DANIÈLE MARTIN

Fast schon 30 Jahre ist es her, dass die erste kommunale Gleichstellungsdienststelle 1989 in Bettemburg ins Leben gerufen wurde. Sie leistete wertvolle Pionierarbeit bis der Nationale Frauenrat 1995 sämtliche Gemeinden dazu aufforderte, weitere kommunale Gleichstellungsorgane zu schaffen. Im Laufe der Jahre wurden politische Delegierte und beratende Kommissionen ernannt und weitere zehn Dienststellen gegründet.

„Die Mission der Dienststelle ist an sich klar: die Förderung der Gleichstellung von Frauen und Männern auf lokaler Ebene. Mehr Gleichstellung bedeutet einen großen Gewinn für die gesamte Gesellschaft und besteht darin, die nach wie vor bestehenden Ungerechtigkeiten zu identifizieren und zu bekämpfen, den Status der Frau in der Gesellschaft und die weibliche Beteiligung an Kommunalpolitik und -leben zu verbessern und sichtbarer zu machen, die Integration der Frauen auf dem Arbeitsmarkt sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern und eine ausgeglichene Beteiligung von Frauen und Männern an gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen zu fördern. Um die Arbeit der Dienststellen zu optimieren, wurde am 11. Mai 2004 das Nationale Netzwerk der Gleichstellungsbeauftragten (Réseau National des Chargé-e-s de mission à l‘Égalité entre Femmes et Hommes) gegründet. Dieses Netzwerk dient zum Austausch und zur Weiterbildung des Personals der Gleichstellungsbüros.

Sorge bereitet dem Nationalen Frauenrat und dem Nationalen Netzwerk der Gleichstellungsbeauftragten seit ein paar Jahren, dass auf kommunaler Ebene zunehmend der politische Wille aufkommt, die Aufgabe der ‚Gleichstellung von Frauen und Männern‘ auf sämtliche von Diskriminierung betroffenen Gruppen auszuweiten. Das, ohne Zweifel wichtige Thema Diversität wird zunehmend ein zusätzlicher Arbeitsschwerpunkt für die Dienststellen. Wenn es auch wichtig ist, die Gleichstellungspolitik von Frauen und Männern mit anderen Diskriminierungen zu verknüpfen, so birgt diese Tendenz jedoch mehrere Risiken. Zum einen wird die Arbeitsbelastung der Gleichstellungsbeauftragten erhöht, da kein zusätzliches Personal eingestellt wird. Dies kann dazu führen, dass aus Zeitmangel die Gleichstellung von Frau und Mann ‚vergessen‘ wird oder als weniger wichtig eingeschätzt wird. Zum anderen, können die verschiedenen Formen der Diskriminierung nicht gleichwertig behandelt werden. In der Tat haben die Diskriminierungen unterschiedliche Ursachen und können nicht mit denselben Instrumenten und Methoden angegangen werden.

Geht die Gemeinde trotzdem auf den Weg der Erweiterung des Arbeitsbereiches der Gleichstellungsdienststellen, so müsste Folgendes berücksichtigt werden. Das Amt sollte zusätzliche Ressourcen und Personal zur Verfügung gestellt bekommen und die Kompetenzen sollten nach den unterschiedlichen Bereichen unterteilt sein. Somit kann durch die Zusammenführung verschiedener ExpertInnen Wissen und Synergien genutzt und gebündelt werden, ohne dass ein Aufgabenbereich weniger oder kaum Beachtung findet.“