LUXEMBURG ¦ NICO PLEIMLING

An vielen Fronten aktiv: Die in London lebende Luxemburger Musikerin Catherine Kontz

Catherine Kontz ist vielen Menschen hierzulande nicht bekannt. In ihrer Wahlheimat London hat sie sich in den letzten Jahren als Komponistin und Musikerin aber einen Namen gemacht. Dem Journal hat sie verraten, mit welchen Projekten sie sich derzeit beschäftigt.
Sie sind über Umwege zur Musik gekommen?
Catherine Kontz Ich habe tatsächlich zuerst Betriebswissenschaft auf der Uni studiert und erst nach ein paar Jahren wieder zurück zur Musik gefunden. Da ich zuvor das Luxemburger Konservatorium mit dem 1. Preis im Klavier abgeschlossen hatte, war es mir möglich, das Studium zu wechseln und nach meinem kleinen Ausflug in eine andere Ausrichtung doch professionelle Musikerin zu werden.
Sie spielen in der Band „French for Cartridge“, arbeiten aber auch als Komponistin. Wie trennen Sie diese unterschiedlichen Stile?
Kontz Für mich sind beide Stile nicht so unterschiedlich, da ich immer vom selben Standpunkt ausgehe: etwas Neues in der Musik zu erschaffen, was den Zuhörern und gegebenenfalls den Zuschauern etwas Originelles bietet, das sie in irgendeiner Weise anspricht. In meinem Schreiben für die Band sowie in meinen klassischen Stücken gibt es oft ein Element, das zum Experimentellen neigt, da ich versuche, die Grenzen des Herkömmlichen ein wenig auszuweiten. Für das neue „French For Cartridge“-Album haben wir zum Beispiel auch mit dem Bratislava Radio Orchestra, mit Handglocken-Spielern und einem Blechbläser-Ensemble gearbeitet. Da verschwinden dann die Differenzen zwischen den Stilen noch mehr.
Sie gehen beide Herausforderungen aber mit der gleichen Professionalität an?
Kontz Ja schon. Der größte Unterschied für mich ist eigentlich, dass ich als Komponistin immer auf Auftrag arbeite und kaum für mich selber als Pianistin schreibe. Mit der Band jedoch schreibe ich für Henri, Aki, Anssi und mich selbst. Außerdem sind „French For Cartridge“-Lieder ja auch meistens eine Kollaboration mit den anderen Bandmitgliedern.
Wie würden Sie die klassischen           
Kompositionen einordnen?
Kontz Die klassische Komposition ist eigentlich mein „Hauptberuf“ in der Musik, wenn ich das so sagen darf. Ich habe vor ein paar Jahren mein Doktorat in der Komposition abgeschlossen und seitdem arbeite ich unablässig in diesem Bereich. Manchmal schreibe ich kleine Stücke für Solomusiker, manchmal größere Werke, wie zum Beispiel meine Mimen-Oper „MiE“, die für 50 Musiker und Darsteller geschrieben ist.
Sie unterrichten auch privat und in Schulen?
Kontz Im Moment unterrichte ich nur privat in Komposition und Klavier. Ab und zu gebe ich zwar auch Kurse oder Workshops im Universitätsbereich. Dieses Jahr habe ich mit der neuen Oper „Neige“, die im Dezember im Grand-Théâtre in Luxemburg aufgeführt wird, zu viel zu tun.
Sie haben als Gastmusikerin mit der britischen Band „The Wedding Present“ gespielt. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Kontz Ich habe tatsächlich zwei Sessions mit ihnen gespielt. Eine für John Peel, ein paar Wochen vor seinem Tod und eine andere danach, auch für die BBC. Ich kannte den Drummer von Wedding Present, weil ich damals mit ihm bei „Woodchuck“, einer Alternative-Country-Gruppe spielte. So kam es dazu, dass sie mich fragten, als sie jemanden für Klavier und Hammond brauchten. Man kann das Resultat auf dem „Wedding Present: Complete Peel Sessions 1986-2004“-Boxset hören.
In knapp zwei Monaten erscheint das neue Album von „French For Cartridge“. Ist es musikalisch ähnlich ausgerichtet wie sein Vorgänger, oder erwartet den Zuhörer die eine oder andere Überraschung?
Kontz Wir haben immer Freude an Überraschungen! Dieses Mal haben Henri und ich auch wieder mit Husky Höskulds (Tom Waits, Mike Patton, Norah Jones, Solomon Burke etc.) gearbeitet, der das Album gemixt hat. Das Bratislava Radio-Orchester und das Blechbläser-Ensemble bieten einen symphonischeren Klang, aber wir spielen auch noch immer dissonante Gitarren, präparierte Klaviere und nette alte Orgeln. Es ist also eine natürliche Weiterentwicklung. Das Video für „We Humans“, die erste Single vom gleichnamigen Album, kann man sich jetzt auf unserer Website (www.frenchforcartridge.com) ansehen.
Wird es erneut eine Release-Party in Luxemburg geben?
Kontz Wir haben zurzeit noch keine konkreten Pläne für Luxemburg. Wir hoffen aber bald wieder hier zu spielen. Am 14. Juli wird es eine Release Party in London geben, für die man Tickets erwerben kann, wenn man die CD in unserem Online Shop vorbestellt. Die Platte wird nach dem 15. Juli überall erhältlich sein.
In England sind Sie bekannter als in Luxemburg. Wie erklären Sie sich das?
Kontz Ich habe in London studiert. Obwohl ich oft mit Luxemburger Musikern arbeite, bin ich doch mehr aktiv in London, da ich dort mit meiner Musik zuhause bin.
An welchen anderen Projekten arbeiten Sie derzeit?
Kontz Das aufregendste Projekt derzeit ist die neue Oper „Neige“, die am 19. und 20. Dezember im Grand-Théâtre aufgeführt wird. Ich selber habe das Libretto von Maxence Fermines Kurznovelle „Neige“, die sich in Japan abspielt und die Geschichte von einem jungen Haiku-Poeten erzählt, adaptiert. Mit Ellan Parry (Bühnenbild) und Tim Bird (Videoprojektionen), die ich von London aus kenne, konnte ich ein tolles Kreativteam zusammenbringen. Die Luxemburger Soprano-Sängerin Véronique Nosbaum spielt die Titelrolle, die anderen Sänger kommen aus Frankreich, England und Brasilien. Das Luxemburger Ensemble „Lucilin“ wird zusammen mit einem Glasharmonikaspieler und einem japanischen Taiko-Drummer das Orchester unter der Leitung von Gerry Cornelius stellen. Ich selbst werde die Regie übernehmen. Ich kann es wirklich kaum erwarten, die Musik endlich zu hören, nachdem das Stück seit etwa drei Jahren in meinem Kopf lebt. Ich bin froh, dieses Werk jetzt dem Luxemburger Publikum vorstellen zu können! Die Oper ist 70 Minuten lang und bietet eine fantastische Gelegenheit, eine spektakuläre Produktion des Grand-Théâtre zu erleben!       
 www.catherinekontz.com