WINDHOF
CORDELIA CHATON

„De Schnékert“ in Windhof produziert täglich zwischen 4.000 und 10.000 Fertiggerichte

Es dampft und zischt schon morgens in Windhof. Mitarbeiter von de Schnékert backen „Gromperekichelcher“ nach altem luxemburgischem Rezept. Nebenan füllt ein Mann in weiß-blauer Arbeitskleidung Sauce für die „Bouchée à la reine“ ab und legt sie in durchsichtiges Plastik eingeschweißt in graue Körbe. „Wir produzieren sie immer einen Tag vorher, das ist eines jener Gerichte, die bei uns sehr gut laufen“, versichert Rick Hotschnig. Er ist Direktor von „de Schnékert“, dem Traiteur-Service der heimischen Supermarktkette Cactus. Täglich produzieren rund 30 seiner 200 Mitarbeiter zwischen 4.000 und 10.000 Fertigmahlzeiten. Am meisten verkauft „de Schnékert“ am Jahresende.

Zwar zählt das Essen als Fertignahrung, weil es vorgekocht ist. Jedoch hat es mit Dosenfutter nichts gemein. „Wir kochen immer frisch, unsere Kundschaft ist sehr anspruchsvoll. Wenn irgendetwas nicht stimmt, meldet sie sich sofort“, erklärt Hotschnig, der persönlich auf Reklamationen eingeht. Er setzt deshalb auf hohe Qualität. Lokale Zutaten, wo es geht, und frische Produkte. Inhaltsstoffe sind peinlich genau vermerkt.

Saisonale Angebote

„Wir kochen sehr viel saisonal, dazu kommen Aktionen. Bei uns gibt es Spargel oder Wild nur, wenn auch Saison ist“, unterstreicht Hotschnig. Von den rund 50 Fertiggerichten sind wegen dieser Politik nicht immer alle erhältlich. „Wir kochen den Hummer für die ,Bisque d´Homard‘ noch selbst aus, da wird nichts fertig gekauft.“ Sogar die Ravioli stellt „de Schnékert“ selbst her. Asiatische Nudeln hingegen kauft das Unternehmen hinzu.

Produziert wird an sechs Tagen die Woche. Die Bestellungen kommen am Vortag von den 23 Cactus- und 21 Shoppi-Märkten sowie vom Cactus-Restaurant. So bleibt so gut wie nichts über. Die Ware ist frisch, denn der längste Lieferweg ist mit 65 Kilometern weitaus kürzer als das, was Fertigspeisen in den Nachbarländern zurücklegen. In der Regel ist die Ware fünf Tage haltbar.

„Wir setzen sehr stark auf Transparenz“, betont Hotschnig. Er nimmt eine Fertigpackung mit Paella. „Wir drucken keine aufwendigen Etiketten mit tollen Fotos, sondern überziehen das Essen nur mit einer Klarsichtfolie. So spricht die Qualität für sich und der Kunde weiß ganz genau, was er bekommt.“ Von der Schale auf den Teller lautet die Devise. Sie funktioniert so gut, dass auch Hotschnig zu Hause schon mal Essen aus der eigenen Produktion bekommt.

Der Direktor eilt durch die Produktion, die mit 20.000 m² so groß ist wie drei Fußballfelder. Überall herrscht eine gleichmäßige Temperatur von 12 Grad Celsius. Linsensuppe wartet in Containern darauf, abgefüllt zu werden.

Hotschnig erzählt von den Tipps der Kunden. Viele sind mit „de Schnékert“ aufgewachsen, denn das Unternehmen, das heute Teil von Cactus ist, gibt es schon seit Jahrzehnten. Klassiker aus der Anfangszeit wie marinierte Heringe oder eine Rieslingpastete sind immer noch gefragt. Doch die Geschäftsräume am Knuedler hat „de Schnékert“ längst verlassen. In Windhof wird 95 Prozent der Ware produziert.

Hotschnig hält neben einer Mitarbeiterin, die Pilze schneidet. „Dieser hier sieht aus wie Steinpilz, ist aber auch für asiatische oder scharfe Speisen geeignet“; erklärt er. Bei Gedanken an Trends aus den USA mit fragwürdigen Texturen, die Fleisch ersetzen sollen, gruselt es ihn. Weil „de Schnékert“ auf Frische setzte, habe es noch nie Probleme gegeben, weder beim Pferdefleischskandal noch zu anderen Zeiten. „Wir haben hier noch Fachleute, echte Metzger und Konditoren, die Ware beurteilen können. Zwar erhalten wir manchmal Angebote für Paletten mit Fleisch dubioser Herkunft. Aber das kaufen wir nie“, versichert er. Und wenn eine Lieferung Lachs mal nicht der Qualität entspricht, die er sich vorstellt, dann schickt Hotschnig die Ware auch zurück und ändert den Speiseplan. „Wir wollen Produkte mit Charakter.“

Trotz oder wegen der hohen Qualität ist der Kampf am Markt hart. „Wir produzieren hier, das sind höhere Kosten“, bemerkt Hotschnig. „Große Margen“, findet der 38-jährige Betriebswirt, „macht man nur mit Tiefkühlkost. Aber dann wären wir ja wie jeder andere.“ Hilfreich sei, dass die Cactusmärkte exklusiv beliefert würden. Um 4.00 fahren die Lkw raus, um 7.00 kommen sie zurück.

Richtig viel zu tun hat „de Schnékert“ neuerdings in der Patisserie - und das liegt nicht nur an Familienfeiern wie Kommunion oder Hochzeit. Die Nachfrage nach Baumkuchen explodiert förmlich. „Das ist ein edles Produkt, das braucht schon eine Stunde, bis es fertig gebacken ist“, sagt Hotschnig, der sechs Patissiers nur in mit diesem Produkt beschäftigt. „Das kaufen die Leute gern.“

Überhaupt stellt er einen generellen Trend zu Fertiggerichten fest. „Die Leute nehmen sich nicht mehr die Zeit, selbst zu kochen“, sagt er. Und das ist scheinbar nicht nur im privaten Bereich so. Hotschnig war schon in Restaurants, wo „de Schnékert“ offenbar einen grauen Markt hat. Dort wurden ihm Patisserien aus der eigenen Produktion vorgesetzt: als hausgemachtes Dessert.