ULMEN/HANNOVER
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Hunde können Präsenz des Virus detektieren – Auch Tiere aus der Diensthundeschule der deutschen Bundeswehr in der Vulkaneifel waren an Forschungsprojekt beteiligt

Lotta hüpft vor Freude in die Höhe. Die deutsche Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) lächelt. Die Labradorhündin hat einen Ball zur Belohnung bekommen. Immer wieder hat sie vor einem Metallkasten ihre Schnauze in runde Öffnungen mit Speichelproben gesteckt und nur vor denjenigen länger verharrt, die von coronainfizierten Menschen stammen. Kramp-Karrenbauer bezeichnete am vergangenen Freitag bei ihrem Besuch der einzigen Diensthundeschule der Bundeswehr bei Ulmen in der Vulkaneifel die ersten Ergebnisse eines Forschungsprojekts als „sehr ermutigend“.

Flüchtige Substanzen

Projektleiterin und Oberstabsveterinär Esther Schalke erklärt, Hunde könnten nicht das hochansteckende Coronavirus selbst riechen, wohl aber flüchtige Substanzen der Zellen von damit infizierten Menschen. Schwarze Hose, hellblauer Blazer, weiße Maske: AKK, wie die Verteidigungsministerin und CDU-Chefin oft kurz genannt wird, hört nickend zu. Es ist ihr erster Besuch in der abgelegenen Dienststelle der Bundeswehr mitten im Wald.
Schäferhunde, Spaniel und Retriever: Insgesamt acht Hunde nehmen hier an dem Forschungsprojekt in Zusammenarbeit mit der Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) teil. Der Leiter der Kleintierklinik der TiHo, Holger Volk, sagt, auch in anderen Ländern gebe es ähnliche Forschungen mit Hunden. Sein Team sei aber das erste weltweit, das Ergebnisse auch in einer wissenschaftlichen Publikation bereits veröffentlicht habe.

94 Prozent von 1.024 Proben korrekt identifiziert

Der Publikation im Fachblatt „BMC Infectious Diseases“ zufolge haben die acht Bundeswehrhunde nach nur einwöchigem Training unter 1.024 Proben von Speichel oder Atemwegssekret 94 Prozent korrekt identifiziert. Die Proben in dem Metallkasten in einer Halle der Diensthundeschule sind nach dem Zufallsprinzip verteilt. Weder Hundeführer noch Forscher wissen, welche coronainfiziert und welche coronafrei sind. Die Hunde haben in ihrer ersten Woche 83 Prozent der positiven Proben und 96 Prozent der negativen Kontrollproben erkannt.

Hunde haben 1.000 Mal besseren Geruchssinn als Menschen

Tierärztin Schalke sagt: „Kein Lebewesen kann 100 Prozent seiner Leistung immer zeigen.“ TiHo-Professor Volk ergänzt, Hunde hätten einen etwa 1.000 Mal besseren Geruchssinn als Menschen. Sie können auch organische Substanzen von Krebskranken und Diabetikern erschnüffeln.
Kramp-Karrenbauer sagt, sie sei stolz auf die vierbeinigen „Kameraden“ der Streitkräfte. Soldaten und Hunde säßen hier „Seite an Seite auf der Schulbank“.
Laut der TiHo könnten Corona-Spürhunde etwa auf Flughäfen, bei Sportveranstaltungen und an Grenzen als Ergänzung zu Corona-Labortests eingesetzt werden. In ärmeren Ländern mit weitaus weniger Laborkapazitäten könnte dies eine ganz besondere Hilfe sein, sagt Volk.

Zwischen Influenza- und Corona-Infektionen unterscheiden können

Die Forscher betonen aber auch, dass es bis dahin noch ein längerer Weg sei. Bislang hätten die Hunde aus Sicherheitsgründen nur an im Hochsicherheitslabor inaktivierten Speichelproben geschnüffelt. Immerhin seien in weltweit ganz seltenen Fällen auch Infektionsfälle bei Hunden bekannt geworden. Darüber hinaus gelte es, Spürhunde beispielsweise darauf zu trainieren, zwischen Influenza- und Corona-Infektionen bei Menschen zu unterscheiden.
Auf dem Gelände der Diensthundeschule verteilen sich 51 Bunker mit schweren Stahlschiebetoren auf 68 Hektar Wald. Soldaten haben dort Szenarien zum Trainieren der Hunde nachgebaut, etwa Gleisanlagen, Lagerräume, Kanalsysteme, einen Markt- und einen Schrottplatz, Wohnungen und zerstörte Häuser. Die Tiere werden auch etwa zu Schutz- und Rauschgiftspürhunden ausgebildet. Kramp-Karrenbauer sagt: „Ich habe selbst einen Hund, muss allerdings gestehen, der ist bei weitem nicht so gut erzogen wie die Hunde hier.“