LUXEMBURG
PATRICK HURST

Seit 2001 ist der 4. Januar Louis Braille gewidmet. Selbst blind, erfand der Franzose um 1825 ein System mit gestanzten Punkten, welche in verschiedenen Kombinationen für Buchstaben und andere Schriftzeichen stehen. Seine Motivation war: Er wollte selbst Literatur erfahren können, ohne dauernd auf die Hilfe von anderen angewiesen zu sein. Die Braille-Schrift trat schnell ihren internationalen Siegeszug an, aber es gibt sie bis heute längst nicht überall dort, wo Informationen auch für Sehbehinderte zur Verfügung stehen müssten, sagt Patrick Hurst. Der Präsident der Behindertenvereinigung „Nëmme Mat Eis“ ist selbst blind und begegnet im Alltag zahlreiche Probleme, die eigentlich nicht sein dürften.

„Die Anwendung der Braille-Schrift ist leider noch immer ziemlich zufallsbedingt. Das erfährt ein Sehbehinderter immer wieder im Alltag. Nehmen wir Aufzüge. Längst nicht überall kann man die Etagennummern ertasten. Oder nehmen wir die Plastikkarten für die unterschiedlichsten Zwecke, die wir in unserer Brieftasche mit uns führen. Im seltensten Fall sind sie mit Braille versehen. Immer noch sind die allermeisten Bankautomaten nicht so ausgestattet, dass auch ein Sehbehinderter sie bedienen könnte. Immer noch gibt es Papierformulare, für deren Ausfüllen man als Sehbehinderter sehr viel Zeit benötigt. Ich würde mir wünschen, dass schnellstmöglich alle Prozeduren digitalisiert werden, das würde Sehbehinderten das Leben sehr erleichtern. Wenn es dabei auch noch gelingt, die Prozeduren zu straffen: um so besser.

Ich habe nun ein wenig von den Problemen gesprochen. Aber es gibt auch eine Reihe von Fortschritten, die behinderten Personen insgesamt entgegen kommen. Positiv ist etwa, dass Sehbehinderte seit den letzten Parlamentswahlen mit speziellen Schablonen wählen können.

Vor allem aber begrüßen wir das neue Zugänglichkeitsgesetz, das seit dem Sommer als Entwurf vorliegt. Erstmals wird in diesem Entwurf eine Deadline gesetzt: Bis 2029 sollen alle öffentlichen Gebäude, aber auch Privatgebäude, in denen sich zum Beispiel Geschäfte oder Arztpraxen befinden, für alle behinderten Personen barrierefrei zugänglich sein. Auch Residenzen von drei Etagen und mehr als fünf Wohnungen sollen in diesem Sinne ihre gemeinschaftlichen Räumlichkeiten anpassen müssen. Der Staat wird bei den Umänderungen finanziell helfen.

Für neue Gebäude soll das Prinzip des ‚Design for all‘ verankert werden, sie sollen also so entworfen werden, dass sie für jeden barrierefrei zugänglich sind. Die Behindertenvereinigungen stehen gerne zur Verfügung, um bei der Ausarbeitung der Details zu helfen, denn ihre Mitglieder kennen die Bedürfnisse der Betroffenen wohl am besten. Wir haben übrigens im Sinne einer inklusiven Diskussion über die Zugänglichkeit eine gute Erfahrung bei der Ausarbeitung des Tram-Konzepts gemacht, wo wir von Anfang an mit einbezogen wurden.

Das Regierungsprogramm beinhaltet eine ganze Reihe weiterer positiver Akzente. Zum Beispiel das persönliche Assistenzbudget, das es einer behinderten Person erlauben wird, ohne viel Aufhebens eine Begleitperson zu bekommen. Bislang gibt es zwar auch Unterstützung, aber es gibt viel zu viele Restriktionen.“