LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Henry James‘ „The Beast in the Jungle“ als holländisch-luxemburgische Koproduktion

Die Erzählung von Henry James „The Beast in the Jungle“ erschien 1903. Über die Geschichte des Hauptprotagonisten John Marcher wurde viel diskutiert, denn sie behandelt Themen wie das Schicksal, die Liebe, den Tod und die Einsamkeit in einer nicht wirklich eindeutigen Art und Weise. Der Titel kommt von Johns Überzeugung, dass sein Leben von einem außergewöhnlichen Ereignis bestimmt werden wird, das wie ein „Biest im Dschungel“ in ihm schlummert. Die Novelle wurde bisher nur zweimal verfilmt, einmal 2017 in Brasilien und letztes Jahr als Koproduktion zwischen der holländischen Produktionsfirma KeyFilm und der luxemburgischen Amour Fou.

Die Niederländerin Clara Van Gool führt Regie in diesem Film, der unter anderem in Wintringen, Luxemburg-Stadt (Theater, Kasematten, Mudam), Ansemburg, Belval und Fond-de-Gras gedreht wurde. Am Mittwochabend fand die luxemburgische Premiere im Kino „Utopia“ statt, im Beisein der Regisseurin, einem großen Teil der Besetzung und der Crew.

Eine Frau, ein Mann

In der heutigen Zeit joggt eine Frau, May (Sarah Reynolds), zu ihrer Arbeit. Dort fällt sie um, und findet sich plötzlich in einem Schloss im 19. Jahrhundert wieder, das Lady Weatherend (Claire Johnston) gehört, ihrer Großtante. Hier begegnet sie John (Dane Jeremy Hurst), den sie Jahre zuvor in Italien oder Griechenland kennengelernt hat. Er scheint von ihr angezogen zu sein, doch mehr als ein tänzerisches Beschnuppern kommt dabei nicht heraus. Dazu sei bemerkt, dass die Regisseurin die Geschichte mit choreografischen Einlagen beleben wollte, doch richtige Tanzszenen fehlen, außer einer Art Tanz zu dem Song „What a Difference a Day Made“. Die Geschichte springt zwischen diesen beiden Epochen hin und her sowie der Periode des Zweiten Weltkriegs. Weil John dieses geheime Biest in sich trägt, weiß er weder zu leben noch zu lieben.

Unklares Hin und Her

Auch wenn der Film nur 87 Minuten dauert, ist es eine lange Zeit im Kino, wenn man nicht weiß, was die Regisseurin erzählen wollte. Die geplanten Tanzszenen ergeben keinen Sinn im Kontext der konfusen Geschichte, die sich über drei Epochen zieht - ein Teil spielt im modernen London.

Viele unscharfe Bilder wie die einerseits als Voice-Over vorgetragenen Texte, die dann von den Schauspielern gesagt werden, ermüden.

Zudem spielt Dane Jeremy Hurst wie ein Eisblock, der keine Miene verzieht. Sarah Reynolds ist etwas energischer, kann dem Film aber keine entscheidenden schauspielerischen Impulse verleihen.

Neben ihnen wirken etliche luxemburgische Schauspieler mit, wie unter anderem Sylvia Camarda, Larisa Faber, Julian Nest, Tommy Schlesser und Jerome Burelbach.

Somit ist aus „The Beast in the Jungle“ ein verwirrender Film geworden, als denn die konkrete Geschichte eines Mannes, der am Ende seines Lebens merkt, dass er dieses aus Angst vor seinem Biest nicht gelebt hat.