LUXEMBURGPATRICK WELTER

Einweihung der neuen CFL-Zentralwerkstatt

Es ist eine der wichtigsten Baustellen des Landes und kaum jemand hat etwas davon mitbekommen. Das Einzige, was auffiel und noch auffällt, ist die Zu- und Abfahrt vieler Baustellenlaster vom CFL Gelände in der Diedenhofener Straße in Luxemburg-Stadt. Dort hat die Eisenbahngesellschaft in den letzten Jahren quasi im Verborgenen über 66 Millionen Euro investiert, um eine neue Werkstatt, eine Zentralwerkstatt für ihr rollendes Material, zu bauen. Dort werden ab Juni Lokomotiven, Triebwagenverbände und einzelne Waggons gewaschen, durchgesehen und gewartet. Gestern fand die offizielle Einweihung im Beisein von Nachhaltigkeits- und Infrastrukturminister François Bausch statt.

Statt zweier Ringlokschuppen, von denen einer noch seines Abrisses harrt, und der noch im Norden des Bahnhofsgeländes bestehenden Werkstatt, wurde eine dreifach gestaffelte Halle errichtet. Nach der endgültigen Fertigstellung wird das Hallenensemble sowohl von Norden als auch von Süden aus mit Zügen anfahrbar sein. Bei einer Länge von 160 Metern können ganze Doppelstocktriebzüge in die Wartungshalle 1 einfahren. Die Halle 2, die die Mitte des Komplexes einnimmt, ist der Wartung und Reparatur von Lokomotiven vorbehalten. Die Nordeinfahrt für Elektroloks, die Südeinfahrt - die erst in Betrieb genommen werden kann, wenn der Ringlokschuppen abgerissen ist - dient der Wartung von Dieselloks. In der Halle 3 gibt es Hebebühnen für Waggons und einen großen Hochlagerbereich für 14.000 verschiedene Ersatzteile.

Belastete Böden noch aus der Dampflokzeit

Die Arbeiten waren in mehrerer Hinsicht sehr aufwändig, da alte Betriebsgebäude abgerissen werden musste, aber gleichzeitig der Werkstattbetrieb weiter gehen musste. Zusätzlich erwies sich die Qualität des Bodens als problematisch. Mehr als hundert Jahre Bahnbetrieb, viele davon mit Dampfloks, sorgten für eine heftige Verschmutzung. Stellenweise mussten die Erde bis zu einer Tiefe von sechs Metern ausgehoben und 49.000 Kubikmeter entsorgt werden. Aus dem Abriss der alten Gebäude resultierten 18.000 Kubikmeter Steine, die in der Baustelle verfüllt wurden. Darüber hinaus mussten zur Sicherung der Tragfähigkeit 1.800 Fundamentpfeiler gebohrt und gegossen werden.

Das Hallenensemble hat eine Gesamtfläche von 15.000 Quadratmetern und glänzt mit weiteren beeindruckenden Zahlen, etwa mit 13.600 Metern Leerrohren, 100 Kilometer elektrische Leitungen und 7.000 Meter Abwasserrohre.

Gut aufgestellt

Der Generaldirektor der CFL, Marc Wengler, ging in seiner Ansprache auf die Herausforderungen ein, denen sich die CFL in einem liberalisierten Markt stellen muss. Die CFL sei, nicht zuletzt durch Beteiligungen im Ausland, gut aufgestellt. Zur Zukunft des Bahnhofs Luxemburg meinte Wengler, dass mit dem Abriss der alten Werkstatt, der für 2016 geplant ist, Platz für einen fünften und sechsten Bahnsteig geschaffen wird um die Transportkapazität noch weiter zu erhöhen.

Minister Bausch geht davon aus, dass die Eisenbahn ihre wahre Renaissance noch vor sich hat. Daher habe die Regierung sich auch dazu entschlossen stark in den Ausbau der Schiene zu investieren. Außerdem sieht Bausch ein großes Entwicklungspotenzial in den Stadtvierteln rund um den hauptstädtischen Bahnhof und das gesamte CFL-Gelände.