LUXEMBURG
DANIEL OLY

„Deus Ex: Mankind Divided“ spaltet die Fans der Serie

Fans der „Deus Ex“-Serie haben wahrhaft ein Luxusproblem: Als Designerlegende Warren Spectors „Deus Ex“ 2000 erschien, mischte der Genremix aus Shooter und Rollenspiel wie über Nacht die Spielewelt gehörig durcheinander. Die fesselnde Story rund um Drohnen, Maschinen und Upgrades in einer dystopischen Zukunft, die uns heute nicht mehr so fern scheint, gepaart mit einem einzigartigen Gameplay-Mix aus Schleichen, Ballern, Technologie und Denkakrobatik verlieh dem Titel (zurecht!) oftmals die Auszeichnung des besten PC-Spiels aller Zeiten. Leider musste man sich bis zum zweiten Nachfolger „Human Revolution“ gedulden, bis wieder ansatzweise dieselbe Qualität erreicht werden konnte.

Jetzt kommt mit „Mankind Divided“ der vierte Spross der Serie - und löst prompt heiße Diskussionen aus: Über Themen, die im Spiel angeschnitten werden. Über das Gameplay, das gewohnt hochwertig ausfällt. Über die technische Umsetzung, die besonders am PC immer noch recht holprig ausfällt. Ganz besonders jedoch über eine - gefühlt - schwächere Story, von der Puristen einfach mehr gewöhnt sind.

Magere Hauptstory

So fällt etwa die Hauptstory, also nur alle Hauptmissionen ohne die Nebenstränge mit unter zehn Stunden Spielzeit extrem mager aus. Das veranlasste viele Spieler zu scharfer Kritik an den Entwicklern. Aber: Relativiert wird dieser Umstand durch die vielen Nebenmissionen, die mitunter zu kleinen Minigeschichten auswachsen können. Gleichzeitig sind die ganzen Level, etwa die Gassen Prags, derart ausgiebig und liebevoll gestaltet, dass man problemlos mehrere Stunden nur darauf verwenden könnte, um jeden Winkel zu erkunden.

Hilfreich dabei ist das Gameplay, das dem Spieler in echter Deus Ex-Tradition alle Freiheiten lässt und keinen speziellen Spielstil vorschreibt. Sicher: Es gibt eine feste Haupterzählung, mit dem bestimmte Ziele vorgegeben werden. Der Spieler kann aber entscheiden, wie er diese Ziele erreichen will - eine Vorgabe hierfür gibt es nicht. So dürfte kaum eine Sitzung identisch ausfallen und auch mehrmaliges Durchspielen bietet sich an.

Übermenschliche Fähigkeiten

Nicht zuletzt wegen der großen Auswahl an „Augmentations“. Die Hauptfigur Adam Jensen musste bereits im Vorgänger tiefgreifende Veränderungen an seinem Körper über sich ergehen lassen: Maschinenarme und -beine, Cyberaugen oder künstliche Lungenflügel beispielsweise. Diese „Augs“ werten den Körper auf, geben ihm übermenschliche Fähigkeiten und machen ihn ganz nebenbei unheimlich für „normale“ Menschen. Hier manifestiert sich auch das Rollenspielelement der Franchise, denn der Spieler hat direkten Einfluss auf die Wahl der aktivierten Verbesserungen. So kann die Spielfigur auf den eigenen Spielstil zurecht geschnitten werden, erledigte Missionen schalten über Erfahrungspunkte nach und nach mehr Verbesserungen frei. Hier hat „Mankind Divided“ viel richtig gemacht: Statt ein neues Konzept zu schaffen, wurde einfach die Auswahl aus „Human Revolution“ übernommen und erweitert.

Auch der Grafikstil bleibt der Linie aus dem Vorgänger treu, hat aber mit der neuen Engine nochmals ein gehöriges Upgrade kassiert. Besonders in Bewegung sehen Szenerie und Charaktere atemberaubend aus - die entsprechende Hardware vorausgesetzt - und machen aus „Mankind Divided“ das wohl immersivste Spiel der Serie. Auf dieser Basis bleibt es fit für die Zukunft, etwa für weitere Erweiterungen. So findet sich etwa jetzt schon eine Auswahl an kleinen Minigames im Hauptmenü, bei denen man etwa als Hacker in Systeme einbrechen muss. Hier könnte Eidos Montréal in der kommenden Zeit mehrfach nachreichen.

Unterm Strich ist „Mankind Divided“ damit ein gutes Spiel, das trotz größter Anstrengungen nicht ganz den Glanz alter Tage erreichen kann. Das lässt es nicht durchfallen, aber zumindest stolpern. Immerhin zeigt es eindrucksvoll, wie man ein nachdenkliches Thema - den Ausschluss von „Anderen“, den „Augmentierten“ - in Spielen thematisieren kann: Es schwingt immer mit, ohne sich dabei in den Vordergrund zu drängen und zeigt sich dadurch sehr erwachsen.

Schade ist es dennoch, dass die Geschichte gefühlt viel zu früh vorbei ist. Besonders kritisch sehen das die Nutzer, die dem Entwickler jetzt unterstellen, im weiteren Verlauf mit kostenpflichtigen Story-DLCs noch einmal zu kassieren. Wie viel an den Befürchtungen dran ist, muss sich noch zeigen. Bis dahin wird „Mankind Divided“ wohl auch weiterhin die Nutzer spalten. Erhältlich für 49,99 Euro auf Steam. Auch für PlayStation 4 und Xbox One erhältlich für 59,99 Euro.