LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Voyages Emile Weber feiert 140 Jahre Jubiläum mit vielen Angeboten

Der erste Herr Weber wäre stolz gewesen. Aus dem 1875 mit einer Postkutsche gegründeten Unternehmen ist eine Erfolgsgeschichte in der fünften Generation geworden. Heute kommt sein Nachfolger Fernand Weber (73) noch jeden Tag in den Betrieb, wo sein Sohn Emile Weber sowie seine Neffen Fernand und Roland Heinisch sich die verschiedenen Bereiche der Betriebsführung teilen. Denn aus dem Ein-Mann-Betrieb ist heute ein Unternehmen mit fast 800 Mitarbeitern geworden.

Emile Weber hat das Geschäft wie sein Vater von der Pike auf gelernt. „Ich war hier als Busfahrer tätig, dann in der Werkstatt, der Disposition und heute in der Verwaltung“, sagt er. Voyages Emile Weber verkauft zwar immer noch Träume und Reisen. Aber das Geschäft hat sich gewandelt. „Wir legen den Schwerpunkt auf den Nahverkehr“, erklärt Emile Weber, der sich um die Fahrer kümmert. Sein Cousin Roland Heinisch vertritt das Familienunternehmen im Branchenverband FLEAA als Vizepräsident. 2013 kaufte Voyages Emile Weber Simon-Tours aus Petingen. „So können wir wachsen“, erklärt Emile Weber.

Doyen Fernand Weber erklärt, wie sehr sich die Busse geändert haben. Normen, Sicherheitsanforderungen und Hybrid-Antriebe bestimmen heute das Bild. „Unsere Flotte ist auf dem neuesten Stand der Technik und der Sicherheit“, betont Fernand Weber. Von den 450 Fahrzeugen des Fuhrparks sind 30 Reisebusse. Sie entsprechen dem 4-Sterne-Plus-Standard - und der hat seinen Preis. Ein moderner Reisebus kostet zwischen 300.000 und 400.000 Euro.

Fernand Weber selbst fährt nur noch ab und zu mit dem Bus. Die Gäste um ihn herum werden immer jünger. „Früher waren unsere Kunden zwischen 40 und 60 Jahren alt. Heute haben wir immer mehr Familien an Bord“, erzählt Emile Weber. Er führt das auf die Erweiterung des Angebots auf Musicals und mit Flügen kombinierte Rundreisen zurück. Auf Messen wie der ITB in Köln holt sich die Geschäftsführung regelmäßig Inspirationen.

Tausend Bewerbungen pro Jahr

Unter der Krise von 2008 hat das Geschäft nicht gelitten. Aber die Personalsituation hat sich sehr verändert. „Wir bekommen bis zu tausend Bewerbungen pro Jahr, auch von Luxemburgern, die jetzt Busfahrer werden wollen. Das hatten wir früher nie“, bemerkt Emile Weber. Er achtet darauf, dass die Mitarbeiter weitergebildet werden; beispielsweise als Minibusfahrer für Behindertenbusse. Für die Stadt führt Voyages Emile Weber täglich rund hundert Fahrten zum Behindertensportzentrum durch. Neben diesen Busdiensten betreibt Voyages Emile Weber auch die Nachtbusse für Gemeinden. Rund 15 Busse mit dem roten Logo fahren nachts durch Luxemburg. Der sieben Hektar große Busbetriebshof in Canach ist einer der modernsten in privater Hand in Europa mit nachhaltigen Einrichtungen und eigenen Werkstätten.

Das Unternehmen soll weiter wachsen, sagt das Führungsquartett. 2013 ist Voyages Emile Weber ins Taxi-Geschäft eingestiegen. Jetzt gehören dem Unternehmen die Web-Taxis. „20 gehören uns direkt und noch einmal so viele über Partner“, stellt Emile Weber fest. Der Erfolg ist enorm, sagt er. Fernand Weber fügt hinzu: „Das liegt daran, dass die Kunden vor der Abfahrt den Preis kennen. Das läuft mit der Buchung über Internet, Telefon oder App.“

Busreisen für französische Betriebsräte

Auch in Frankreich wächst das Familienunternehmen. Hier unterhält Voyages Emile Weber drei Reiseagenturen in Yutz, Hayange und Villerupt. „Der französische Markt kennt keine Busreiseunternehmen. Dort gibt es keine Familienunternehmen, nur große Gruppen“, erklärt Emile Weber. „Das ist für uns ein wichtiger Markt.“ Vor allem Betriebsräte nutzen die Angebote des Busunternehmens.

„Wir wollen ein Familienunternehmen bleiben. Hier zählen Werte, Tradition, Qualität und Innovation“, bestätigt Emile Weber. Ob es eine sechste Generation des Familienbetriebs geben wird, ist nicht klar. Die möglichen Anwärter sind alle noch schulpflichtig.