ANNETTE DUSCHINGER

Gestern war Chancengleichheitsministerin Lydia Mutsch im Parlamentsausschuss, um über die neuesten Entwicklungen in Sachen Gleichstellungspolitik zu informieren. Eine Stunde redete sie. Schade, denn so blieb für das Projekt „Female Board Pool“, das die Beraterin Rita Knott vorstellen sollte, nur noch eine Viertelstunde - und den Abgeordneten keine Zeit mehr für Fragen und Antworten. Dabei hätte Frau Knott sicherlich viel zu erzählen zu den Gründen, warum das bislang einzige unterrepräsentierte Geschlecht sich so schwer tut, in die Ränge der Entscheidungsträger aufzusteigen. Schließlich coacht sie seit Jahren Unterrepräsentierte und hat persönliche Erfahrungen mit Toppjobs und Unternehmenskultur. 150 Vertreter des unterrepräsentierten Geschlechts hat sie in ihrer Datenbank, die das Interesse und - muss man das wirklich noch bei topp Ausgebildeten betonen? - die Kompetenz haben, einen Posten in einem Verwaltungsrat auszufüllen.

Rein wortwahltechnisch ist man in der Neutralität angekommen. Nein, es soll nicht mehr um Vertreter des einen Geschlechts gehen und auch nicht um das unsägliche Q-Wort. Weg mit den Reizworten, die jede sachliche Diskussion so schwer machen. Dabei sind es nicht die Reizworte, sondern die Meinung, dass man gar nicht mehr diskutieren, sondern abwarten sollte, die jede tiefere Auseinandersetzung verhindern. Das Phänomen, dass die vielen Diplomierten des in den oberen Rängen unterrepräsentierten Geschlechts bis zu einem gewissen Zeitpunkt/Grad/Karrierepunkt ja eigentlich überrepräsentiert sind, löst sich schon irgendwie und irgendwann von selbst.

Wie gesagt: Eine Stunde erzählte Lydia Mutsch von ihren zahlreichen Unterredungen mit diversen Berufskammern, Gewerkschaften und Vereinigungen und konnte vermelden, dass die Besetzung von Verwaltungsräten öffentlich-rechtlicher Institutionen mit dem unterrepräsentierten Geschlecht innerhalb von einem Jahr um zwei Prozentpunkte von 19,2 Prozent auf 21,2 Prozent gestiegen ist. Die Regierung hat 39 Prozent der neu zu besetzenden Posten dem unterrepräsentierten Geschlecht zur Verfügung gestellt. Noch zehn Jahre und wir haben es geschafft, weitere fünf Jahre und wir haben es richtig geschafft. Zumindest dort, wo man mit staatlichen Eingriffen etwas erreichen kann.

In den anderen, den der Marktwirtschaft ausgesetzten Bereichen, hilft es dagegen wenig, wenn man sich nicht die Zeit nimmt, sich die Gründe anzuhören, warum eine Mehrheit kontinuierlich irgendwann zu einer Minderheit wird. Unterrepräsentierte unterschätzen sich, sie müssen lernen, sich darzustellen, sie vermarkten sich anders, sie sind zu bescheiden, zu selbstkritisch, nicht forsch genug, heißt es von berufener Stelle. Sie müssen lernen, sich auch verkaufen zu können, ihre Defizite auszugleichen.

Halleluja.