LUXEMBURG
HUBERT DE SCHORLEMER

Die Wichtigkeit eines neuen Waldgesetzes stellt niemand in Frage, allerdings machen einzelne Punkte den 14.000 Privatwaldbesitzern zu schaffen, die immerhin 48.000 Hektar ihr Eigen nennen. Das ist mehr als die Hälfte des gesamten Waldbestands in Luxemburg. Hubert de Schorlemer, Präsident der Vereinigung „Lëtzebuerger Privatbësch“ erklärt, welche Punkte noch einmal diskutiert werden müssten.

„Vom Prinzip her sind wir ganz mit dem neuen Waldgesetz einverstanden und begrüßen es. In vier Punkten müsste unserer Ansicht nach aber nachgebessert werden. In Artikel 15 heißt es etwa, dass der Staat uns vorschreiben kann, welche Baumarten auf 50 Prozent der Fläche angepflanzt werden können. Mit einer Beratung, um standortgerecht zu pflanzen, sind wir hundertprozentig einverstanden, das ist ja auch wichtig. Wir müssen aber als Unternehmer, beziehungsweise als Waldbesitzer die Freiheit haben, anzupflanzen, was wir wollen. Wenn jemand tatsächlich etwas Neues ausprobieren will, sollte er dies tun können. Immerhin tragen wir ja auch das Risiko. Wir pochen darauf, dass dies noch geändert wird. Wenn man sich die heutigen Fichtenkulturen, zum Teil Monokulturen, anschaut, so muss man anmerken, dass diese vor 80 Jahren auch zum Teil auf staatliche Empfehlung hin entstanden sind.

Ein weiterer Punkt betrifft das Zugangsrecht zum Wald. Wir sind absolut dafür, dass die Menschen im Wald spazieren gehen können. Daran gibt es nichts zu bemängeln, allerdings haben wir ein Problem mit der zivilrechtlichen Haftpflicht, dass wir demnach haftbar wären, wenn etwas geschehen würde. Die diesbezüglich geplanten Änderungen haben positiv Ansätze. Es heißt, dass im Falle des Falles nachgewiesen werden muss, dass der Waldbesitzer einen Fehler in der Bewirtschaftung gemacht hat, um ihn in die Verantwortung ziehen zu können. Wir sind nicht sicher, ob das reicht. Unklar ist ja auch, ob man tatsächliche Pilze sammeln kann, obwohl der Zugang auf die Waldwege beschränkt ist. Das widerspricht sich.

Dann gibt es auch eine vorherige Meldepflicht für jeden Einschlag über 40 Kubikmeter. Das wäre ein unglaublicher Aufwand. Auch die Reduzierung vom Kahlschlag auf ein halbes Hektar gefällt uns nicht. In Rheinland-Pfalz sind es 2,5 und in Wallonien 3,5. Das Problem sind die Bestände, die heute aus 80-jährigen Fichten bestehen. Da bleiben nicht viele andere Möglichkeiten als ein Kahlschlag. Diesbezüglich muss eine Übergangsform für die betroffenen Waldbesitzer gefunden werden. Wenn man 0,5 Hektar fällt, ist in den darauffolgenden zwei bis drei Jahren schließlich alles betroffen, was sich rundherum befindet. Mit der Forstverwaltung werden wir dies noch vor Ort bereden.

Ein weiterer Punkt betrifft die sogenannte Aarhus Konvention. Dabei handelt es sich um ein internationales Abkommen zwischen Staat und Nichtregierungsorganisationen (NGO), wonach letztere im Falle großer Misshandlungen in dem Land klagen können, wovon bereits der kleinste Waldbesitzer betroffen wäre. Dieser könnte sich dann in einem Prozess mit einer internationalen NGO wiederfinden, die er sich überhaupt nicht leisten kann. Wir hoffen, dass die Konvention nicht in diesem Sinn übernommen wird.“