LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Bühnenfassung mit Musik von „Shakespeare in Love“ in Saarbrücken

John Madden realisierte 1998 den mit sieben Oscars gekürten Film „Shakespeare in Love“, mit Joseph Fiennes und Gwyneth Paltrow in den Rollen von Shakespeare und Viola. Lee Hall verfasste eine Bühnenfassung, die 2014 in London Premiere feierte. Corinna Brocher übersetzte das Stück ins Deutsche, und die Erstaufführung war letztes Jahr bei den Festspielen in Bad Hersfeld. Im saarländischen Staatstheater in Saarbrücken inszenierte Bettina Bruinier das Stück neu, mit von Achim Schneider arrangierten Liedern, die von den Protagonisten gesungen werden oder die Szenen untermalen, fast wie in einem Musical.

Nur Männer dürfen Theater spielen

William Skakespeare (Philipp Weigand), kurz Will genannt, schreibt an einer Komödie mit dem Titel „Romeo und Ethel, die Piratentochter“. Die Inspiration fließt jedoch nicht so wie er es wünscht. Glücklicherweise kann er auf die Hilfe seines Freundes Christopher Marlowe (Raimund Widra), kurz Kit genannt, zählen, der ihm unter anderem den Namen Julia für die Protagonistin vorschlägt. Will hat dem Besitzer des Rose-Theaters Henslowe (Thorsten Köhler) das Stück versprochen, ohne dass er viel geschrieben hätte. Andererseits hofft Burbage (Ali Berber), der Besitzer des Curtain-Theaters, auch auf ein neues Stück von Will. Henslowe schuldet Fennyman (auch Widra) Geld. Die Zeit drängt, und ohne ein komplettes Skript beginnen die Castings. Hier stellt sich ein Schauspieler namens Thomas Kent vor, der allerdings die adlige Viola de Lesseps (Anne Rieckhof) in Männerkleidern ist, da im 16. Jahrhundert nur Männer Theater spielen durften. Der Star der damaligen Theaterriege Ned Alleyn (Philipp Seidler) bekommt die Rolle von Mercutio, und Thomas die von Romeo. Auf Einladung von Thomas besuchen Will und Kit einen Ball im Haus der Lesseps. Violas Amme (Verena Bukal) verweigert ihnen den Eintritt, doch entwischen beide, und Will begegnet Viola. Es ist Liebe auf den ersten Blick, mit dem Haken, dass sie Lord Wessex (Gregor Trakis) versprochen ist. Die Proben nehmen ihren Lauf, wie auch die Entstehung von „Romeo und Julia“.

Mit Witz und Musik

Die Lieder, die Achim Schneider neu arrangiert hat, sind eher weniger bekannte Titel, wie „A Saucerful of Secrets“ von Pink Floyd, „Show Host“ von Radiohead, „Rock’n‘ Roll Suicide“ von David Bowie, „Amour Amour“ aus dem Film „Peau d‘âne“ (Musik: Michel Legrand) oder „Oh, My Love“, ein Lied von Riz Ortolani aus dem Film „Goodbye Uncle Tom“. Auch kommt der Song „Supercalifragilisticexpialidocious“ aus „Mary Poppins“ kurz zum Einsatz. Sie werden unter anderem von Will, Viola, Wessex oder der Amme gesungen. Die instrumentale Zwischenmusik ist dagegen improvisiert. Die Band spielt auf einem Podest, das sich auf der Bühne befindet, die durch fünf Vorhänge geteilt ist. So spielen sich die Szenen hinter einem geöffneten Vorhang oder hinter mehreren ab. Per Videoprojektionen werden unter anderem ein Theatersaal auf den Hintergrund projiziert.

Das Stück hält sich mehr oder weniger an das Filmdrehbuch von Marc Norman und Tom Stoppard. Einige Szenen sind slapstickartig inszeniert und erinnern an die Komödien aus der Stummfilmära. Die Dialoge enthalten viel intelligenten Humor, und so kann sehr oft gelacht werden.

Insgesamt ist das Ensemble voll bei der Sache, aber Raimund Widra und Anne Rieckhof in ihren Doppelrollen und Thorsten Köhler als tollpatschiger Theatermann stechen besonders hervor. Schauspielerisch gefallen auch Philipp Weigand und Verena Bukal (sie spielt auch noch die Königin). Die Saarbrücker Inszenierung kann man sich also gönnen, wenn man ein apart inszeniertes Theaterstück sehen will.

Weitere Informationen und Tickets unter www.staatstheater.saarland. Die nächsten Vorstellungen sind am 9. und 15. Februar um 19.30 Uhr. Geplant sind weitere 13 Vorstellungen bis zum Juni.