ETTELBRÜCK
NORA SCHLEICH

Ganzer Einsatz für ein Naturprodukt mit vielen Vorzügen

Wer an einen Hanfladen denkt, dem kommen vielleicht die düstersten oder buntesten Vorurteile in den Kopf. Betritt man das „Mavelos“ in der Ettelbrücker Geschäftsstraße, wirkt zunächst einmal alles so, als ob man in einem neuen Healthy-Lifestyle-Shop wäre. Der Eindruck trügt nicht, nur gibt es hier doch einen gewissen Unterschied: Es dreht sich alles um Hanf. Freundlich empfangen einen die drei Gründer des Ladens, Yves van Oekel (31), Carlos Sanchez Quaios (31) und Majd Fares (30). „Wir haben alle drei andere Kompetenzen und konnten schnell unsere neuen Rollen übernehmen“, lässt Yves wissen. Er selbst ist ausgebildeter Handwerker und studierter Musiker und seit geraumer Zeit selbstständig in der Musikbranche unterwegs. Dass es Zeit für ein neues Abenteuer wurde, fand auch Majd, seines Zeichens in Grafik und IT tätig und auch noch an der „Orbitbox“, einem Start-Up in Luxemburg beteiligt. Mit Carlos als Buchhalter, der auch schon mit diversen Projekten seinen Lebensunterhalt verdiente, ist die Truppe komplett. „Anfangs 2018 habe ich mit Majd über das Eröffnen eines Hanfladens gesprochen. Wir kennen uns schon sehr lange und haben bereits oft miteinander gearbeitet. Die Idee lag dann ein paar Monate auf Eis, bis Majd wieder damit kam. Als Carlos dann auch noch mitarbeiten wollte, wurde das Projekt angegangen“, erklärt Yves. Nun kümmert sich Majd um alles, was mit der Online-Präsenz des Shops zu tun hat, Carlos behält die Geschäftszahlen im Blick und Yves beweist sich als Handwerker, der die Renovation des Ladens größtenteils selbst vorgenommen hat. Während den Öffnungszeiten stehen den Kunden jedoch die drei Herren beratend zur Verfügung.

Banken mit Vorurteilen

Planung und Umsetzung schritten zügig voran. Dass zwei der Gründer bereits Erfahrung im Unternehmertum hatten, kam dem Prozess zu Gute, sodass Businesspläne klar aufgestellt und administrative Hürden bewältigt werden konnten. Ganz so einfach haben es die Banken ihnen nämlich nicht gemacht. „Mit Hanf wollten die Banken nichts zu tun haben! Einer der Ansprechpartner der Bank fand das Projekt super, die Zentrale hat dann aber ein Veto eingelegt. Da unser Businessplan aber überzeugt, hat man uns beim dritten Versuch das OK gegeben“, berichtet Majd.

Er selbst ist von dem Naturprodukt Hanf ohnehin fasziniert: „Die Vielfältigkeit dieser Pflanze ist eigentlich seit Hunderten von Jahren bekannt. Man kann quasi alles aus Hanf herstellen, womit unnützem Fällen der Bäume entgegengewirkt werden kann. Sie wächst auch schneller und sorgt für eine verbesserte Bodenqualität“. Die wohltuende Wirkung des extrahierten Pflanzenmoleküls CBD hat Yves selbst beobachten können, wie er erwähnt: „In meinem engeren Umfeld wurde CBD zur Linderung der Nebenwirkungen von Chemotherapien oder zur Besserung des allgemeinen Zustandes bei Schizophrenie angewandt. Das hat mich so überrascht, dass ich das Produkt unbedingt bekannter machen wollte.“

Vielfältiger Einsatz

Hanf, Cannabinoide (CBD) und dann gibt es doch noch das Tetrahydrocannabinol (THC)? Das klingt zunächst einmal verwirrend, Klarheit gibt es im Shop. „Hanf ist die männliche Pflanze, sie besitzt keine psychoaktiven Stoffe wie THC und auch kein CBD. Aus ihrer Faser können zum Beispiel Baumaterial, Stoff und Seile günstig hergestellt werden. Zudem kann man mit Hanfmehl viele Nahrungsmittel produzieren, wie etwa Nudeln und Kekse. Man kann die Samen auch zum Backen verwenden oder in Schokolade einschmelzen. Sie sind voller wichtiger Omega-3 und -6 Fettsäuren und Vitamine. Nahrungsergänzungsmittel kann man sich sparen! Die Produktion ist durchweg nachhaltig und organisch, ohne dass man überteuerte Produkte anbieten muss. Das CBD hingegen ist ein aus der weiblichen Cannabispflanze extrahiertes Molekül, das von dem psychoaktiven THC-Molekül unabhängig gewonnen werden kann“, führt Yves aus. Im Shop gibt es die Extrakte, sowie die getrockneten Blüten, Harz und Pollen der Pflanze, die auf Grund der Gesetzeslage selbstverständlich THC-frei sind. Die Gründer stellen sich bewusst gegen jegliche Art eines Head-and-Grow Kiffershops, die mittlerweile ohnehin nur hochgezüchtete, genmanipulierte THC-Pflanzen anbieten würden, wie Yves zu bedenken gibt. CBD hat eine antipsychotische Wirkung und macht sich vorwiegend schmerzlindernd und physisch entspannend bemerkbar, sodass es sogar einige chemische Medikamente ersetzen könnte.

Großes Interesse

Dass diese Pflanze mittlerweile auf ein dermaßen reges Interesse stößt, hat die Ladenbesitzer zunächst auch etwas verwundert. Jegliche Altersklassen besuchen seit der Eröffnung den Laden, worunter sich Leute mischen, die sich schon gut auskennen, aber auch solche, die noch etwas mit Hanf zu tun hatten oder ihre Vorurteile überwinden möchten. Die große Auswahl an Produkten auf Hanfbasis findet viel Beachtung. So führt der Laden zahlreiche Kosmetikartikel, wie etwa Seifen oder Crèmes, aber auch Gebäck und Teigwaren, Öle, Gewürze, Eis, Proteinpulver, Limonaden, Tees und Kaffee, und sogar Tierfutter. Dazu kann man Zubehör zum Rauchen oder Vapen kaufen. Für die Wohlfühlatmosphäre sorgt auch die gemütliche Sitzecke, in der Kunden ihren Hanftee oder etwa eine regionale Bio-Limonade schlürfen können.

„Die momentane Diskussion in der Politik hat auf jeden Fall dazu beigetragen, das Image des Cannabis verbessern zu können. Die Pflanze wurde in den Medien dermaßen durch den Dreck gezogen, dass die Leute immer zuerst an die verteufelte Droge dachten. Das hat sich mittlerweile wirklich geändert“, findet Majd.

Das „Mavelos“ setzt sich dafür ein, die positiven Seite von Cannabis hervorzuheben. Mit einer Kifferbude hat der Shop nämlich quasi gar nichts gemeinsam. Der Laden ist hell, freundlich und modern und richtet sich vorwiegend an Leute, die an einem gesunden und natürlichen Lifestyle interessiert sind. Nach und nach sollen noch mehr luxemburgische Produkte ins Angebot aufgenommen werden, da Hanf schließlich auch hierzulande angebaut wird. Heute und in Zukunft arbeitet das Team mit „Green Mile“ zusammen, einem Unternehmen, das hochwertige Produkte von kleinen Herstellern aus der Schweiz, Deutschland, Österreich, Spanien und Tschechien anliefert.

Vor Konkurrenz fürchten sich die Drei nicht. Ganz im Gegenteil, sie streben eher eine übergreifende Kollaboration an, um sich für die Förderung des Naturprodukts Hanf stark zu machen und gemeinsam an zukünftigen Projekten zu arbeiten.

www.mavelos.lu