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Standardisiertes Monitoring: Luxemburg ist aktuell in der Waldbestandsaufnahme

Bis zum 9. August haben die Forstleute in Rheinland-Pfalz Angaben zum Zustand der Wälder gesammelt. Die Daten fließen nun in den jährlichen Waldzustandsbericht ein. In diesem Jahr wurden auch wegen Trockenheit abgestorbene Bäume gezählt. Auch in Luxemburg laufen die Analysen, wie die Forstingenieurin Elisabeth Freymann von der Naturverwaltung erklärt.

Es ist das zweite trockene Jahr in Folge und verschärft die Sorge um den Zustand der Wälder, nicht nur in Luxemburg, sondern in der gesamten Großregion und darüber hinaus.

Wirtschaftszweig

„Im Pfälzerwald sieht es noch recht gut aus“, sagte Oberforstrat Friedrich Engels zum Start der diesjährigen Waldzustandserhebung. „Von Kollegen höre ich, dass man in anderen Regionen deutlich mehr tote Bäume sieht oder Bäume mit einzelnen dürren Ästen.“ Dramatisch klingende Meldungen habe er aus der Rheinebene erhalten, etwa vom Bienwald in der Südpfalz, oder auch aus dem nördlichen Pfälzerwald im Donnersbergkreis.

Dort seien teilweise im großen Umkreis Buchen oder Eichen abgestorben, nicht nur einzelne Bäume, sondern ganze Gruppen. Inwieweit dies lokal begrenzte Entwicklungen sind oder ob damit landesweit ein Riesenproblem entsteht, soll die Waldzustandserhebung klären. Forstleute begannen in dieser Woche damit, an ausgewählten Orten in ganz Rheinland-Pfalz sowie im Saarland den Zustand der Wälder zu erfassen. Neben der Datenerfassung zu jeweils 24 Bäumen an etwa 168 sogenannten Aufnahmepunkten in Rheinland-Pfalz und 97 im Saarland gebe es in diesem Jahr eine Zusatzerhebung zu absterbenden oder bereits abgestorbenen Bäumen, sagte Engels der Deutschen Presse-Agentur.
„Wenn die Experten der Forschungsanstalt mit ihrer Waldzustandserhebung beginnen, werden sie mit einem mulmigen Gefühl in den Wald gehen“, erklärte die rheinland-pfälzische Forstministerin Ulrike Höfken (Grüne). Alle machten sich große Sorgen um den Wald. „Umso wichtiger ist ein regelmäßiges und standardisiertes Monitoring, das uns Auskunft gibt darüber, wo es dem Wald gut geht, wo er geschwächt und wo er sogar geschädigt ist.“

Wie sieht es aktuell aus?

Wie wichtig für Luxemburg die fast 91.000 Hektar Wald sind, zeigt sich alleine daran, dass über 14.000 Hektar in den neuen Wasserschutzgebieten liegen, wobei 99 Prozent des luxemburgischen Waldes für die Bevölkerung immer noch zugänglich sind. Der Gréngewald ist hier mit seinen rund 3.700 Hektar das größte Waldstück Luxemburgs und mittlerweile als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Je Hektar Wald werden pro Jahr rund 15 bis 30 Tonnen Sauerstoff produziert. In Luxemburg gibt es etwa 1.500 Unternehmen, mit 11.000 Beschäftigten, die direkt oder indirekt in der Holzbranche tätig sind, wie einmal in einem Vortrag des Forstsachverständigen Andreas Matt im Auftrag der „Privaten Waldbesitzer“ ermittelt wurde. 30 Millionen Euro pro Jahr erwirtschaftet der Wald im Rahmen des Ökosystems. Der Wald sei damit ein wichtiger Partner, den es zu schützen gilt. Doch um den Wald effizient zu schützen, muss man seinen Zustand kennen.

Von „0 als absolut gesund“ bis „4 gleich abgestorben“

Seit 1984 wird der Gesundheitszustand überwacht, jeweils in einem vier mal vier Kilometer großen Bereich, mit rund 1.200 Bäumen, dies in 51 Überwachungsbereichen im ganzen Großherzogtum. Es werden Baumarten, Alter, Insekten- oder Pilzbefall und Belaubungszustand erfasst. Es erfolgt eine Klassifizierung von „0 als absolut gesund“ bis „4 gleich abgestorben“. Zum Stand des letzten Jahres: 32,9 Prozent der Bäume waren nach diesem Überwachungsschema stark geschädigt, 30,5 Prozent wurden als gesund eingestuft. Es musste festgehalten werden, dass es dem luxemburgischen Wald nicht besonders gut geht, er habe sich auf einem schlechten Niveau eingependelt, wie es von offizieller Seite hieß. Vor allem die Buchen seien in einem schlechten Zustand, auch den Eichen und Nadelbäumen gehe es nicht besonders gut, wie es aus dem Umweltministerium hieß. Nach und nach sollen so überaltete Buchenbestände im Rahmen einer natürlichen Verjüngung erneuert werden.

Biodiversitätsgrundlagen

Auch sollen sogenannte Totholzinseln erhalten bleiben, die als Biodiversitätsgrundlagen herangezogen werden. 34 bis 35 Prozent des Staatsgebietes sollen als Wald erhalten bleiben.

Man brauche den nachhaltigen Forst, wie es immer aus dem Umweltministerium heißt, wodurch das Gleichgewicht - ohne Pestizide - erhalten werden müsse.

Wie sieht es aktuell aus? Aktuell sei man in Luxemburg mitten in der Erhebungen, sagte Freymann im „Journal“-Gespräch. Klar erkennbar: Die Fichten haben unter der Trockenheit zu leiden: „Wenn es zu trocken ist, können sie kein Harz bilden.“ Das ist wichtig, um gegen den Borkenkäfer gewappnet zu sein. Es fehlt also quasi an der Abwehrkraft. Auch Buchen hätten teils viel Totholz in der Krone, auch an den Eichen würde man Schäden feststellen. „Aber genaueres und Zahlen können wir erst nach der Erhebungen sagen“, so Freymann.

Bei Trockenheit sind junge Bäumchen oft zuerst betroffen, da sie noch nicht so tief wurzeln, erklären die Fachleute weiter. Große Bäume mit einem ausgedehnten Wurzelwerk könnten noch eher in der Tiefe auf Wasser stoßen.

In Hunsrück, Eifel und Westerwald sei klar, dass die Fichte durch Wärme und Trockenheit sehr gelitten habe. „Schon jetzt rennen wir wieder den Borkenkäferschäden hinterher“, heißt es von den Förstern. Hier sei eine schnelle Entnahme der Bäume wichtig - damit sich die Käfer im Sägewerk wiederfinden und dann keine Brutbäume mehr finden. Unterschiedliche Käferarten könnten auch andere Bäume als die Fichte schädigen, sobald diese wegen Trockenstress anfällig dafür geworden sind.

 Die Veröffentlichung des Luxemburger Waldzustandsberichts ist für Ende des Jahres geplant.