CARLO WELFRING

Bildungsminister Meisch meinte bereits, dass sich die moderne Bildung an den Bedürfnissen der Schüler orientieren müsse. Da diese immer heterogener werden, immer unterschiedlichere Probleme und Schwächen haben, müsse sich auch die Schule stärker auf die individuelle Unterstützung konzentrieren. Ansonsten riskiere man eine steigende Rate an Schulabbrechern, wie auch der Direktor der „École de la deuxième Chance“, Carlo Welfring, betont.

„Der ‚Schulabbruch‘ ist vor allem für den ‚cycle moyen‘ des EST ein größeres Problem. In der Pubertätsphase zwischen 16 und 18 Jahren kommen dann oft noch größere Schwierigkeiten auf die Schüler zu. Wer dann nicht zuhause richtig aufgefangen wird, riskiert immer öfter abzurutschen. Die Schulen helfen da kaum, sie fangen Schüler nicht gut genug auf - das sieht das Bildungssystem einfach nicht vor. Knapp 20 Prozent aller Schüler verlassen jedes Jahr die Schulen ohne Abschluss, das wären rund 1.600 Jugendliche. Davon gehen sicher einige ins Ausland, um dort die Schule fortzusetzen, aber noch längst nicht alle. Für viele ist dann oft bis zu zwei Jahre keine Aktivität mehr, bis einige dann schließlich in die ‚École de la deuxième Chance‘ kommen. In jedem Jahr nimmt die E2C knapp 300 bis 350 Schüler auf, das Durchschnittsalter beträgt 22 Jahre. In Zukunft könnten es sogar über 400 Schüler werden. Dabei werden Ausbildungen auf praktisch allen Ebenen angeboten: Von der neunten und zehnten Klasse (Berufsausbildung/10e PS) bis hin zur ‚Première‘ sowie die Erzieher-Ausbildung und die allgemeine Hochschulreife (DAES) hat die E2C ein sehr breites Angebot. (www.e2c.lu)

Für die Schüler sollte man denn auch eine Lanze brechen: Sie sind nicht schlechter als Schüler anderer Schulen - im Gegenteil, viele von ihnen sind wirklich intelligent und interessiert. Ihnen fehlt oft aber die richtige Unterstützung, die nötige soziale Stütze und das richtige Umfeld. Das führt dazu, dass sie das Interesse an der Schule verlieren, Konzentrations- oder Motivationsschwierigkeiten haben und die Schule nur ungern besuchen. Sie werden nicht durch Unfähigkeit zu Schulabbrechern, sondern durch fehlende individuelle Betreuung.

Das ist bei der E2C etwas anders: Hier werden die Schüler individueller betreut. Die etwas kleineren Klassen bieten mehr persönlichen Kontakt zu den Lehrern, selbiges gilt für das wöchentliche Tutorat. Damit bietet die E2C die gleichen Bildungswege an, die somit zu gleichwertigen Abschlüssen führen. Das Ziel ist also das Gleiche wie in anderen Schulen, der Weg, der dahin führt, sieht jedoch aber pädagogisch anders aus.

Alle Schulen müssen in einem Netzwerk miteinander, ergänzend funktionieren können. Die E2C versteht sich eindeutig als Teil des Ganzen und erfüllt somit einen komplementären Bildungsauftrag. Die E2C erfüllt eine wichtige bildungspolitische Aufgabe.“