ESCH/ALZETTE
MARCO MENG

Neue Regeln, neue Märkte: Fondsverband ALFI diskutiert die neuen Chancen

Vieles in der Finanzwelt ändert sich gerade, neue Regeln werden aufgestellt, neue Märkte erschlossen. Der luxemburgische Fondsverband ALFI lud darum gestern Experten zur Diskussion nach Esch/Alzette unter dem Motto: „Neue Spielregeln für globale Distribution“.

Welche Änderungen bringen die neuen globalen Vertriebsregularien in Europa und darüber hinaus? Welche Auswirkungen haben die neusten AML/KYC-Regularien und der AIFM-Passport, und was bedeutet die digitale Welt für den Verbraucherschutz (MIFID) und die Zukunft des Fondsvertriebs? Dies waren nur einige der Fragen, die behandelt wurden. Im Fokus stand insbesondere Asien. Gast Juncker, Partner von Elvinger, Hoss & Prussen zitierte die Financial Times, die jüngst einen Abfluss von Kapital aus Asien feststellte. Ob das ein Trend sei, fragte er.

Bing Li, Leiter der Vermögensverwaltung der ICBC (Europe) in Luxemburg, sieht in den Zahlen keine grundlegende Trendwende und verweist darauf, dass sich die Renditen, die Investoren früher in China hatten, inzwischen etwas abgeschwächt hätten. Auch wenn der Finanzmarkt in China in vielerlei Hinsicht noch klein und unterentwickelt sei, so sei doch der Anleihemarkt beispielsweise mit einer enormen Wachstumsrate einer der größten der Welt. Laut Weltwirtschaftsforum werden allein an den beiden Börsen Shenzhen und Shanghai Wertpapiere im Wert von mehr als acht Billionen Dollar im Jahr gehandelt. Die chinesischen Börsen sind demnach aufgrund ihres Handelsvolumens bereits zu den führenden der Welt zu zählen, während die Zentralbanken verschiedener Länder längst in die chinesische Währung investieren. Andererseits sei, sagt Li, der Marktzutritt für ausländische Akteure noch sehr limitiert, was wiederum auch die Marktgröße begrenze.

Marktzutritt nach Asien noch erschwert

Zwar hat die chinesische Regierung erst jüngst ein Quantum an Luxemburg vergeben, in welcher Höhe hiesige Fonds in China investieren können. Allgemein aber, so Li, seien ausländische Vermögensverwalter für ihre Investments auf örtliche Partner angewiesen oder auf börsengehandelte Fonds (ETFs). Lokale Asset Manager promoten schon länger Ucits in Asien - vor allem von Hong Kong aus, wo viele aufgelegt sind. Insgesamt ist derzeit der Marktzutritt in verschiedenen asiatischen Ländern unterschiedlich schwer, und auch in China seien, meint Li, spezielle Regularien zu beachten. Dominiert wird der chinesische Fondsmarkt derzeit darum von den örtlichen Banken.

Paul Carr, CEO von East Capital Asset Management Luxembourg bestätigt, dass es heute noch nicht einfach ist, in China zu investieren; vor allem das Geschäft mit privaten Endkunden gestaltet sich schwer. Betrachte man den gesamten asiatischen Raum, stelle man fest, dass sich die meisten luxemburgischen regulierten Investmentfonds (Ucits) in Singapur - dem „most userfriendly country“ - befinden, während Hong Kong das Hub für Investitionen in das und aus dem chinesischen Festland ist. Japan hingegen, immerhin drittgrößte Volkswirtschaft weltweit, erschwert Ucits den Zugang, während sich Malaysia durch starkes Wachstum und eine steigende Nachfrage auszeichnet. Korea wiederum hat großes Potenzial, benachteiligt allerdings ausländische Fonds. Taiwan, so Carr, sei ein guter Markt für Ucits, stelle aber auch strikte Anforderungen für eine Zulassung; Australien ist demgegenüber für Ucits fast verschlossen. Allgemein sehe man ein Wettrennen zwischen luxemburgischen und Cayman-Fonds in Asien. Wie Carr bemerkt würde ein „Asien-Passport“ für die grenzübergreifende Fondszulassung das Vertriebsmodell signifikant ändern: In Diskussion sind derzeit drei solcher „Passports“, wie einer beispielsweise schon EU-weit existiert: Der Asean-Asia-Funds Passport, der Asia Region Funds Passport (ARFP), der 2016 in Australien, Neuseeland, Singapur und Korea in Kraft treten soll, sowie der China-Hong Kong-Passport. Allgemein gelte aber: Wer in Asien erfolgreich sein wolle, müsse die kulturellen Unterschiede akzeptieren, betont Carr.

Jean-Luc Neyens, Direktor der Banque Degroof in Luxemburg ist überzeugt, dass als Reaktion auf die letzte Finanzkrise viele asiatischen Länder ihre lokalen Märkte abschirmen wollen. Signifikant sei auch der kulturelle Unterschied: Die Zunahme von E-Banks und vor allem Finanzanbieter wie der Internetriese Alibaba stellten traditionelle Banken wie Aufsichtsbehörden vor eine Herausforderung.

Dem chinesischen Onlinehändler Alibaba war es gelungen, in nur einem Monat 90 Milliarden Dollar in seinen Money Market Fonds einzusammeln. Li stimmt zu, dass in China eine persönliche Beziehung besonders wichtig ist, auch bei Geldanlagen und Investitionen. So ist seiner Einschätzung nach auch das Alibaba-Modell nicht auf Europa übertragbar; Alibaba sei aber sicher ein Treiber für die Liberalisierung des Marktes. Und Li verweist darauf: Nach der Liberalisierung in den 1980er Jahren in den USA hätten dort Money Market Fonds an Bedeutung verloren.

Die Rolle, die luxemburgische Fonds in Zukunft in Asien spielen werden, ist für Li klar: Luxemburg dominiert den regulierten (Ucits-)Investmentfondsmarkt, darum wollen chinesische Banken hier auch ihre globale Plattform etablieren.