LUXEMBURG
LJ

Umweltministerin stellt „Null Offall Lëtzebuerg“-Strategie vor

Das Ziel ist Null: Bis 2030 sollen keine Siedlungsabfälle mehr in einer Deponie landen. Deshalb soll schon mal grundsätzlich dafür gesorgt werden, dass es zu so wenig wie möglich Abfällen kommt und  wenn, dass sie wieder in einen Recycling-Kreislauf zurückgeführt werden können. 2018 hat die Regierung dem „Plan national de gestion des déchets et des ressources“ (PNGDR) grünes Licht erteilt, dessen große Prinzipien auch ins das neue Koalitionsprogramm vom Dezember 2018 eingeflossen sind – darunter der Kampf gegen das „Littering“ und Einwegplastikutensilien, gegen Lebensmittelverschwendung und für eine bessere Verzahnung der Sammelnetzwerke.

Sechs Workshops, zwölf Thematiken

Doch damit nicht genug: Das Umweltministerium hat einen partizipativen Prozess angekurbelt, um so viele Meinungen wie möglich einzuholen, wie die Ziele am besten erreicht werden können. So gab es im Laufe des vergangenen Jahres sechs Workshops über Land, in denen Umweltexperten, Wirtschaftsakteure, aber auch Vertreter der Zivilgesellschaft und interessierte Bürger ihre Gedanken und Ideen etwa zur regionalen Produktion, zur Sensibilisierung, zur Abfallwirtschaft aber auch zum Produktdesign, zum Littering oder zur Bildung zu ressourcenschonendem Verhalten darlegen konnten. Dieser Prozess, der laut Umweltministerin über Inputs auf einer Internetplattform weitergeführt werden soll, gipfelte vorerst am Dienstagabend in einer Präsentation der „Null Offall Lëtzebuerg“-Strategie im Umweltministerium.

Gestern gab die zuständige Ministerin Carole Dieschbourg bei einer Pressekonferenz etwas mehr Details zu den Bemühungen, die dazu dienen würden, eine „positive Vision zu entwickeln“, wie das Null-Ziel erreicht werden kann, das auch durch die notwendige Umsetzung von EU-Direktiven zur Stärkung der Kreislaufwirtschaft und zur Abfallvermeidung weitergetrieben wird.  „Die Bürger erwarten vieles im Bereich Kreislaufwirtschaft“, bilanzierte sie und meinte: „Die Bürger haben Lust darauf und sind so weit“. Nebenstehend die vier thematischen Felder, in denen sich die „Null Offall Lëtzebuerg“-Strategie bewegt.

Knapp 70.800 Tonnen Nahrung landen jährlich im Müll - Einiges davon ist vermeidbar

118 Kilo Lebensmittelabfälle pro Kopf

In Luxemburg landen jährlich pro Kopf 118 Kilo Lebensmittelabfälle im Müll. Das ist eines der Ergebnisse der neuesten Ausgabe der Studie „Aufkommen, Behandlung und Vermeidung von Lebensmittelabfällen“, die seit 2013 in Luxemburg durchgeführt wird. Untersucht wurden die Bereiche Privathaushalte, Handel, Großküchen und Gastronomie. Die Experten errechneten eine Gesamtmenge von knapp 70.800 Tonnen Lebensmittelabfälle im Jahr 2019, ein Plus von 4,8 Prozent gegenüber 2016. Wobei mit 53.270 Tonnen der Großteil auf Privathaushalte entfällt (+8,1 Prozent) – jeder der 602.000 Einwohner produziert also im Schnitt zirka 88,5 Kilo Lebensmittelabfälle im Jahr, wovon etwa 23,5 Kilo pro Kopf, oder 14.200 Tonnen vermeidbar gewesen wären. 5.250 Tonnen entfallen auf Restaurants und Hotels (-14,6 Prozent), 7.092 Tonnen auf Großküchen (-7,3 Prozent) und 5.150 Tonnen auf den Handel (+15,7 Prozent im Vergleich zu 2016, wobei es sich hier um nicht verkaufte Lebensmittel handelt, die verdorben waren oder deren Verzehrdatum abgelaufen ist).
Die Autoren der Studie heben außerdem hervor, dass der vermeidbare Anteil der Lebensmittelabfälle im Restmüll der Haushalte um rund 37 Prozent  zurückgegangen ist. Als Gründe vermuten sie dabei die gesteigerte Sensibilität und veränderte Gewohnheiten, wie zum Beispiel das Kompostieren oder Trennen von Biomüll. Die über den Restmüll entsorgten vermeidbaren Lebensmittelabfälle werden übrigens auf 75,5 Euro pro Einwohner und Jahr geschätzt, respektive 46,5 Millionen Euro pro Jahr für ganz Luxemburg.LJ