LUXEMBURG
MARCO MENG

Wie das Startup „Ellipsys“ seine richtige Aufgabe fand

Das Startup „Ellipsys“ in Ehleringen war 2013 eigentlich als Personalvermittlungs- und IT-Beratungsagentur gegründet worden. Daraus entwickelte sich dann aber etwas anders als ursprünglich geplant: Eine Softwarefirma, wie Théophile Gros, verantwortlich für die Geschäftsentwicklung des Unternehmens, erklärt.

Aus dem Personalvermittler wurde eine Software-firma?

Théophile Gros Ja, das stimmt. Ursprünglich gründete Samuel Morin das Unternehmen, um an große Unternehmen Spezialisten aus dem Informationstechnologie-Sektor zu vermitteln respektive Unternehmen in IT-Fragen zu beraten. Irgendwann stellten wir uns dann die Frage, warum nicht selbst Software-Lösungen anbieten? Mittlerweile produzieren wir selbst sehr hochwertige Software rund um „Business Intelligence“ (BI), denn der Bedarf in diesem Bereich sehr hoch, wie wir feststellten.

Was ist „Business Intelligence“?

Gros Das Informationssystem eines Unternehmens, die Softwarebasis einer Firma, kann man in zwei Teile teilen: Einmal das Kernsystem, das sehr „fest“ und nicht anzufassen ist, will man nicht die ganze Software zerstören. Der andere Teil ist das BI-System, das kontinuierlich ändert, sei es weil die Geschäftsstrategie ändert, neue Schwerpunkte gesetzt werden oder anderes. Das bedeutet, die Daten, die sich im BI ansammeln, werden immer mehr als würden ständig neue Aktenordner auf dem Schreibtisch gestapelt. Ein großer Teil davon, bis zu 80 Prozent, ist mit der Zeit aber überflüssig, wird nicht mehr gebraucht und kann gelöscht werden. Um das zu tun, muss aber objektiv festgestellt werden, welche Daten das sind. Es braucht ein System, das Klarheit darüber verschafft, was gebraucht wird, und was nicht. Hat man das System daraufhin durchleuchtet, muss man natürlich auch den Verantwortlichen, sei es im Unternehmen selbst oder eventuell auch, wenn es beispielsweise um Banken geht, Aufsichtsbehörden erklären können, ob die Indikatoren, die man zum Filtern benutzte, korrekt sind und auch mit den gesetzlichen Anforderungen übereinstimmen. Das heißt, das verwendete Scanningprogramm muss absolut korrekt arbeiten.

Das umzusetzen war aber nicht einfach.

Gros Es bedurfte natürlich gründlicher Überlegungen und Analysen und auch der richtigen Leute, da das, was wir anbieten, etwas sehr Spezielles ist und höchsten Ansprüchen genügen muss.

Wie arbeitet Ihre Software?

Gros Sie ist wie ein Scanner und durchleuchtet die IT eines Unternehmens. Dabei wird festgestellt, was doppelt oder mehrfach vorhanden ist, worauf nie zugegriffen wird, welche Daten unbenutzbar, weil beschädigt sind und so weiter. Am Ende ist das ein Großteil der vorhandenen Datensätze. Die Durchleuchtung macht das Programm aber auch anhand bestimmter weiterer Indikatoren, die zum Beispiel regulatorischer Art sind. Darüber hinaus arbeitet das Programm so, dass man mit einem Klick auf den jeweiligen Indikator bis zum Anfang der gespeicherten Information durchdringt,

Ihre Kunden sind vor allem Banken?

Gros Ja, wir bieten unsere Dienstleistungen vor allem Banken an, aber BI-Systeme existieren in allen Branchen für die unterschiedlichsten Unternehmen.

Wie viele Mitarbeiter hat Ellipsys inzwischen?

Gros Wir sind zu fünft, außer mir selbst alles IT-Spezialisten, die bei ihrer Arbeit ganz spezielle Technologien benutzen können; nicht Java-Script, sondern spezielle Programme und Softwaretools, die in Luxemburg oder auch Frankreich etwas ganz Besonderes sind.

Banken als Kunden zu gewinnen, gerade in so einem sensiblen Feld, ist wohl nicht einfach?

Gros Schwierig ist es vor allem deshalb, weil wir eine recht kleine und junge Firma sind. Große Banken wollen natürlich mit einer Firma und einer Software zusammenarbeiten, bei der sie sicher sind, dass es die auch noch über Jahre hinweg geben wird. So bevorzugen manche, lieber mehr für große Beratungsunternehmen zu zahlen als günstiger mit einem Startup zu arbeiten. Aber wir konnten mit der BGL BNP Paribas und der Europäischen Investitionsbank (EIB) die ersten beiden namhaften Kunden von unseren Dienstleistungen überzeugen, mit weiteren sind wir im Gespräch. Aus dem von Ihnen genannten Grund sind wir aber auch kürzlich „EY Innovation“ beigetreten, denn wir wollen eng mit dem Beratungsunternehmen zusammenarbeiten, damit potenzielle Kunden sehen, dass die Software, die wir anbieten, gut und vertrauenswürdig ist.