LUXEMBURG
MARCO MENG

Northern Trust verlagert wegen Brexit EU-Bankgeschäft von London nach Luxemburg

Der US-Vermögensverwalter Northern Trust wird in Luxemburg seine Bank für Geschäfte in der Europäischen Union einrichten. Das teilten das Unternehmen wie die Promotionsagentur LuxembourgForFinance gestern mit. Der Vermögensverwalter ist bereits mit seinen Fondsdienstleistungen in Luxemburg aktiv und reagiert mit der Einrichtung einer EU-Bank im Großherzogtum auf den Brexit. Eine Zeitlang soll auch Dublin zur Disposition gestanden haben. Was genau den Ausschlag für Luxemburg gab, war nicht zu erfahren.

Bislang werden die europäischen Bankdienstleistungen von Northern Trust in London abgewickelt, wo aber auch weiterhin die europäische Zentrale des Finanzunternehmens bleiben soll.

„Die Einrichtung einer EU-Bank in Luxemburg unterstreicht unsere Hingabe an das Wachstum des Geschäfts in dieser Region“, erklärte Teresa Parker, Präsidentin von Northern Trust Europe. Die Basis in Luxemburg erlaube Northern Trust, auch weiterhin die Kunden in der EU bedienen zu können, ganz gleich, wie letztendliche die Verhandlungen zum Brexit ausgehen würden.

Nicolas Mackel, Chef der Agentur LuxembourgForFinance, bezeichnete die Entscheidung von Northern Trust als Anerkennung der Expertise und strategischen Position, die Luxemburg im grenzüberschreitenden Geschäft für Nicht-EU-Finanzdienstleister habe.

Mit der Entscheidung von Northern Trust kommt als Folge der Brexitentscheidung zum erstemal eine Bank von London nach Luxemburg. Zuvor waren es mit M&G eine Investmentgesellschaft und vor allem einige Versicherer gewesen, die für Luxemburg als neuen EU-Hub votierten, darunter Größen wie AIG.

Gleichzeitig wurde gestern David Wicks zum Leiter aller Geschäfte in Kontinentaleuropa ernannt. Wicks arbeitet bereits seit 20 Jahren bei Northern Trust und verantwortete zuvor von London aus das Geschäft in der Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika (EMEA). Steve David bleibt Landeschef für Luxemburg.

UBS-Fondsgeschäft übernommen

Northern Trust mit Hauptsitz Chicago und einem Netz von Niederlassungen in ganz Europa ist seit 2004 in Luxemburg aktiv. Derzeit beschäftigt der Finanzdienstleister in Senningerberg unweit des Flughafens rund 140 Mitarbeiter. Anfang des Jahres hat Northern Trust auch die Fondsverwaltung von UBS Asset Management in der Schweiz und in Luxemburg übernommen und rechnet mit dem Abschluss der Integration dieser Geschäftssparten mit einem Fondsvermögen von etwa 380 Milliarden Euro noch in diesem Jahr. Die Übernahme macht Northern Trust im Hinblick auf das verwaltete Vermögen zu einer der Top-10-Investmentgesellschaften im Großherzogtum; zudem erhöht sich die Mitarbeiterzahl von Northern Trust in Luxemburg damit um weitere 140, wie Unternehmenssprecherin Camilla Greene gestern dem „Journal“ mitteilte.