LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

652.000 elektronische Patientenakten bislang angelegt - Die wollen jetzt mit Daten gefüttert werden

Jahrelang wurde darüber gesprochen, nun wird die elektronische Patientenakte allmählich Realität: In den vergangenen Monaten wurden bislang mehr als 652.000 „dossiers de soins partagés“ (DSP) angelegt. Die müssen nun allerdings noch mit Daten gefüttert werden, damit die Vorzüge der Plattform voll zum Tragen kommen. Das elektronische Patientendossier erlaubt die zentrale Abspeicherung von Laboranalysen, Berichten von ärztlichen Untersuchungen, Informationen über Allergien oder die Blutgruppe, Behandlungen und verschriebene Medikamente oder auch eine Patientenverfügung mit Blick auf eine Organspende - und so theoretisch auch die Basis für eine vereinfachte Koordination zwischen Gesundheitsinstanzen und damit auch eine bessere Behandlung des Patienten. In der Praxis bleiben allerdings noch einige Hürden zu nehmen.

Nächstes Projekt: Arzt bekommt noch in der Praxis das Geld von der CNS und vom Patienten überwiesen

Gesundheitsministerin Paulette Lenert und Sozialversicherungsminister Romain Schneider (beide LSAP) lieferten den Abgeordneten der beiden Parlamentskommissionen gestern einen Überblick über den Stand der Dinge und den Ausblick in Sachen DSP. Auf besonderes Interesse bei den Abgeordneten und auch in der Öffentlichkeit dürfte in diesem Kontext insbesondere eine Ankündigung stoßen. Mit Blick auf 2023 soll es möglich sein, noch in der Arztpraxis zu ermitteln, wie hoch der Eigenanteil des Patienten und die Bezuschussung der Gesundheitskasse an der Rechnung ist und diese unmittelbar zu begleichen - per Abbuchung vom in der elektronischen Patientenakte angegebenen Konto und die Zahlung durch die CNS an den behandelnden Arzt „binnen Sekunden“, wie Lenert gestern im Anschluss im Rahmen einer Pressekonferenz das Projekt beschrieb. Die „vergleichsweise schwerfällige“ Prozedur der Rückerstattung für das vom Patienten vorgestreckte Geld soll damit der Vergangenheit angehören. Eine Zwischenetappe soll im kommenden Jahr genommen werden, indem die Rückerstattungsprozedur digital abgewickelt werden kann.

Doch zurück zur elektronischen Patientenakte. Sie wird auf der Grundlage des Opt-Out-Prinzips angelegt: Bürger, die nicht damit einverstanden sind oder einfach nicht wollen, dass sie betreffende medizinische Daten in elektronischer Form hinterlegt werden, können binnen 30 Tagen die Schließung ihres Dossiers verlangen. Bislang haben allerdings lediglich 0,09 Prozent der Versicherten von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Die beiden Minister kündigten gestern eine Kommunikationskampagne an, die aufklären und für die Vorzüge des neuen Systems werben will. So lernt man, dass neben Ärzten auch Labore, Krankenhäuser, Pflegedienste, nationale Referenzzentren (wie das Centre François Baclesse), Apotheken für die ausgegebenen Medikamente oder auch der Patient selbst Dokumente im DSP hinterlegen können. Oder dass es der Patient ist, der über den Datenzugang entscheidet.

Grundsätzlich haben Zugang zum DSP Gesundheitsberufler, die eine Genehmigung zur Ausübung ihres Berufs im Land haben und in der Behandlung eines Patienten intervenieren. Es gibt allerdings bereits Pläne, um im Ausland tätige Ärzte einzubinden sowie Überlegungen dazu, wie man die Kommunikation mit Patientendatenbanken anderer Länder regeln kann.

Damit das System seine Vorzüge unter Beweis stellen kann (etwa beim Arztwechsel oder bei Nofällen) muss es natürlich mit Informationen gefüttert werden. Stand Ende September waren 747.600 Dokumente in den DSP abgespeichert. 81 Prozent davon sind automatisch eingespeiste Laboranalysen. Radiologie-Berichte sollen in Zukunft ebenfalls automatisch im elektronischen Patientendossier, das übrigens die Akte des Hausarztes nicht ersetzt, abgelegt werden. Berichte des Arztes über den Patienten machen heute 9 Prozent der Dokumente aus. Gebremst wird diese Entwicklung derzeit noch durch den Umstand, dass 25 Prozent der von Ärzten genutzten Anwendungen nicht kompatibel mit dem DSP sind. Auch so mancher Arzt, der kurz vor der Rente steht und bislang mit Papier und Stift „Buch“ über seine Patienten führte, dürfte die Plattform nicht mehr nutzen.