LUXEMBURG
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Colette Flesch feiert an diesem 16. April Geburtstag - Ein kurzer Rückblick auf ein bewegtes Leben

Spitzensportlerin, Hauptstadtbürgermeisterin, Vize-Premierministerin, Parteichefin, Europaabgeordnete...: Colette Flesch hat in ihrem Leben mit ungebrochenem Einsatz für Land und Leute viel erreicht. Und auch im (Un)ruhestand bleibt die bekannte und beliebte Politikerin, die nie von ihren liberalen Prinzipien abwich, eine gefragte Kommentatorin und Ratgeberin. An diesem 16. April wird sie 80. Wir gratulieren!

Geboren wurde Colette Flesch am 16. April 1937 in Düdelingen. Als Nazideutschland 1940 Luxemburg besetzte, wurde die Familie ins französische Brive-la-Gaillarde evakuiert, wo ihr Vater leider kurz nach der Ankunft starb. 1945 kehrte sie nach Luxemburg zurück. Es war nach einem einjährigen Schüleraustausch mit Amerika, nach dem sie sich später für ein Politik- und Wirtschaftsstudium in den USA entschied. Ziel war eine diplomatische Karriere, allerdings, wie sie in einem „Journal“-Interview erzählte, war Frauen damals der Weg in eine solche versperrt.

40 Jahre Politik

Sie bewarb sich dann beim europäischen öffentlichen Dienst und wurde 1964 Verwaltungsrätin beim Generalsekretariat des „Conseil des Communautés Européennes“ in Brüssel.

Colette Flesch hatte sich zu dem Zeitpunkt bereits einen großen Namen als Fechterin gemacht: 1960 war sie in Rom und 1964 bei den Olympischen Spielen an den Start gegangen, 1968 focht sie bei den Spielen in Mexiko-Stadt. Politisch engagiert war Colette Flesch, deren Großvater Dr. Auguste Flesch aus Rümelingen bereits liberaler Abgeordneter war, zu diesem Zeitpunkt längst. 1968 trat sie bei den vorgezogenen Parlamentswahlen an und zog im Februar 1969 ins Parlament ein, nachdem Gaston Thorn und Eugène Schaus Ministerämter übernahmen.

Im gleichen Jahr waren auch Gemeindewahlen. Die damals oppositionelle DP war erfolgreich und Colette Flesch übernahm - als erste Frau - den Bürgermeisterposten in der Hauptstadt, ein Amt, das sie bis 1980 ausübte, bis sie im November dieses Jahres die Nachfolge des zum Präsident der EG-Kommission berufenen Vizepremiers Gaston Thorn in der schwarz-blauen Regierung antrat, wo sie die Ressorts Außenpolitik, Außenhandel, Entwicklungshilfe, Wirtschaft, Mittelstand und Justiz zu verantworten hatte.

Nachdem die DP, der Colette Flesch von 1980 bis 1989 vorsaß, nach den Wahlen 1984 wieder Platz auf der Oppositionsbank nehmen musste, blieb sie Abgeordnete. In der zweiten Hälfte der 1980er konnte Colette Flesch, die zwischen 1985 und 1990 auch Präsidentin der Europäischen Liberalen war, ebenfalls ihre Erfahrung als Europaabgeordnete ausbauen, die sie erstmals zwischen 1969 und 1980 gesammelt hatte.

Sie erfüllte als Generaldirektorin der EU-Kommission für Kultur, Kommunikation und Sport und später für den Übersetzerdienst aber auch zwischen 1990 und 1999 eine wichtige Funktion im Gefüge der europäischen Institutionen. Das Engagement für die europäische Idee lässt sie bis heute nicht los - Europaabgeordnete war sie nochmal zwischen 1999 und 2004 - genauso wenig wie jenes für die Hauptstadt. Von 1988 bis 1999 war die ehemalige Bürgermeisterin Gemeinderätin, danach Schöffin bis 2007, als sie diesen Posten an Lydie Polfer abtrat.

Als Abgeordnete befasste sich die Vize-Parlamentspräsidentin zwischen 2004 und 2009 unter anderem mit der großen Baustelle Verfassungsreform. 2009 war dann die Zeit gekommen, einen Schlussstrich unter die aktive Politik zu ziehen.

Auf die Frage nach ihrem Lebensmotto sagte Colette Flesch dem „Journal“ einmal: „Das Leben ist zu kurz, um schlechten Wein zu trinken“. Sicher wird sie morgen zum Geburtstag mit einem guten Tropfen anstoßen! Wir wünschen ihr auf jeden Fall von ganzem Herzen, dass sie noch viele Male die Gelegenheit dazu hat.