ECHTERNACH
GERHARD KLUTH

Kammermusikabend mit Vadim Repin beim Echternacher Festival

Der berühmte Geiger Yehudi Menuhin hat über ihn gesagt: „Er ist ganz einfach der beste und perfekteste Geiger, den zu hören ich jemals die Chance hatte.“ Gemeint war damit der russische Geiger Vadim Repin, den das Echternacher Festival zu seinem zweiten Konzert der aktuellen Spielzeit eingeladen hatte.

Virtuose Kreutzersonate

Der durch seinen großen Kollegen geadelte hat nach wie vor einen exzellenten Ruf. Das konnte man am großen Publikumsinteresse ablesen, dass diese Reputation zu recht besteht, konnte man im Echternacher Trifolion erleben. Gipfelwerke der Literatur (für Violine und Klavier) nannte der Musikwissenschaftler Dr. Martin Möller die Werke, die Repin zusammen mit seinem jungen Partner Andreï Korobeinikov für das Gastspiel an der Sauer ausgewählt hatten. Über die Sonate in A-Dur, Opus 47, von Ludwig van Beethoven, der so genannten „Kreutzersonate“ war noch zwei Jahre nach der Uraufführung zu lesen: „Nur zwei Virtuosen, denen nichts zu schwer ist, können vollen und reichen Genuss an diesem Werk haben.“ Nun, Repin und Korobeinikov taten mehr. Sie sorgten dafür, dass nicht nur sie selber, sondern auch ihre Zuhörer diese Sonate in vollen Zügen genießen konnten.

Farbenreicher Debussy

Als dies geschah, war das Publikum jedoch auch schon bestens vorbereitet, denn Beethovens Werk erklang nach der Pause. Vorher hatten die beiden Russen schon mit Claude Debussys g-Moll Sonate und mit der Sonate Nr. 1 in f-Moll von Sergej Prokofiew den großen Saal des Trifolions in ihren Bann gezogen. Welch‘ einen Farbenreichtum entwickelte Repin bei Debussys dreisätzigem Opus. Wahrhaft beseelt breiteten sich die Gedanken des auf den Tod erkrankten Komponisten aus. Freilich wäre das nicht geglückt, hätte Repin nicht in Korobeinikov einen perfekten Partner an seiner Seite gehabt. Bessere Sachwalter hätte Debussy sich nicht wünschen können.

Traumhafter Prokofiew

Nicht minder tief tauchten die Musiker bei Prokofiews Opus 80 in die Gefühlswelt des Schöpfers dieser Sonate ein und nahmen die Konzertbesucher mit. Natürlich mit ganz anderem Zungenschlag. Zwischen der Entstehung der beiden Kompositionen liegen immerhin 30 Jahre und 2.500 Kilometer. Die Zuwendung von Repin und Korobeinikov jedoch war die Gleiche. Mit fast schon sichtbarer Zärtlichkeit nahmen sie sich ganz besonders des dritten Satzes, einem, im wahrsten Sinne des Wortes traumhaften Notturno an. Hier konnte man eigentlich nur noch die Augen schließen und sich der Musik ergeben. Ein großer Abend.