LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Die Hälfte des Trinkwassers stammt aus dem Grundwasser - Im Gespräch mit Tom Schaul vom Wasserwirtschaftsamt über Schutzzonen, Wasserqualität und Erwartungen

Trinken, Kochen, Auto waschen, Betreiben von Klimaanlagen: Rund die Hälfte der täglich in Luxemburg verbrauchten rund 120.000m³ an Trinkwasser werden aus dem Grundwasservorkommen des Landes gewonnen, genauer gesagt aus rund 270 Quellen und 69 Brunnen. Trinkwasserschutzzonen sollen diese wertvolle Ressource vor äußeren Einflüssen schützen, ihre Qualität langfristig sichern und so die kostspielige Aufbereitung vermeiden. So viel zur Theorie. Doch wie sieht es heute um den Trinkwasserschutz aus und wie soll der Schutz in der Praxis umgesetzt werden?

Antworten auf diese Fragen hat Tom Schaul, stellvertretender Leiter der Abteilung für Grund- und Trinkwasser beim Wasserwirtschaftsamt. Beispielsweise dazu, wie es um das Trinkwasser bestellt ist.

„Trinken kann man es immer“, sagt Tom Schaul. „Es muss aber häufig aufbereitet oder hygienisiert (chloriert) werden“. Zudem sind heute viele Quellen, mit denen 75.000 Einwohner versorgt werden könnten, aufgrund ihrer Belastung nicht in Betrieb. Als Hauptursachen nennt der Koordinator für die Trinkwasserschutzgebiete Nitrate im Wasser und Abbauprodukte von Pflanzenschutzmitteln, ohne mit dem Finger auf die Landwirtschaft zu zeigen. „Wenn wir ehrlich sind, kommen diese Schutzzonen 30 bis 40 Jahre zu spät. Diese Verspätung müssen wir aufholen. Das sorgt für Druck und macht die Situation kompliziert. Ich bekomme zu hören: ,Wir brauchen Zeit, um uns umzustellen‘. Doch diese Zeit haben wir nicht“, sagt Schaul. Im Gespräch formuliert er es anderer Stelle anders: „Es kann im Durchschnitt Jahre dauern, bis sich der Effekt einer Schutzmaßnahme im Grundwasser widerspiegelt“.

Bis zu sechs Millionen Euro jährlich für Schutzmaßnahmen

Klar ist aber auch, dass Wasserschutz nur dann funktioniert, wenn alle an einem Strang ziehen. Große Hoffnungen setzt das Wasserwirtschaftsamt deshalb auf die Maßnahmenprogramme, die die Wasserbetreiber in naher Zukunft aufstellen sollen. Diese Programme enthalten einerseits die per Gesetz festgelegten Verpflichtungen, andererseits aber auch freiwillige und begleitende Maßnahmen im Sinne des Wasserschutzes, die mit bis zu sechs Millionen Euro jährlich aus dem Wasserfonds unterstützt werden können. Wenn beispielsweise ein Bauer eine Rollsternhacke, eine Maschine zur mechanischen Unkrautbekämpfung, einsetzt, mit der der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln um bis zu 75 Prozent reduziert werden kann. Dann sind auch Ausnahmeregelungen für das ansonsten geltende Spritzverbot möglich. „Die Trinkwasserversorger haben zwei Jahre Zeit, um die Maßnahmenprogramme aufzusetzen“. Danach treten die gesetzlichen Verbote und Einschränkungen in Kraft.

Regionale Zusammenarbeit wird wichtiger

Zudem wird - auch weil Wasserschutzgebiete oft beieinander liegen oder Gemeindegrenzen überschreiten - verstärkt auf regionale Zusammenarbeit gesetzt. In sieben vordefinierten Regionen des Landes wird es insgesamt sieben „Animateure“ geben, die den Wasserschutz im Auftrag der Trinkwasserversorger vernetzt weiterbringen sollen. Mit am Tisch sitzen Trinkwasserversorger, Vertreter von Flusspartnerschaften oder Naturparks, des Umweltministeriums, der Ackerbauverwaltung (ASTA) und des Wasserwirtschaftsamts. Auch die Landwirtschaft, Gewerbe oder Industrie sowie die Natur- und Forstverwaltung und betroffene Gemeinden sind involviert. „Die Idee ist es, eine gewisse Dynamik beizubehalten und eine Vernetzung herzustellen, um so eine Trinkwasserschutzkultur aufzubauen“, so der Experte.

Lëtzebuerger Journal

Und wie steht es um die Grundwasserreserven?

„Für das Grundwasser ist der Regen zwischen Oktober und März wichtig, im Winter, wenn keine Vegetation Wasser abzweigt und aufgrund der Temperaturen weniger Wasser verdunstet“, erklärt Schaul. Bis sich der Niederschlag eines Winters im Grundwasser widerspiegelt, vergehen ein bis zwei Jahre. „Wir befinden uns derzeit in seiner Situation, in der wir in Sachen Grundwasser 25 Prozent unter dem 30-jährigen Durchschnitt liegen. Das ist ernst zu nehmen, auch wenn man das nicht dramatisieren muss. Wir müssen wachsam bleiben“, sagt Schaul.

Wachsam auch mit Blick auf die Auswirkungen des Klimawandels. Laut Schaul gehen Experten zwar nicht davon aus, dass in Zukunft mit weniger Regen in den Wintermonaten zu rechnen ist. „Doch das Risiko besteht, dass sich die Vegetationszeiten verlagern“ und infolgedessen mehr Wasser von Pflanzen aufgenommen wird.

„Was wichtig wird in den nächsten Jahren sind Wassersparmaßnahmen, vor allem bei Privathaushalten oder in der Industrie beziehungsweise im Dienstleistungssektor, was etwa den Einsatz von Klimaanlagen angeht, weniger in der Landwirtschaft, und dann auch, die bestehenden Ressourcen zu schützen“. Neue Quellen zu finden sei zwar machbar, aber nur in begrenztem Maße. „Wir sind auch dabei zu überprüfen, inwiefern Moselwasser aufbereitet werden und darauf zurückgegriffen werden muss“, sagt Schaul zu den Überlegungen, die mit Blick auf 2030 oder 2040 zu sehen sind. Insgeheim hofft er aber, dass man die Anlage so klein wie möglich dimensioniert oder diese zumindest nur als Notlösung in Betracht gezogen wird. „Ich denke, wir sollten da höhere Ansprüche an uns stellen“, meint Schaul. Und meint damit, die bestmögliche Wasserqualität aus den bestehenden Ressourcen zu schöpfen.