LUXEMBURG

Jean Back: Kreuz und mehr

Sechs Geschichten, sechs Reisen. Jean Backs neuer Erzählband vereint den Rückblick auf eine Italienreise als Erinnerung an die Lebensphase und Stimmung nach dem Abitur, die Schilderung einer Silvesternacht in Berlin als symptomatischen Ausdruck des aktuellen politischen Weltgeschehens, den detaillierten Bericht eines Portotrips, die Beobachtung einer Engelsskulptur in Skopje, die zum Anlass einer gedanklichen Expedition wird, eine Dienstreise in das von seiner kommunistischen Vergangenheit geprägte Albanien und eine fiktive Japan-Reise, eingebettet in die Rahmenerzählung des verunglückten Escher Kleinunternehmens Ingo. Die Reise erfüllt dabei je eine andere Funktion; ist mal Selbstzweck, mal Anlass zu einer Auseinandersetzung mit anderen Themen oder gar Ausbruch aus der Realität. Auf stilistisch und erzähltechnisch unterschiedliche, aber stets dynamische und humorvolle Weise berichtet Back von Menschen, Geschichte, Kunst und Kultur, der lauten und unruhigen Atmosphäre im italienischen Kinosaal, der Tollheit des albanischen Fahrstils. Seine Beschreibungen, auch der akustischen Eindrücke, sind lebhaft und anschaulich. Darüber hinaus erhält der Leser ein tiefes Hintergrundwissen, beispielsweise über den historischen Kontext, in dem die Ponte Luís I in Porto errichtet wurde. (Christine Mandy)

 Editions Guy Binsfeld, 192 Seiten, 20 Euro

Camille Bordas: Isidore et les autres

Comment interagir en société? Quelles règles adopter dans nos relations avec les autres? Dans un roman chaleureux et plein d’esprit, l’écrivaine Camille Bordas, jeune française de 31 ans installée aux Etats-Unis, s’attache à ces questions en brossant le portait d’un jeune garçon hypersensible qui se détache de son foyer familial pour s’ouvrir au monde extérieur. Bienvenue chez Isidore Mazal - dit Dory -, petit dernier d’une atypique fratrie dont tous les enfants sont dotés d’un QI très largement supérieur à la moyenne. Ses frères et sœurs ont sauté plusieurs classes, préparent leurs mémoires à 13 ans et considèrent la plupart des interactions humaines comme une totale perte de temps. Se sentant le moins intello et aussi le moins bizarre de la bande, Dory veut aider sa drôle de famille à mieux s’aimer et se comprendre. Animé par la gentillesse, l’optimisme et la soif d’apprendre, il fait aussi figure de marginal dans la cour de récré. Un événement dramatique va bientôt faire vaciller les certitudes et la fébrile arrogance du clan Mazal. Contées dans une langue mordante, ces aventures douces-amères mettent merveilleusement en scène les liens entre l’intellect, l’intelligence émotionnelle et sociale, la solitude et le bonheur. On adore! (Estelle Lenartowicz)

Inculte, 414 pages, 19,90 euros

Rachel Kushner: The Mars Room

Zweimal lebenslänglich hat Romy Hall, 29, Stripperin, für die Tötung ihres Stalkers bekommen, der sie und ihren fünfjährigen Sohn von San Francisco bis nach LA verfolgt hat. Nun sieht Romy einem Leben hinter Gittern entgegen, während ihr Sohn in der Obhut des Staats verschwindet. Doch die Heldin lässt keine Möglichkeit ungenutzt, ihn ausfindig zu machen. Was hat man schließlich zu verlieren, wenn die erste Bewährungsanhörung in 37 Jahren angesetzt ist? The Mars Room scheint im Kielwasser des rezenten US-Serienhits Orange Is the New Black zu fahren, aber in Rachel Kushners Frauenknast trägt man schnödes Blau statt knalligem Orange. Mit ethnographischem Blick beschreibt die Autorin, die bereits zweimal für den National Book Award nominiert war und dieses Jahr auf der Shortlist des Man Booker Prize stand, das Gefängnis als fremden Planeten. Auch ihre Figuren wirken wie Außerirdische, die außerhalb der Mauern und Stacheldrähte kaum lebensfähig sind. Wie in Romys Erinnerungen an ihre Zeit „da draußen“ – zwischen Obdachlosigkeit, Kleinkriminalität, Drogen und Stripclub – durchscheint, ist ein Leben in Freiheit aber vielleicht eh nur ein Hirngespinst. The Mars Room zeichnet ein düsteres Bild weiblichen Außenseitertums, verliert jedoch nie seinen Humor und seine tiefe Menschlichkeit. (Jeff Thoss)

 Cape, 340 Seiten, 13,99 Pfund

Spickzettel

J.B. Priestley: An Inspector Calls

At the beginning of J.B. Priestley’s play An Inspector Calls, this also seems true for the Birlings, a respectable closely-knit English middle-class family. They are sitting together in the dining room of their fairly large suburban house. Arthur Birling, a prosperous manufacturer, is celebrating his daughter Sheila’s engagement to Gerald Croft, another successful middle-class man. However, once “Inspector” Goole reveals the horrible suicide of a young woman, named Eva Smith a.k.a. Daisy Renton, the joyous occasion takes a turn for the worse.

Clearly none of these respectable people could have anything to do with her heartbroken fate, yet everyone (Mr. and Mrs. Birling, their children Sheila and Eric, even Gerald Croft) is lightly or deeply connected to Eva/Daisy and responsible for her death. And as the inspector calls to interrogate the whole family and the plot gradually unfolds, they are portrayed as selfish, self-centred and even cowardly, pointing fingers at each other. Once the pieces to the mystery puzzle start to come together, the downfall of family begins.

Born in Yorkshire in 1894, John Boynton Priestley joined the English infantry during the First World War. He wrote An Inspector Calls towards the end of WWII, which mirrors a post war broken society, in which each individual faces accusations and facts. It’s a thrilling play with a moral and socialist purpose. (Bob Urbing)

Penguin Modern Classics, 304 pages, 9,17 Euro