: „Die Polizei kann nicht überall sein“. Sie informiere dagegen aber verstärkt darüber, wie man sein Heim schützen und einbruchssicher gestalten könne. Diese Ratschlägen solle man beherzigen, da immerhin bis zu 40 Prozent der Einbrüche verhindert werden könnten, sagte Dall’Agnol. Max Hahn (DP) bemerkte, dass die Bürger in der Verantwortung seien, der Polizei auffällige Personen zu melden. Außerdem stellte er fest, dass nur wenige Einbrüche aufgeklärt werden, oft aber Wiederholungstäter im Spiel seien. Ob man das Strafmaß nicht vielleicht überdenken müsse, wollte er deshalb wissen. Darüber hinaus plädierte der DP-Abgeordnete für eine Aufstockung des Polizeibestands und für den Einsatz des Polizei- Hubschraubers in der Nacht. Claude Adam (déi gréng) bemerkte, dass es in puncto technische Ausstattung bei der Polizei noch an manchem mangele, beispielsweise was die Fußspurensicherung anbelange. Laut Fernand Kartheiser (adr) würden punktuelle Grenzkontrollen Sinn machen. Außerdem wünschte er sich, dass die Herkunft der Täter thematisiert würde.

Organisierte Banden aus dem Osten

In der Tat sei das Phänomen der Einbrüche drastisch in die Höhe gegangen, räumte Minister Schneider ein. Jedoch dürfe man nicht vernachlässigen, dass es in 40 Prozent der Fälle beim Versuch geblieben wäre und zudem in 35 Prozent der Fälle Lagerhallen das Ziel gewesen seien. Oft seien organisierte Banden aus früheren Ostblockländern am Werk und tatsächlich hätten nur rund zehn Prozent der Fälle aufgeklärt werden können. Er selbst habe mehr Präsenz „um Terrain“ angeordnet. Die Polizei fahre verstärkt Streife, oft in Zivilfahrzeugen.

„Ich würde mir auch mehr Polizisten wünschen, wir bekommen aber nicht mehr“, gab Schneider zu bedenken. Wohl würden sich jedes Jahr bis zu 300 interessierte Kandidaten melden, nach dem ersten Examen seien aber höchstens noch 100 übrig, nach den Sporttests 60 und nach der Grundausbildung 50. 45 bis 50 würden die Polizeischule schließlich erfolgreich abschließen. Daneben dürfe man die Polizisten nicht vergessen, die in den Ruhestand gingen. Am Ende würden sich die Abgänge und die Neuzugänge leider nicht die Waage halten.

Effizientere Organisation

„Administrative Arbeiten sollen künftig von zivilem Personal übernommen werden. Außerdem sollen die Kommissariate zusammengelegt werden, was aber sicherlich noch zu Diskussionen mit den Gemeinden führen wird. Dass der Wohnperimeter abgeschafft wird, macht die Polizei bestimmt nicht weniger effizient. Es ist ja nicht so, als würde der Polizist zuhause in seinem Wohnzimmer sitzen und darauf warten, dass er zum Einsatz gerufen wird“, bemerkte der Minister. Ausschließen möchte er auch nicht die Einführung von Ordnungsämtern in den Gemeinden. Das würde der Polizei mehr Spielraum verschaffen, sich der Bekämpfung der Kriminalität zu widmen. Diese und andere Überlegungen würden in den kommenden Monaten vertieft werden, sagte Schneider.