RAYMOND AENDEKERK

Auf der Grundlage der 1992 in Rio de Janeiro beschlossenen Artenschutzkonvention (Convention on Biological Diversity/CBD) findet alle zwei Jahre ein Artenschutzgipfel statt, derzeit und noch bis zum 17. Dezember in Cancún (Mexiko). 2010 hatten die UN-Mitgliedsstaaten konkrete Ziele bis zum Jahr 2020 beschlossen. Unter anderem sollen 17 Prozent der Land- und 10 Prozent der Meeresflächen besser geschützt werden, um den Artenverlust zu stoppen.

„Die Biodiversität ist seit Jahrzehnten dramatisch rückläufig. Weltweit sind die Mehrzahl der Regierungen nicht in der Lage, die bescheidensten Ziele, die sie sich selbst einst gaben, umzusetzen. Im Jahr 2010 hatten die Regierungen während der Biodiversitätskonferenz mit dem Nagoya-Protokoll beschlossen, weltweit zehn Prozent der Ozeane bis 2020 zu schützen. Umweltschützer und Biologen konnten jedoch bereits damals belegen, dass dieses Ziel nicht ausreichend ist, um den massiven Artenrückgang zu stoppen.

Vier Jahre vor Ablauf der Frist sind bisher nur drei Prozent der Ozeane geschützt, nur magere ein Prozent genießen einen vollkommenen Schutz, das heißt sind Gebiete in denen kommerzielle, militärische oder industrielle Nutzung strengstens untersagt sind. In Cancún kommt es jetzt darauf an, diese bis jetzt nicht ernst genommenen Ziele auszuweiten und endlich konkrete Schritte zu beschließen, die wirklich zum Schutz der biologischen Vielfalt führen.

Vor sechs Jahren einigten sich die Regierungen ebenfalls, gegen Walddegradation und Entwaldung vorzugehen. Sie verpflichteten sich, bis 2020 alle Wälder „nachhaltig“ zu bewirtschaften. Vergangenes Jahr fügten die Regierungsvertreter sogar noch hinzu, dass die Abholzung bis 2020 zumindest um 50 Prozent reduziert werden soll. Aber die Realität ist leider eine andere. Sogar einige der wertvollsten Wälder, die wir noch haben, werden weiterhin degradiert und zerstört. Ein Beispiel: Der „Great Northern Forest“, der sich über Millionen Hektar auf der ganzen nördlichen Halbkugel erstreckt, ist durch massiven Holzabbau bedroht, ebenso durch Waldbrände und durch die rasante Klimaerwärmung. Die sogenannte „grüne Krone“ der Erde ist ein einzigartiges Biotop, welches es zu erhalten gilt. Deshalb hat Greenpeace auch diese Woche eine koordinierte Aktion zum Erhalt dieses einzigartigen Habitats gestartet.

Auf ihrem Treffen in Cancún müssen die Regierungen zugeben, dass sie nicht genug getan haben, um die Ziele zu erreichen, die sie sich selbst gesetzt hatten. Sie müssen mutige neue verbindliche Schritte einleiten, die zum Schutz des weltweiten Artenrückgangs führen. Sie müssen sich öffentlich bekennen, dass sie weltweit wichtige Biotope wie den Großen Nordwald oder den Arktischen Ozean schützen werden. Letztlich, wenn der Biodiversitätsverlust nicht aufgehalten wird, werden nicht nur Tiere und Pflanzen aussterben, sondern auch wir!“