LUXEMBURG
MARCO MENG

Wie sein Sohn Denis Kiselev die Idee für ein innovatives Produkt gab

Im Silicon Valley kam Denis Kiselev (Kiseljow) mit der Blockchain-Technologie in Berührung, die ihn gleich faszinierte. Sofort erkannte er, dass diese Technologie für verschiedene Dienstleistungen für die Allgemeinheit genutzt werden könnte. Geboren in Moskau absolvierte Kiselew sein Studium in den USA, wo er sein erstes Startup gründete - und dann mit diesem nach Luxemburg zog.

Waren Sie immer schon computerbegeistert?

Denis Kiselev In der Tat machte ich 1987 meinen ersten Studienabschluss an der Lomonossow-Universität in Moskau in Computerwissenschaften. Anschließend ging ich in die USA, und es folgte gleich auch ein Studienabschluss in Wirtschaft. Danach arbeitete ich über zwanzig Jahre lang bei großen Finanzinstituten.

Sie waren also auch immer schon mit Finanzen vertraut.

Kiselev Ja, angefangen habe ich meine berufliche Laufbahn in Finanzinstitutionen und war unter anderem in Washington/DC bei der Weltbank, einem der größten Finanzinstitute überhaupt. Ich weiß also sehr gut, wie Finanzinstitute arbeiten und auch, wo Finanzdienstleistungen und Finanzsysteme gut arbeiten, wo sie effizient und wo sie weniger effizient sind. Dann gründete ich mein Unternehmen.

Wie kamen Sie dazu, und warum kamen Sie nach Luxemburg?

Kiselev 2012 gründeten meine Geschäftspartnerin Natalia Pavlova und ich in Seattle „SnapSwap“, anfangs wollten wir uns mit „Cryptocurrencies“ beschäftigen. Da unser Geschäftsmodell dann aber die Geldübermittlung sein sollte, mussten wir ein reguliertes Finanzinstitut werden. Ich sah mich nach verschiedenen Möglichkeiten um, wo das am besten möglich wäre, bereiste viele Länder, um mich dort mit den Aufsichtsbehörden zu treffen. Am Ende fiel die Wahl auf Luxemburg, wo wir 2014 die Lizenz eines E-Geld-Instituts beantragten. Als wir einige Zeit darauf von der CSSF die Zustimmung erhielten und damit unsere Finanzdienstleistung in der Europäischen Union anbieten konnten, zogen wir mit der Firma von Kalifornien nach Luxemburg. Natalia, CTO von SnapSwap, zog von Amsterdam nach Luxemburg. Ich selbst lebte in San Francisco und zog mit meiner Familie im Februar hierher.

Kürzlich stellten Sie in Luxemburg Ihre Applikation „Gloneta“ vor. Hat das mit Blockchain zu tun?

Kiselev Ja. Die Technologie, die wir für diese Dienstleistung benutzen und die dazu dient, die Transfer-Transaktionen wie auch die Nachrichtenübermittlung auszuführen, basiert auf der Blockchain.

Warum ist hier die Blockchain-Technologie hilfreich?

Kiselev Blockchain als sehr wirkungsvolles und gleichzeitig generelles Konzept ist eine Datenbank aus Informationen, die nicht an einem bestimmten Ort gespeichert sind, sondern dezentral gleichzeitig auf allen angeschlossenen Rechnern.

Die multiplizierten Daten, die auch für alle Teilnehmer verfügbar sind, machen das System sicher, weil Manipulationen dadurch unmöglich gemacht werden. Ein Update oder eine Änderung in der „Database“ kann nicht ohne Akzeptanz durch alle Teilnehmer durchgeführt werden, so funktioniert der Algorithmus.

Und wie kam dann die Idee zu dem Produkt ?

Kiselev Die Idee zu dem Produkt Gloneta kam durch meine eigene Erfahrung. Mein Sohn geht in London zur Schule, während ich in San Francisco war und jetzt in Luxemburg bin. Wenn wir miteinander chatteten, und er mich fragte, ihm 15 Pfund für eine Pizza zu schicken, erkannte ich, wie kompliziert das ist. Da dachte ich mir, wie schön es wäre, ein einziges Gerät, ein einziges Programm zu haben, das einem erlaubt, gleichzeitig miteinander zu kommunizieren, Bilder zu verschicken oder auch in Echtzeit Geld, und zwar über Grenzen hinweg, in verschiedenen Währungen und auch noch ohne Gebühren.

Ich überlegte, wie es wäre, ihm mit dem Chat zu schreiben, „hier sind deine 15 Pfund“, und er würde sie im selben Moment auch tatsächlich bekommen. Ursprünglich habe ich es für mich und meinen Sohn entwickelt. Aber bald sah ich natürlich, dass ich nicht der einzige bin, der vor diesem Problem stand.

Haben Sie noch andere Projekte außer Gloneta?

Kiselev Nein, Gloneta ist unser einziges Produkt. Derzeit sind wir damit zugange, es auf den Markt zu bringen. Es ist sehr einfach zu handhaben, obwohl die Funktionen, die damit angeboten werden können, sehr vielseitig sind. Darum sehen wir in Gloneta großes Potenzial, hier in Luxemburg wie überall in Europa und sogar weltweit. Und wir arbeiten daran, weitere Funktionen hinzuzufügen wie eine Verknüpfung mit Kreditkarten oder damit es von Geschäften genutzt werden kann, um mit ihren Kunden in Verbindung zu bleiben.

Wie lange haben Sie daran programmiert?

Kiselev Als wir bei der CSSF die Lizenz beantragten, hatten wir damit begonnen, und der CSSF auch das Konzept bei unserer Bewerbung vorgestellt. Die eigentliche Arbeit, das Coding, das Design, die Programmierung begann Anfang 2015. Bis zur ersten Version dauerte es also ungefähr anderthalb Jahre.

Und jetzt promoten Sie Ihr Projekt?

Kiselev Ja, jetzt sind wir unterwegs auf Messen und anderen Veranstaltungen, wo wir Gloneta präsentieren. Kürzlich in Paris stellten wir unsere Applikation zwischen denen von IBM und Microsoft vor. Vor allem sind wir aber jetzt daran interessiert, die App auf unserem Heimatmarkt Luxemburg bekannt zu machen und danach im Benelux-Raum.

Da wir jüngst für unser E-Geld-Institut einen „EU-Pass“ bekamen, können wir nun den Dienst auch in allen Mitgliedsländern anbieten, was wir tun möchten. Wir haben bereits Kunden in Italien, Frankreich und Großbritannien. Für Personen, die in Luxemburg leben, ist die Applikation sogar kostenlos zu erhalten. Einfach runterladen und gleich benutzen.

Und für Menschen, die nicht in Luxemburg wohnen?

Kiselev Sie brauchen eine Einladung von einem, der in Luxemburg lebt und Gloneta bereits nutzt.

Was änderte sich für Sie persönlich mit ihrem Leben in Luxemburg?

Kiselev Nun, es änderte sich zum Beispiel, dass es für meinen Sohn natürlich viel einfacher ist, von London nach Luxemburg zu kommen als wie früher nach San Francisco. Und für meine Frau und ich kann ich sagen, dass wir es hier sehr gut finden, es ist einfach, mit den Menschen in Kontakt zu kommen. Wir fühlen uns keineswegs einsam, sondern haben bereits viele Freunde und Bekannte.