60. Internationaler Weltlepratag am 27. Januar

Der Weltlepratag ist längst zu einem internationalen Gedenktag geworden. Aber nur wenige wissen, dass dieser Tag von Raoul Follereau ins Leben gerufen wurde. Vor genau 60 Jahren gründete der französische Jurist den Lepratag mit dem Ziel, jährlich die Aufmerksamkeit auf all jene Menschen in der Welt zu lenken, die an Lepra leiden. Ihm zu Ehren wurde 1966 die Hilfsorganisation Fondation Follereau Luxembourg (FFL) gegründet. Das große Jubiläum rund um den 60. Weltlepratag nutzt die FFL, um an die weltweite Diskriminierung zu erinnern, die Leprakranke immer noch über sich ergehen lassen müssen. Das spiegelt sich auch im Slogan „FFL against exclusion“ wieder, den sich die Hilfsorganisation als Jahresmotto 2013 auf die Fahnen geschrieben hat.

Die Fondation Follereau Luxembourg bekämpft Lepra in zahlreichen Ländern West- und Zentralafrikas , gibt es ein besonderes Sorgenkind?

Jean Hilger Was uns derzeit besonders beunruhigt, ist die Lage auf den Komoren: Dort hat sich die Zahl der Neuinfizierten in den letzten 20 Jahren sage und schreibe verdreifacht! Tragisch ist, dass sich auf den Komoren besonders viele Kinder mit dem Lepraerreger (Mycobacterium leprae) infizieren. Wir versuchen mit Sensibilisierungskampagnen und medizinischen Behandlungen gegen diese bedrohliche Entwicklung vorzugehen. Unser Ziel ist es, den Teufelskreis der „Krankheit der Armen“ zu durchbrechen. Daher setzen wir uns nicht nur auf den Komoren, sondern auch im Benin, in Madagaskar, Guinea, Mali und der Zentralafrikanischen Republik dafür ein, die Lebensverhältnisse zu verbessern - um den Lepraerreger präventiv zu bekämpfen.

Warum existiert Lepra eigentlich immer noch? Schließlich ist die Krankheit seit Jahrhunderten bekannt.

Hilger Sie haben Recht, die Lepra war bereits zur Zeit der ägyptischen Hochkultur bekannt. Bislang wurden allerdings nicht genügend Lepra-Forschungen betrieben. Es gibt vor allem zwei Forschungsfelder, die intensiviert werden müssten. Zum Einen besteht das Problem, dass Ärzte bislang nicht herausfinden können, ob eine Person mit dem Lepraerreger infiziert ist lange bevor die Krankheit ausbricht. Zum Anderen liegt die Schwierigkeit vor, dass Wissenschaftlern immer noch wichtige Erkenntnisse zur Übertragung fehlen.

Da der genaue Übertragungsweg bis dato nicht deutlich ermittelt wurde, führt dies zu der Situation, dass Lepra mit den heutigen medizinischen Mitteln „nur“ auf dem jetzigen Stand gehalten werden kann. Ich betone allerdings das Wörtchen „nur“, aus zwei Gründen: Die Zahl der Leprakranken ist in den letzten Jahren nicht mit der steigenden Bevölkerungszahl gewachsen - zudem ist es nunmal unglaublich positiv, dass Lepra heutzutage zumindest geheilt werden kann! Seit der Gründung hat die FFL weit mehr als 500.000 Leprakranke erfolgreich behandelt

Wenn Lepra medikamentös geheilt werden kann, wie kommt es dann dennoch zu Diskriminierungen?

Hilger Wissen Sie, man geht davon aus, dass auf der Welt in etwa drei Millionen Leprakranke leben, die sehr stark von ihrer Krankheit gekennzeichnet sind. Diese Menschen konnten zwar medikamentös von der Krankheit befreit werden - aber wegen der vergleichsweise späten Behandlung hat die Krankheit bei ihnen bereits zu Behinderungen wie Verstümmelungen, Lähmungen, Blindheit etc. geführt. Man kann sich kaum vorstellen, mit welchen sozialen Probleme diese Menschen zu kämpfen haben!

Und deswegen haben Sie sich für „FFL gegen jede Form der Ausgrenzung“ entschieden?

Hilger Für die meisten Leprakranken ist eine Eingliederung in die Gesellschaft nicht mehr möglich. Daher steht fest, dass wir uns gegen jede Form der Ausgrenzung einsetzen möchten! Wir fühlen uns nicht zuletzt von der WHO gestärkt: Diese hat darauf hingewiesen, dass die Bekämpfung von Lepra nur dann gelingen kann, wenn Hilfsorganisationen sich dafür stark machen, dass Leprakranke und ihre Familien nicht länger stigmatisiert werden! Die FFL setzt daher in zahlreichen Entwicklungsländern verstärkt auf Sensibilisierungskampagnen für Leprakranke. „FFL against exclusion“ ist daher nicht nur ein Motto, das den 60. Internationalen Weltlepratag begleitet. Auch am 22. März erinnern wir mit dem Konzert-Event „Rock against exclusion“ in der Rockhal daran, Ausgrenzung keine Chance zu geben. Ob hier oder anderswo.

Wie sieht die Ausrichtung der FFL in Afrika aus?

Hilger Die FFL konzentriert sich längst nicht mehr ausschließlich auf die Bekämpfung von Lepra. In diesem Jahr unterstützen wir in zehn zentral- und westafrikanischen Ländern mehr als 30 Hilfsprojekte! Zusammenfassend kann man sagen, dass die FFL in ihrer Projektausrichtung vier Wege verfolgt: Verbesserung des öffentlichen Gesundheitswesens, Eingliederung sozial benachteiligter Kinder und Jugendlicher in eine schulische oder berufliche Ausbildung, Hilfestellungen für Kinder in Not (Maßnahmen gegen Kinderhandel, Straßenkinder etc.) und Bekämpfung vernachlässigter tropischer Krankheiten.LJ