YANN SCHNEIDER

Angesichts der gesellschaftlichen Probleme, die durch die steigende Zahl übergewichtiger Personen nicht zuletzt durch Bewegungsmangel zu erwarten sind, plädiert die Sportlehrervereinigung APEP dafür, dass Sport und Bewegung unter qualifizierter Aufsicht in der Schule und außerhalb eine wichtigere Rolle spielen müssen, um die Chance zu erhöhen, auch diejenigen zu erreichen, die der klassische Vereinssport nicht erreicht hat.

„Kinder haben einen natürlichen Bewegungsdrang, der die Chance bekommen muss, ge- und erlebt zu werden und vor allem im und über das Jugendalter hinaus erhalten zu bleiben. Die ganze Problematik der übergewichtigen und unter Bewegungsmangel leidenden Kinder spielt sich auf verschiedenen Ebenen ab und kann auch auf mehreren Ebenen bekämpft werden. 

Angefangen beim obligatorischen Schulsport, wo wir angemessene Stundenzahlen auf allen Niveaus und vor allem qualifiziertes Personal fordern. Er ist und bleibt der einzige Platz, wo wirklich alle Kinder erreicht werden - auch die, die sich weniger gerne bewegen - und sie von qualifiziertem Personal pädagogisch begleitet werden. In der Grundschule gibt es jedoch noch immer Verbesserungsbedarf: Sportstunden fallen regelmäßig aus, werden öfters in Form von freiem Spielen ohne richtige Struktur und Plan organisiert (dabei gibt es einen kompletten, jedoch fast unbekannten Lehrplan) und es mangelt vielerorts an qualifiziertem Personal. Es gibt Orte, wo es optimal läuft, aber leider nicht genug. Guter Willen ersetzt eben keine seriöse und fundierte Ausbildung im Bereich Bewegungserziehung. In den Sekundarschulen liegt uns weiterhin schwer auf dem Magen, dass von 3ème bis 1ère nur eine Stunde Sport pro Woche und in der Berufsausbildung teils noch weniger vorgesehen ist. Es lässt sich leider kein politischer Willen erkennen, daran etwas zu ändern.

Daneben gibt es mittlerweile immer mehr paraschulische Angebote an den Lyzeen für die steigende Nachfrage der Schüler nach variablen Aktivitäten: Lyzeen stellen ihre Sporthallen und Fitnessräume zur Verfügung für von Sportlehrern betreute Angebote, die sich nicht an Topsportler richten. Denn die Erfahrung zeigt: Wenn die Atmosphäre so ist, dass es einfach nur um Bewegung und zusammen gesellig Sport treiben geht, kommen auch Kinder und Jugendliche, die weniger sportlich sind und bislang nicht oder nicht mehr in einem Verein sind, weil sie nicht die (schmale) Spitze erreichen oder den strikten Trainingsrahmen nicht wollen. Genau die wollen wir ja auch erreichen und solche Angebote sollten mehr unterstützt werden und Platz bekommen. Im selben Sinn müssten auch die Gemeinden mehr unterstützt und gefördert werden, breit gefächerte Angebote für Kinder ab vier Jahren, für Jugendliche und Erwachsene zu organisieren, die sich schlicht gerne bewegen wollen. Daran hapert es noch und auch hier muss die Politik aktiver werden. 

Wir begrüßen prinzipiell die sogenannten non-formalen Bildungspläne für Betreuungsstrukturen, wie Kitas oder die Maison relais, haben aber unsere Zweifel, ob das Personal ausreichend ausgebildet ist für die körperlichen Aktivitäten. Es wurde zwar in der Erzieher-Ausbildung schon nachgebessert, die Bewegungserziehung muss aber einen noch größeren Stellenwert erhalten, wenn wir als Gesellschaft den Anspruch haben, gegen den Bewegungsmangel vorzugehen.“