LUXEMBURG
CORDELIA CHATON/EHAPA EGMONT

Wer ist Micky Maus?

Von den ersten Geschichten an lässt Micky keinen Zweifel daran, dass seine ganze Leidenschaft den Abenteuern gehört. Und so glänzt er an exotischen Schauplätzen in den unterschiedlichsten Rollen. Ob als Journalist, Fotograf, Pilot, Klempner, Cowboy, Walfänger, Kapitän, Schatzsucher, König, ob als „tapferes Schneiderlein“, im Lande des Kalifen, bei Robin Hood oder gleich in Raum und Zeit.

Besonders angetan ist Micky von der Verbrecherjagd. Seit dem von Floyd Gottfredson 1933/34 gestalteten Comic „The Crazy Crime Wave“ (Micky und die drei Diebe), wo er neben Goofy als Partner eines Detektiv-Büros agiert, hat er in seiner Paraderolle unzählige Delikte aufgeklärt und die gefährlichsten Ganoven überführt. Mit viel Köpfchen, noch mehr Humor und dem sprichwörtlichen Glück des Tüchtigen fängt Micky jeden Verbrecher.

Foto: Ehapa Egmont - Lëtzebuerger Journal
Foto: Ehapa Egmont

„Ein frecher Kerl“

Ulrich Schröder zeichnet heute Micky Maus, die ihren 90. Feiert

Micky Maus hatte viele Zeichner. Seit einigen Jahren ist Ulrich Schröder derjenige, der die kleine Maus zum Leben erweckt. Wir drucken ein Interview, dass er für den Verlag gegeben hat.

Was wünschen Sie der Micky Maus zum 90. Geburtstag?

Ulrich Schröder Micky soll ewig leben, der kann ewig leben und ich wünsche ihm, dass das immer so weiter geht und dass er sich immer mit seinem typischen Charakter in der neuen Welt zurechtfindet - egal, welche neue Welt das ist, aber bisher hat er es ja geschafft.

Woran wird das Geburtsdatum von Micky, der 18.11.1928, festgemacht?

Schröder An der Kino-Aufführung des ersten Micky Maus-Films, „Steamboat Willie“. „Steamboat Willie“ war der erste Trickfilm mit Ton. Davor gab es zwar schon zwei andere Trickfilme, „Plane Crazy“ und „The Gallopin’ Gaucho“, allerdings ohne Ton. Die kamen dann später raus nach „Steamboat Willie“.

Was ist das Erfolgsrezept für die Figur Micky Maus?

Schröder Das Erfolgsrezept für Micky Maus ist für mich ein großes Geheimnis. Ich sehe das, wenn ich vor Publikum zeichne, für Kinder zum Beispiel, dass die Kinder das magisch und Micky Maus-Puppen toll finden. Warum, kann ich nicht genau sagen. Vielleicht liegt es an den großen Augen und dem großen Lächeln für die kleinen Kinder. Und für erwachsene Leser: Dass Micky so eine tolle, vielseitige Figur ist, irgendwie universell, eigentlich wie zum Beispiel Tim & Struppi. Das sind universelle Figuren, in die man sich reinversetzen kann, die tolle Abenteuer erleben, die menschlich sind, denen es mal gut, mal schlecht geht. Zudem ist Micky ein Anti-Held - ein kleiner Typ, der sich gegen die Großen durchsetzt. Das ist vielleicht der Erfolg.

Womit zeichnen Sie?

Schröder Ich zeichne alles per Hand. Heutzutage wird alles mit Computer gezeichnet bei Comics, aber in meinem Fall ist alles per Hand gemacht. Ich zeichne mit einem Papier, dass es eigentlich nicht mehr gibt oder nurmehr sehr wenig - das haben Architekten früher gebraucht. Außerdem zeichne ich mit einer Feder, wie sie schon Carl Barks – der Erfinder von Onkel Dagobert und ein super Donald-Zeichner – benutzt hat. Diese Federn gibt es auch nicht mehr, davon habe ich aber noch 300 Stück ersteigern können, das reicht bis an mein Lebensende. Dann nutze ich einen Pinsel, der heißt Winsor & Newton Serie 7 Nummer 2 - ein ganz, ganz toller Pinsel, den zum Beispiel auch Uderzo benutzt für seinen Asterix. Und das Tolle daran ist: Man kann ganz feine Linien machen und ganz dicke - das sind wirklich ganz tolle Instrumente. Ich mache also alle per Hand: Tusche auf Papier, Federn und Pinsel.

Neunzig Jahre Micky Maus: Wie hat sich aus Ihrer Sicht die Maus in diesen Jahren verändert?

Schröder Micky hat sich inhaltlich und grafisch verändert. Grafisch war Micky erst eine sogenannte Rubber Hose Animation Figur. Ein „Rubber Hose“ ist ein Gummischlauch. So kann man zum Beispiel einen Arm von Micky nehmen, einen Knoten rein machen, langziehen und es flitscht wieder zurück – das waren die ersten Cartoons. Dann wurde es realistischer und die Figur wurde besser konstruiert. Im Jahr 1938 hat ein Zeichner die großen Glubschaugen durch kleine Pupillen ersetzt, so dass man viel schönere Gesichtsausdrücke zeichnerisch erschaffen konnte. Der klassische Micky ist der aus „Fantasia“ von 1940, den wir eigentlich heute auch noch nutzen. In den 50er Jahren ist Micky ein bisschen kubistisch geworden und in den 70er und 80er Jahren hat man sich überlegt, welcher von all diesen verschiedenen Mickys denn nun der richtige Micky ist. Im Zuge dessen hat man sich dann wieder auf den „Fantasia“-Micky konzentriert, der wie gesagt auch heute noch immer benutzt wird. Aber es gibt noch eine Art Revival des ganz alten Mickys: In den neuen Trickfilmen zum Beispiel, diese Micky-Figuren sind angelehnt an den ganz alten Micky.

Vom Charakter her war Micky ursprünglich ein unheimlich frecher Kerl, der sich ganz viel erlauben konnte, so ähnlich wie Donald Duck das heute immer noch macht. Dann wurde Micky ein bisschen ruhiger, da er im Laufe der Zeit zum Symbol der Walt Disney Company geworden war. Dadurch musste er sich dann ein bisschen zurückhalten und wurde dann in den 50er Jahren etwas einem Hausmann ähnlich. Dass er weniger auf Abenteuer gegangen ist, das lag aber auch an zwei anderen Dingen: Zum einen gab es nicht mehr viele Trickfilme. Und zum anderen wandelten sich die tollen Tagesstreifen: Die großen Abenteuer, die Micky darin erlebte, in denen er auf ferne Inseln und in die Zukunft gereist ist, das waren natürlich lange Geschichten, die sich über ein halbes Jahr in den Tagesstrips erstreckten. Ab Mitte der 50er Jahre waren es nur noch Gags, jeden Tag drei-vier Bilder – darin kann man keine lange Geschichte erzählen. Und dadurch begann sich alles bei Micky zuhause abzuspielen und das ist dann natürlich weniger abenteuerhaft. Aber heutzutage sucht man sich wieder den Original-Micky raus und versucht, die Energie des Original-Mickys wieder in Micky reinzubringen. Er soll wieder große Abenteuer erleben.

Wie viele Micky Maus-Zeichnungen haben Sie in welchem Zeitraum ungefähr gezeichnet?

Schröder Ich habe keine Ahnung. Ich kann dazu nur sagen: Ich bin der langsamste Comic-Zeichner der Welt! Das heißt, ich habe sehr wenige Comics gezeichnet, aber ich zeichne sehr oft vor Publikum. Da kann es mir passieren, dass ich an einem Tag 40 Mickys zeichne. Wie viel das nun insgesamt macht – ich habe keine Ahnung, aber bestimmt tausende. (ehapa egmont)