LUXEMBURG
MYLÈNE BIANCHY

Die Nachricht, dass Luxemburg den öffentlichen Transport als erstes Land vollständig kostenfrei machen will, sorgte weltweit für Schlagzeilen. Sogar der amerikanische Politiker Bernie Sanders hat auf Facebook die neue luxemburgische Regierung für diese Entscheidung, die im ersten Trimester 2020 umgesetzt werden soll, gelobt. Es gibt aber auch kritische Stimmen. 

„Vielleicht lag es am Freudentaumel, es nochmals in die Regierung geschafft zu haben? Vielleicht war man während der Koalitionsverhandlungen schon der zuckersüßen Vorweihnachtsstimmung verfallen? Auf jeden Fall ist es für uns Eisenbahner nicht nachzuvollziehen, wieso die alte neue rot-blau-grüne-Regierung mordikus, und ohne jeglichen Erfahrungswerte auf Landesebene den Gratis Öffentlichen Transport einführen will.

Unter dem Deckmantel der sozialen Gerechtigkeit versucht Rot-Blau-Grün dieses Gratis-Dings zu verkaufen. Toll, mit dem Gratis ÖT kann sich nun der Bankdirektor zum gleichen Preis wie die Supermarktkassiererin in Bus, Tram und Bahn kutschieren lassen! Hier verwechselt die legitim gewählte Gambia-Regierung augenscheinlich soziale Gerechtigkeit mit dem Gießkannenprinzip, welches es vergangenen Regierungen stets ankreidete. Derweil ist die luxemburgische Tarifstruktur im ÖT eine der günstigsten Europas. Heute nehmen sozial schwache Familien, Schüler, Studenten und Senioren entsprechende Vergünstigungen schon in Anspruch.

Ein Gratis ÖT kann nicht qualitativ hochwertig sein. Und das ist doch schlussendlich das, was der Kunde unter anderem möchte: Sauberkeit, Komfort, Service und Sicherheit. Man nenne mir einen Bereich, in welchem diese Aspekte umsonst angeboten werden! Der Spruch ‚Wat näischt kascht, as näischt!‘ kommt einem schnell über die Lippen. Und seien wir doch mal ehrlich, Material und Infrastrukturen werden heutzutage schon genug vandalisiert. Entfällt nun der eher symbolische Tarif, so schwindet die letzte klitzekleine Hemmschwelle und der Zerstörungsdrang - zwar einiger weniger - hat freie Fahrt. Nachahmungstaten lassen dann grüßen.

Wir haben zwar keinen Plan, aber wir schaffen das!  So in etwa lassen sich die derzeitigen Antworten seitens des Transportministeriums zum Thema Gratis ÖT resümieren.

Will man etwa die 1. Klasse in den Zügen abschaffen? Dies wird zumindest im Fernverkehr mit Deutschland dann schon mal zum Problem. Wie soll die Tarifstruktur im Grenzgebiet aussehen? Wie will man die öffentliche Ordnung in Zügen gewährleisten? Will man in Richtung Geisterbahnhöfe gehen oder wie will man den Wegfall des nationalen Fahrkartenverkaufs auffangen? Fragen über Fragen. Demnach ist und bleibt der Gratis ÖT ein vergiftetes Geschenk!“