AINHOA ACHUTEGUI

Seit 1990 ist der 11. Juli der Weltbevölkerungstag. 7,6 Milliarden Menschen leben derzeit auf dem Globus, bis 2050 sollen es neun Milliarden sein. Dieser Tag fällt in diesem Jahr zusammen mit dem „Family Planning Summit“ in London, des bislang zweiten Gipfels im Rahmen der „Family Planning 2020 Initiative“, die zum Ziel hat, bis 2020 120 Millionen Frauen zusätzlich Zugang zur Familienplanung zu verschaffen. Ainhoa Achutegui, die Präsidentin des „Planning Familial“ über die Bedeutung der Familienplanung in der Welt.

„Die Bedeutung von Familienplanungsberatungsstellen ist enorm. Zum einen, weil sie die Frauen mit den notwendigen Informationen versorgt, um ihr Leben selbstbestimmter zu gestalten. Das steigert das Selbstwertgefühl und stärkt die Geschlechter- und Chancengleichheit. Denn Frauen, die ihre Schwangerschaften planen können, können auch beispielsweise ihre Ausbildung und ihre Berufstätigkeit besser planen. 

Zum anderen ist Familienberatung ein extrem wichtiger Bestandteil der öffentlichen Gesundheitspolitik. Denn Aufklärung kann helfen, Geschlechtskrankheiten zu vermeiden und ungewollte Schwangerschaften, während die fachgerechte Betreuung bei Schwangerschaftsabbrüchen das Leben vieler Frauen retten kann.

Es gibt Studien, die belegen, dass jeder Cent, der in die Familienplanung investiert wird, der Gemeinschaft etwas bringt. Denn sie senkt die Mortalität und die Zahl der Krankheitsfälle. ‚Kosteneffizient‘ nennt man das im harten Finanzjargon. 

Unbezahlbar ist aber natürlich der Aspekt der Stärkung der Selbstbestimmung der Frauen, für die die Familienplanungsinitiativen sich weltweit einsetzen.

Es gibt also nur positive Auswirkungen und trotzdem gibt es Regierungen, die unverständlicherweise die Finanzierung der Familienplanung zurückfahren wollen. Es hat uns geschockt, als der US-Präsident bereits kurz nach Amtsantritt angekündigt hat, die Bezuschussung von Initiativen zu kürzen, die Information, Beratung und Schwangerschaftsabbrüche anbieten. Aber wir sind froh darüber, dass es quasi sofort nach dieser Entscheidung, die offensichtlich zur Befriedigung von Trumps Wahlklientel getroffen wurde, einen internationalen Elan gab, um mehr Gelder für die Unterstützung solcher Initiativen zu sammeln. Dass Luxemburg sich daran beteiligt, ist für uns ein sehr positives Zeichen. 

Doch die Gewährleistung der Finanzierungen ist das eine: Uns beunruhigt sehr, dass in verschiedenen Ländern, auch in europäischen wie Polen, Bestrebungen gibt, Verhütungsmittel und Schwangerschaftsabbrüche zu verbieten. In vielen Ländern sind Schwangerschaftsabbrüche sogar bei Vergewaltigungen oder Inzest verboten. Schockierend ist die Lage derzeit in El Salvador, wo Frauen Gefängnis droht, wenn sie nach einer Vergewaltigung eine Fehl- oder eine Totgeburt aufgrund der ihnen ausgeführten Gewalt erleiden. Aus politischen oder religiösen Gründen wird vielerorts versucht, das Rad der Geschichte zurück zu drehen. 

Nein, der Kampf für die Selbstbestimmung der Frauen und eine gute Familienplanung ist längst nicht gewonnen.“