NIC. DICKEN

Wie dieser Tage ein Kollege im „t“ völlig zutreffend bemerkt hat, hat die am 14. Oktober mehrheitsfähig wiedergewählte und derzeit geschäftsführende Dreierkoalition insofern hinzugelernt, als sie Fehler der Vergangenheit, insbesondere die diskrete Handhabung der Verhandlungen, im derzeit laufenden Prozess tunlichst vermeidet. Das ärgert zwar verschiedene Medienvertreter, ist aber eine eher normale Haltung, weil ein Regierungsabkommen als Ganzes zu sehen ist und Details nicht bereits im Ansatz zum Gegenstand öffentlicher Auseinandersetzungen gemacht werden sollte.

Während sich also die Presse, von einigen wilden Spekulationen einmal abgesehen, insgesamt weiter in Wartestellung befindet, hat sich die bitter enttäuschte größte Oppositionspartei auf eine neuartig anmutende Taktik eingelassen. In der Tat war es bislang nicht üblich, eine bis zum Abschluss der Verhandlungen nur geschäftsführende Regierung mit parlamentarischen Anfragen zu bombardieren und, mangels breiter Angriffsfläche, gezielt verschiedene Amtsinhaber und Verhandlungsteilnehmer gezielt in Misskredit zu bringen.

Mit Verlaub, aber das zu Beginn der vergangenen Woche abgeschossene Störfeuer erinnerte fatal an ein aus Lateinkursen noch hängengebliebenes Sprüchlein, das allerdings den Vorgang ziemlich treffend beschreibt. „Quamquam sunt sub aqua, sub aqua maledicere temptant.“ Diese, mit richtiger Betonung und Rhythmus zu sprechende phonetische Feinheit visiert, etwas abschätzend, das Verhalten der Frösche und bedeutet soviel wie: „Obwohl sie unter Wasser sitzen, versuchen sie unter Wasser (weiter) zu (ver)fluchen.“

Im aktuellen Zusammenhang fällt uns dazu ein weiterer bekannter Spruch ein: „Den Splitter im Auge des Anderen erkennt ihr wohl, nicht aber den Balken im eigenen Auge!“ Wenn es derzeit Kritik und Vorwürfe an die Adresse eines derzeit noch geschäftsführenden Regierungsmitgliedes hagelt wegen des Verlustes staatlicher Gelder in missglückte, mit internationalen Partnern getätigten Investitionen in gemeinsame Unternehmungen, dann fallen einem gleichzeitig Episoden der Vergangenheit ein, zu denen klare Parallelen gezogen werden können.

Der Start in die Satelliten-Ära in den 80er Jahren war ein sehr gewagtes Unterfangen, bei dessen Gelingen als allererster der damalige Staatsminister sichtbar euphorisiert und erleichtert aufatmete. Einen politischen Casus aus diesem großen finanziellen Wagnis hatte damals, von den Biertischen einmal abgesehen, niemand gemacht.

Nicht so glimpflich verlaufen sollte eine andere Initiative, die ein damals amtierender CSV-Finanzminister bei der Suche nach Partnern für die Cargolux und den Flughafen Findel mit dem katarischen Königshaus gestartet hatte und bei der die luxemburgischen Interessen am Ende mit sehr viel Einsatz doch noch gerettet werden konnten. Bei der CSV erinnert man sich wohl nicht mehr allzu gerne an diese Episode, über deren Kostenpunkt im nachhinein gnädiges Schweigen gewahrt wurde.

„Wer von euch ohne Fehler ist, der werfe den ersten Stein!“