SHANGHAI
MM/DPA

China bleibt der attraktivste Automarkt, doch der Kampf um Anteile wird härter

Ist die Party zu Ende? Nach den Boomjahren auf dem größten Automarkt der Welt in China haben besonders die ausländischen Autobauer plötzlich zu kämpfen. Das Wachstum hat sich verlangsamt, die Risiken steigen. Mehr Autobauer wollen ein Stück vom Kuchen abhaben, wie die Rekordbeteiligung auf der Automesse in Shanghai demonstriert. Auf der Messe in der ostchinesischen Hafenmetropole, die heute weltweit zu den wichtigsten der Branche gehört, haben sich mehr als 2.000 Aussteller aus 18 Ländern versammelt - so viele wie nie.

Bis zum 29. April werden mehr als 1.300 Autos gezeigt, darunter mehr als 100 Weltpremieren. „Die goldenen Zeiten für die Verkäufer gehen zu Ende“, sagt Ferdinand Dudenhöffer vom Center for Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen. „China wandelt sich zum Käufermarkt.“

Günstigere Autos gewünscht

Auch verlagert sich das Wachstum: Die neuen Märkte in weniger entwickelten Städten abseits der wohlhabenden Top-50-Metropolen verlangen nach billigeren und geländegängigen Autos. Die chinesischen Hersteller, die dafür das richtige Angebot haben und qualitativ aufholen, erleben mit zweistelligen Zuwachsraten fast einen „zweiten Frühling“. Es fehlen Kapazitäten, um neue Modelle zu starten. Und es fehlen passende Produkte, räumt VW-China-Vorstand Jochem Heizmann offen ein. Trotz des Frühlings sieht Geely-Chef Li Shufu aber noch keinen Sommer für chinesische Hersteller. Er nennt den Absatzsprung für chinesische SUV ein „kurzfristiges“ Phänomen. Ein auffälliges Symptom, dass die Geschäft schlechter laufen, sind die zunehmenden Klagen der erfolgsverwöhnten Händler, die offen unrealistische Absatzziele der Konzerne beklagen. Noch werden Vertriebsnetze ausgebaut, aber zusätzliche Händler schaffen Konkurrenz. Deutsche Autohersteller produzieren heute jedes fünfte Auto in China. Bis 2021 werden es 30 Prozent sein, wie die Unternehmensberater von PricewaterhouseCooper voraussagen. „Wenn dann die Wirtschaft in China einen Schnupfen erhält, kann das wehtun“, sagt Dudenhöffer. Das Risiko für Hersteller bestehe auch in einem plötzlichen starken Einbruch des Marktes, etwa aufgrund des Platzens der Immobilienblase, sagt Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM).