LUXEMBURG
CHRISTIAN REUTER

Effizientere Geschäftsprozesse, eine verbesserte Kundenkommunikation bis hin zum Internet der Dinge. Von der fortschreitenden Digitalisierung sind das Luxemburger Handwerk und seine Unternehmen direkt betroffen. 

Der Einsatz von Computern, Internet und E-Mailkommunikation sind für die allermeisten Unternehmen längst zum Standard geworden. Was sich über die vergangenen Jahre jedoch verändert hat, ist die Tatsache, dass die Digitalisierung nicht mehr nur unterstützende Funktionen einnimmt, sondern zunehmend in Kernbereiche vieler Gewerke und Unternehmen vorgedrungen ist. Wie gestalte und vernetze ich meine Geschäfts- und Produktionsprozesse? Über welche Kanäle kommuniziere ich mit meinen Mitarbeitern und Kunden? Wo kann ich welche Technologien sinnvoll in der Wertschöpfungskette einsetzen?

Das sind Fragen, die sich Handwerksunternehmen in Zukunft verstärkt stellen und beantworten müssen. Die Digitalisierung zählt deshalb natürlich auch zu den Themenfeldern, die die Fédération des Artisans, auch in Zusammenarbeit mit dem Wirtschaftsministerium, entwickeln möchte.

Schaut man heute auf die Altersstruktur der Betriebsinhaber, wird schnell klar, dass die Generation Internet noch nicht im Handwerk angekommen ist. Gleichzeitig besteht kein Zweifel daran, dass die Digitalisierung der Gesellschaft und damit auch der Wirtschaft zu den Megatrends gehört, dessen Entwicklung sich in Zukunft voraussichtlich noch beschleunigen wird.

Auch wenn die jetzige Unternehmergeneration nicht zu den „Digital Natives“ gehört und ihr oft der intuitive Zugang zur digitalen Welt fehlt, muss sie sich wohl oder übel „digitale“ Kompetenzen erwerben und im Betrieb implementieren, um sich in diesem dynamischen Umfeld zu positionieren. Eine „gute handwerkliche Leistung“ alleine riskiert in Zukunft nicht mehr auszureichen, um das Unternehmen erfolgreich zu entwickeln. Genauso selbstverständlich werden digitale Anwendungen nicht handwerkliches Können, Kreativität und unternehmerisches Geschick ersetzen können. Das gilt auch für Unternehmer über 50, die sich schon mit dem Verkauf oder der Übernahme ihres Betriebes auseinandersetzen. Auch da müsste ein Interesse bestehen, das Unternehmen zukunftsfähig aufzustellen.

Die Digitalisierung, so wie sie für Luxemburg unter anderem im sogenannten Rifkin-Prozess antizipiert wird, wird auch zu neuen Beschäftigungs-, Konsum- und Produktionsformen führen, die von der Politik gestaltet werden müssen, damit tragfähige und verträgliche Rahmenbedingungen entstehen. Dazu zählen einheitliche Regelungen zum Datenschutz und zur Datensouveränität der Konsumenten. Ohne einen gleichberechtigten Zugang zu Daten und zu Datenströmen - nicht zuletzt der Hersteller - drohen die Handwerksbetriebe von neuen Geschäftsmodellen und Wertschöpfungsstrukturen ausgeschlossen zu werden.

Als „Fédération des Artisans“ wollen wir den Unternehmen aber auch eine konkrete Hilfestellung geben, sei es über eine digitale Plattform für das Handwerk, die wir im Herbst vorstellen werden oder über die Schaffung eines Kompetenzzentrum „Digitales Handwerk“, das zurzeit diskutiert wird.

CHRISTIAN REUTER, stellvertretender Generalsekretär der Fédération des Artisans. Foto: Fédération des Artisans - Lëtzebuerger Journal
CHRISTIAN REUTER, stellvertretender Generalsekretär der Fédération des Artisans. Foto: Fédération des Artisans
Fédération des Artisans

Dachverband des Luxemburger Handwerks

Die „Fédération des Artisans“ ist der Dachverband des Luxemburger Handwerks. In 48 Berufsverbänden aus den Bereichen Bau, Lebensmittelhandwerk, Mechanik, Mode, Gesundheit und Kommunikation sind rund 500 Unternehmer ehrenamtlich aktiv und vertreten dort die Interessen von rund 7.000 Handwerksbetrieben. Als Wirtschaftsverband sind wir Ansprechpartner für die Politik und die Sozialpartner. Die Fédération des Artisans ist Mitglied der UEL.