Was mögen Sie eigentlich am meisten am Internet? Die Geschwindigkeit, mit der Sie Informationen finden? Die Tatsache, dass Kommunikation ohne Barrieren möglich ist, egal wo ihre Freunde oder ihre Familie sich gerade befindet? Dass sie immer und überall Inhalte abrufen können, seien es Fotos, Filme, Spiele oder Musik? Oh, letzteres können Sie nicht immer, versteht sich. Da gibt es etwas, was sich „Geo-Blocking“ nennt, und ihnen den Zugang zu Inhalten aus dem Ausland sperren kann. ’tschuldigung, Sie kommen aus besagtem Land und befinden sich gerade im Urlaub oder arbeiten im Ausland? Tja, dumm gelaufen...
Doch es gibt Hoffnung! Das europäische Urheberrecht soll reformiert werden und die eifrige Piratin Julia Reda hat bereits zahlreiche Reformvorschläge eingebracht. Die natürlich diskutiert werden, und wie zu erwarten war, kämpfen einige Mitglieder der Ausschüsse mit harten Bandagen für das Überleben des Geo-Blocking. Man müsse sich ja irgendwie gegen die bösen Amerikaner schützen, die drohen, unsere Kultur zu überschwemmen und zu zerstören. Und außerdem bekäme man beim Bäcker ja auch kein finnisches Brot, wieso sollte man dann finnische Filme im Netz schauen können?
Ja, ich weiß, Sie haben ihren Kaffee (oder Tee, je nach Geschmack) gerade fontänenhaft herausgespuckt, was der Lesbarkeit dieser Seite (oder des Schirms) nicht zuträglich ist. Aber ja, so wird argumentiert. Mit finnischem Brot. Julia Reda testete diese Behauptung und ihr wurde innerhalb eines Tages ein Laib finnisches Brot zugesendet. Der Grund: Der Verkauf von Esswaren innerhalb Europas ist nicht eingeschränkt. Europa ist eben ein großer Markt, der keine Grenzen kennt.
Außer im Internet. Ich brauche Ihnen jetzt nicht wirklich mit der Begriffserklärung von „Internet“ zu kommen, um Ihnen zu erklären, dass das ein Paradoxon ist. Aber gehen wir kurz auf das „Amerika“-„Argument“ ein, nur so zum Spaß. Abseits der Tatsache, dass hier wieder einmal ein einseitiger unverhohlener Anti-Amerikanismus offensichtlich wird, ist die Argumentation vollends hanebüchen. Nicht wir blockieren amerikanische Inhalte in Europa, die Amerikaner tun es. Zweitens: Die vermeintliche Überschwemmung durch amerikanische Kultur ist keine Erfindung des Internets. Drittens: Inwiefern bekämpfen wir den vermeintlichen amerikanischen Kultur-Imperialismus durch das sperren deutscher Inhalte in Frankreich?
Die Argumentation ist unlogisch. Kultur kennt keine Grenzen und die nationalen Grenzen in dieser Hinsicht im Internet zum Tragen zu bringen, ist hochgradig unsinnig. Zudem verrät es diese merkwürdige Einstellung, dass Kultur ein hermetisch abgeschlossener Raum ist, der nicht von außen beeinflusst werden kann oder darf. Dass Grenzen Kultur stets wenig gekümmert haben, wurde jedoch oft genug bewiesen. Nein, was hier getrieben wird, ist ein Verrat des Europäischen Gedankens. Denn Geo-Blocking behindert das Zusammenwachsen Europas, errichtet Grenzen, wo keine sind und dient schlussendlich nur einem: Der Profitgier einiger weniger innerhalb der Kulturindustrie.


