LUXEMBURG
DANIEL OLY

Die Schüler-Mini-Firma „Magic Bombs“ will mit Samenbomben zum Erfolg durchstarten

Es war ein holpriger Start; weder Merin Ceman, noch Gabriel Martin Kratz wussten so recht, mit welchem Produkt sie durchstarten wollen. Beide hatten sich zum „Mini Entreprises“-Projekt im „Lycée Technique de Bonnevoie“ gemeldet, das ihnen nicht nur die Verwaltung einer Mini-Firma auferlegt, sondern auch zum Teil ihren Jahresabschluss erlaubt. Ein Produkt oder Konzept hatten sie aber keines. „Dann hat uns ein Lehrer auf eine ungewöhnliche Idee gebracht“, meint Kratz. So taten sie sich mit einer anderen Gruppe zusammen - und heraus kam ein interessantes Konzept, das auch beim Wettbewerb der Mini-Firmen zum Forum des Mini-Entreprises der „Jonk Entrepreneuren“ im Utopolis durchaus Siegeschancen hat: „Magic Bombs“.

Peppige Namen und bunte Farben

Hinter peppigen Namen wie „I love Luxembourg“ oder „Unicorn Poop“ steckt eine tolle Idee: Samenbomben, die eine große Auswahl an Blumensamen im handlichen Format beinhalten und die theoretisch sogar einfach nur wahllos in den Garten gepfeffert werden können. „Natürlich ist es besser, man gräbt sie auch wirklich ein, weshalb wir in unseren Verpackungen auch ein bisschen Blumenerde dazu geben“, erklärt Ceman.

Die Samenkugeln entstehen in Zusammenarbeit mit einer Kooperative in Wiltz, die mit Menschen mit Beeinträchtigung zusammen arbeitet. Ein Teil des Gewinns fließt deshalb auch an karitative Zwecke. Ein Becher, der übrigens aus Bio-Pappe besteht, kostet so 5,50 Euro - dafür gibt es etwas Blumenerde und Lehm sowie drei Samenkugeln. „Das Produkt klang cool, aber wir kannten uns nicht so wirklich aus“, meint Kratz. Das nötige Coaching habe aber schlussendlich zum Erfolg geführt. „Wir haben mit den richtigen Leuten sprechen können, die uns wichtige Tipps gegeben haben - etwa zur Samenauswahl - und das Projekt damit gemeinsam mit uns auf den richtigen Weg gebracht haben.“

Der Erfolg gibt ihnen Recht: „MagicBombs“ war so auch Teil der „Vente en commun“ im Shopping-Center Belle Étoile in Strassen, die Anfang März den Mini-Unternehmen einen Platz zur Ausstellung ihrer Produkte bot. Dort zeigte sich: „Das Produkt spricht die Menschen ganz klar an“, erklärt Kratz. Schon nach kürzester Zeit waren einige der sechs Samenvarianten, die „MagicBombs“ mit zum Event brachte, ausverkauft. „Natürlich waren die ausgefalleneren Varianten mit den peppigen Farben sehr beliebt.“ Mit mehr als 100 Einheiten anreisen und schon am frühen Nachmittag ausverkauft sein? Das kann sich sehen lassen.

Auch bei der „SpringBreak“ in der Messe Luxemburg waren die Bällchen vor Ort. „Wir wollen immer mehr Menschen mit dem Konzept erreichen“, betont Kratz. Dabei ermutigt sie vor allem das tolle Feedback, das ihnen von Käufern entgegen gebracht wird. „Viele Menschen kennen es nicht, werden aber durch die lustigen Namen und das interessante, nachhaltige Konzept neugierig“, weiß er. Nach ein bisschen Erklärungszeit sind die Menschen dann schnell begeistert. „Sie fragen natürlich vor allem, worauf man beim Einsatz achten soll und wie viel Wasser später nötig ist“, meint er.

Natürlich gibt es eine echte Unternehmensstruktur, wie es sich für eine „Mini-Entreprise“ gehört. Kratz ist als Vizedirektor verantwortlich, Ceman als Buchprüfer. Gemeinsam mit Joé Olivier Bultgen (Direktor), Dalan Agovic (Grafikdesign), Mariana Cosme Figueiredo Campos Amaral (Eventplanung), Jerry Logan Fonseca Lima (Produktionsaufsicht) sowie Amer Talevic und Stacy Boffel (beide Technik) führen sie das achtköpfige Mini-Unternehmen schon seit September. Unterstützung erhalten sie unter anderem von Sponsoren wie der BCEE, der Raiffeisen-Bank und der BGL. „Jeder hat seinen Platz und seine Aufgabe“, betont Kratz. Die nötige Ausbildung, um eine solche Firma zu führen, habe er sich bei Kursen von den „Jonk Entrepreneuren“ geholt. „Die waren schon eine große Hilfe“, sagt er.

Momentan läuft das Geschäft noch stark über eine eigene Facebook-Seite und die Besuche auf Märkten und Messen. Aber die jungen Firmengründer haben viel vor: „Wir wollen die politischen Parteien anschreiben und ihnen anbieten, ihre eigenen Samenbomben, zum Beispiel mit Blumen in Parteifarben, zu schaffen“, erklärt Ceman. Auch sonst steht die Politik klar im Visier, um die Werbetrommel zu rühren. „Wir haben auch vor, unter anderem das Umweltministerium für unsere Sache gewinnen zu können“, meint Kratz. Daneben steht auch eine eigene Webseite sowie weitere Stände, zum Beispiel in der „City Concorde“ oder im „Auchan“ auf dem Wunschprogramm. „Entsprechende Anfragen sind bereits gestellt“, sagt er. Auch „Nature et Découverte“ könnte dazu gezählt werden. „Ihnen hatte unser Konzept sehr gut gefallen, als sie unseren Stand bei der ,Vente en Commun‘ besucht hatten“, erklärt er.

Das wäre jedenfalls ein echter Verkaufsboost für einen Vertrieb, der bislang nur am Wochenende laufen kann. Unter der Woche sind die Jung-Unternehmer nämlich mit dem Schulalltag im LTB beschäftigt, nach der Schule tüfteln sie am Produkt oder stellen Nachschub her. Ein lehrreiches Projekt? „Auf jeden Fall“, meint Kratz. „Wir kriegen einen Einblick in den Unternehmensalltag, das ist wirklich eine tolle Chance“, betont er. „Ich bereue es nicht“, meint auch Ceman. Und insgeheim hoffen sie natürlich alle darauf, später beim Award der „Jonk Entrepreneuren“ Punkte zu machen. „Natürlich wollen wir gut abschneiden“, sagt Ceman. „Und natürlich wollen wir auch weiter zum internationalen Wettbewerb nach Lille.“ Ob da eine Idee mit nachhaltigen Werten, einer schönen Story und regionaler Produktion punkten kann?


Mehr unter www.facebook.com/magicbombsjel