LUXEMBURG
JEFF KARIER

Djuna Bernard engagiert sich auf vielen Wegen für Flüchtlinge

Ohne ehrenamtliches Engagement kann eine Gesellschaft wie die unsere nur noch schwer funktionieren. Ob nun in Sportvereine, Tierschutzorganisationen oder auch in den Bereichen Bildung, Kultur, Politik und Jugendarbeit, überall ist ehrenamtlich Arbeit ein essentieller Bestandteil. Wer selbst in einem solchen Verein oder Organisation ist, der wird vermutlich bestätigen können, dass diese Art des Engagements abzunehmen scheint. Umso erfrischender ist es zu sehen, wie sich junge Menschen mit Begeisterung und aus Überzeugung Engagieren. So zum Beispiel Djuna Bernard, die sich gleich in mehreren Organisationen engagiert.

Alles hat mehr oder weniger mit den Pfadfindern angefangen, in denen sie bereits seit jungen Jahren aktiv ist und auch Truppen-Chefin war. Als sie sich dann auf nationalem Niveau engagieren wollte, wurde sie „Formateurin“ und als sie 2011 im Alter von 19 Jahren zum Weltpfadfinderkongress in Brasilien reiste, wurde ihre Begeisterung fürs ehrenamtliche Engagement endgültig geweckt. 2013 wurde Bernard dann zur internationalen Kommissarin für die Pfadfinder. Außerdem sitzt sie im Komitee der Jugendkonferenz und im luxemburgischen Komitee der UNESCO. Seit sie ihren Bachelor in Geschichte in der Tasche hat, studiert sie Non-Profit-Management in Heidelberg. Bernhard verfolgt eine klare Linie. Und da dieses Studium berufsbegleitend ist, sie also nur eine Woche im Monat in Vorlesungen hat, kann sie sich in restlichen Wochen weiterhin hier in Luxemburg engagieren.

Eine Welle der Hilfsbereitschaft

Die aktuelle Flüchtlingssituation zeigt aber, dass sich immer noch oder wieder ein beträchtlicher Teil der Gesellschaft einbringen und helfen will. Besonders in Deutschland konnte man in den letzten Wochen eine große Welle der Hilfsbereitschaft beobachten und auch in Luxemburg war und ist das der Fall. Auch Bernard machte sich Gedanken über die Situation der Flüchtlinge und gründete eher spontan eine Facebook-Seite, die für viel Furore sorgte. „Wegen einer Operation an den Mandeln musste ich eine Woche lang zuhause bleiben und durfte auch nicht sprechen, was mir nicht ganz leicht fiel“, erklärt die 23-Jährige mit einem Lächeln. Allerdings konnte sie nun das tun, zu dem sie sonst nie kommt, wie etwa lesen.

Im „Spiegel“ stieß Bernard dann auf einen Artikel über Studenten, die sich in einem Auffanglager für Flüchtlinge engagieren. „Ich habe mich daraufhin gefragt, wie die Lage denn in Luxemburg ist, immerhin haben wir hier auch Flüchtlinge aufgenommen.“ Mitte August war das Thema Flüchtlinge im Großherzogtum noch kein großes und entsprechend wenig wurde darüber berichtet. Daraufhin fragte Bernard eine Freundin, die beim OLAI arbeitet, ob Hilfe gebraucht werde. „Sie meinte, dass ich nach den Sommerferien vorbeikommen solle, dann könnte man sich etwas überlegen. Da ich aber nicht bis dahin warten wollte, um zu helfen, schrieb ich auf meiner Facebook-Seite einen Post, in dem ich unterstrich, wie wichtig es ist, dass die zivile Gesellschaft aktiv wird und dass jeder auf seine Art etwas beitragen kann. Dieser Post bekam dann in Form von Likes und Kommentaren sehr viel Zuspruch und ich dachte mir, dass bestimmt noch viele andere Menschen außerhalb meines Freundeskreises sich gerne engagieren würden, weshalb ich dann „Refugees Welcome to Luxembourg“ gründete.“

Überwältigende Resonanz

Das eigentliche Ziel von Bernard war es, durch die Seite Menschen für das Thema der Flüchtlinge zu sensibilisieren und vor Augen zu führen, dass Flüchtlinge auch bei uns in Luxemburg Realität sind. „Das folgende Wochenende war ich in Heidelberg wegen meines Studiums. Als ich wieder in Luxemburg war und mich bei Facebook einloggte, warteten mehr als 3.000 Likes und massig Kommentare und Fragen auf mich. Ich war überwältigt.“ Mit solch einer Resonanz hatte die junge Frau nicht gerechnet. Auch die Medien wurden auf sie und ihre Seite aufmerksam, was dafür sorgte, dass „Refugees Welcome to Luxembourg“ förmlich explodierte.

Um diese große Aufmerksamkeit auch zu nutzen, traf sie sich mit Vertretern des Croix Rouge, des OLAI, der Caritas und der ASTI. „Zu dem Zeitpunkt kam noch nicht viel von diesen Organisationen“, meint Bernard. „Ich wollte ihnen signalisieren, dass ich gerne mit ihnen zusammenarbeiten möchte, um gemeinsam diejenigen zu erreichen, die freiwillig helfen möchten. Meine Idee war eigentlich, dass diese Organisationen mir Bescheid geben würden, wo Leute gebraucht werden und ich das dann über die Facebook-Seite kommuniziere und den Kontakt zu den Helfern herstelle.“ Jedoch kam es nie dazu und mittlerweile hat zum Beispiel der OLAI seine „Hotline bénévolat“ (Tel. 8002 59 59) eingerichtet. „Das ist zwar ein erster guter Schritt“, meint Bernard. „Aber warum nicht das große Potenzial der sozialen Medien genutzt wird, verstehe ich nicht. Außerdem ist eine Hotline, die in der Woche nur von 9.00 bis 11.30 besetzt ist, meiner Meinung nach nicht ausreichend. Dennoch ist es eine positive Entwicklung.“

Aktuell nutzt Bernard ihre Facebook-Seite eher, um auf Projekte und Aktionen aufmerksam zu machen, wie etwa die Kleidersammlung des Croix Rouge, bei der sie selber mit anpackt. Seit einigen Wochen werden nämlich in einer Halle in Windhof Kleider, Schuhe, Decken und vieles mehr für Flüchtlinge gesammelt, beziehungsweise sortiert und verpackt, um dann dorthin gebracht zu werden, wo sie gebraucht werden. „Wir haben in den letzten Wochen etwa sieben Container auseinander genommen und sortiert,“ führt die engagierte Studentin aus. „Die nächsten Tage werden wir und die restlichen drei vornehmen.“

Bernard bleibt bei diesem großen Engagement nur noch wenig Zeit, um sich anderen Dingen zu widmen. „Wenn Freunde mit mir etwas unternehmen wollen, muss ich das teilweise zwei Wochen im Voraus planen“, erklärt sie. Immerhin hat einen vollen Terminplan, der von einfachen Gesprächen über Versammlungen bis hin zu Konferenzen im In- und Ausland reicht. Wie ihre Zukunft genau aussieht, weiß Bernard noch nicht. Allerdings ist für sie klar, dass sie weiterhin an ihren Werten festhalten will.