CLAUDE KARGER

Unser Außenminister funkte gestern wieder mal durch ganz Deutschland über Gott und die Welt, präziser über die Gebaren der Russen- und EU-Kommissions-chefs. Ersterer, den das „Wort“ gestern einen „testosteronstrotzenden Flegel“ zieh, spielt noch immer in der Ostukraine mit den Muskeln; letzterer ist wegen „LuxLeaks“ derzeit ein wenig schwach auf der Brust. Das werde sich schon einrenken, meint unser Chefdiplomat, der dem Radiomann zunächst erklärte, „dass die Europäische Union ja eine demokratische Anstalt ist“. So könne das Europaparlament der Kommission „ja unter bestimmten Regeln das Vertrauen entziehen“. Doch auch wenn der EU-Kommissionsboss - „ein politisch denkender Mensch“ - den Sturm übersteht, könne er freilich nicht fix zur Tagesordnung übergehen: „Juncker wird am Steuer stehen müssen, um diese Praktiken, sagen wir mal, in ein anderes Licht zu schieben“. Schwierig, wenn alle Welt ihm Steuer-Schiebung vorwirft. Die „woxx“ wirft ihm gar vor, die neue Koalition geschoben zu haben: „le fait que Jean-Claude Juncker - et donc le CSV - était au courant un mois avant le gouvernement sans qu’il n’ait daigné le communiquer aux nou-
veaux responsables en dit long sur les stratégies du plus grand parti de l’opposition quand il s’agit de discréditer la coalition bleu-rouge-vert“. Das ging aber gehörig nach hinten los.