LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Angelika Stemer hat ihr eigenes Atelier für Schmuckgravuren im Norden des Landes eröffnet

„Kommen Sie ruhig herein!“, sagt Angelika Stemer. Die Österreicherin hat Anfang des Monats ihr eigenes Atelier für Schmuckgravuren im Norden von Luxemburg eröffnet. Im Ösling-Örtchen Munshausen bei Clerf stehen spezielle Meißel und Hämmerchen bereit. Denn bei Stemer ist alles Handarbeit.

„Mein Beruf stirbt aus“, sagt die Graveurmeisterin. Das bedauert Stemer sehr, denn sie liebt ihr Handwerk. Wenn sie Anhänger, Siegelringe und vor allem Waffengravuren zeigt, lebt sie auf. Dabei war ihre erste Idee als junge Frau, Goldschmiedin zu werden. Dann aber las die Österreicherin über die „Höhere technische Bundesversuchs- und Lehranstalt Ferlach“, an der auch Graveure ausgebildet werden. Sie bestand die Aufnahmeprüfung und schloss vier Jahre später ihre Lehre ab. Aber Stemer war lernbegierig. „Ich bin dann nach Frankreich gegangen und habe eineinhalb Jahre im Süden von Lyon in Saint Etienne gelernt“, erzählt sie. Dort arbeitete sie an Modeschmuck.

Meisterprüfung in Pforzheim

Aber damals hatte Österreich noch kein Abkommen mit der EU und es war schwierig mit einer Arbeitsgenehmigung. Stemer ging nach Deutschland und machte in Pforzheim einen einjährigen Kurs, der mit der Meisterprüfung abschloss. Dann kam sie nach Luxemburg, wo sie in Mersch für einen Waffenhersteller gravierte. „Da habe ich viele Jäger beglückt. Schließlich hat es mich gereizt und ich habe selbst die Jägerprüfung gemacht“, sagt sie. Heute ist Jagen für sie vor allem ein gesellschaftliches Ereignis.

2006 kehrte Stemer Luxemburg den Rücken. Sie machte sich das erste Mal selbständig - in Innsbruck. „Es war schwer“, sagt sie im Rückblick. Stemer klapperte Goldschmiede und Waffenhersteller ab. Vor allem letztere gehören heute zu den größten Kunden der Graveure. „In Großbritannien geben passionierte Jäger zwischen 20.000 und 150.000 Euro für ein Gewehr aus“, weiß die Meisterin.

Stammkunden blieben treu

Mit der Zeit baute Stemer sich so einen Kundenstamm auf. Juweliere, Waffenhersteller und auch ein Messermacher aus Differdingen gehörten dazu. Und bei einem Besuch ihrer Jagdfreunde in Luxemburg passierte es dann: Stemer verliebte sich. Schließlich zog sie wieder zurück ins Großherzogtum. Im Februar dieses Jahres heiratete sie ihren luxemburgischen Freund. Ihr Unternehmen zog mit ihr von der Inn auf den Ösling. „Die Werkstatt zu verlegen war nicht komplizierter als woanders“, meint Stemer. „In Österreich sind sie mit dem Papierkram fast noch schlimmer.“ Einige Stammkunden zogen mit, vor allem Juweliere. In Luxemburg gewann die Graveurmeisterin neue Kunden hinzu. „Viele Anfragen kommen auch über meine Webseite“, freut sich Stemer.

Ein Vorteil ihres Berufs ist die Kreativität. Ein Nachteil ist die Einsamkeit. Stemer arbeitet allein an ihrem kleinen Amboss. „Am Abend bin ich dann drei Quadratzentimeter weiter - das scheint manchen nicht viel“, lacht sie.

Ihr Arbeiten können viel Zeit beanspruchen. 200 Arbeitsstunden für eine Kipplaufbüchse hat sie schon aufgewendet. Vor allem Männer schätzen die Gravur ihrer Büchsen. „Die Gewehre haben dann einen Schaft aus kaukasischem Walnusswurzelholz und sind sehr edel. Leider sehe ich nicht immer das fertige Produkt“, sinniert Stemer beim Durchblättern ihrer Fotos.

An ihrer Arbeit schätzt sie den Zeitwert: „Das ist etwas Ewiges, das gibt es in hundert Jahren noch.“ Auch wenn die Selbständigkeit nicht immer einfach ist, auch wenn die Kunden sich rar machen und der Beruf ausstirbt - auf die Frage, ob sie einen anderen Beruf ausüben möchte, sagt Stemer ganz klar: „Nie!“

www.schmuckgravuren.eu