LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

30. Internationaler Bergarbeitertag in Kayl

Unsere Körper sind verletzt, unser Atem ist schwer. Die Silikose holt uns ein. Aber die Grubenlampe brennt weiter zum Gedenken an die Bergarbeiter und als Zeichen der Solidarität“. So schloss ein ehemaliger Bergmann aus Charleroi seine kurze Rede gestern Nachmittag anlässlich der Feierlichkeiten des vom Kayler „Syndicat d‘Initiative“ gemeinsam mit der Gemeinde organisierten 30. Internationalen Bergarbeitertages beim Nationalen Denkmal der Minenarbeiter oben bei der Wallfahrtsstätte „Léiffrächen“. Die gleiche Botschaft wiederholte er dann auf Italienisch.

Dann hörte man für einige Minuten nur noch das Rauschen in den Bäumen auf der Anhöhe über Kayl, wo unter dem Glockenturm die Namen der 1.477 Männer in Steintafeln eingemeißelt sind, die während der knapp 150 Jahre währenden Bergbauära in Luxemburg in den „Minette“-Stollen umgekommen sind. Viele der anwesenden Bergleute aus Belgien, Frankreich, Luxemburg und Deutschland, die bereits sehr gerührt waren durch die Anwesenheit von Großherzog Henri bei der Zeremonie, senkten das Haupt in Erinnerung an die Freunde, die unter Tage ihr Leben ließen. Die Belgier mögen vor allem den Opfern des Desasters von Marcinelle gedacht haben.

Am 8. August 1956 kamen in der knapp 180 Kilometer nordwestlich von Luxemburg gelegenen Stadt beim schwersten Grubenunglück in der Geschichte Belgiens bei einem Brand in der Kohlenmine 263 Männer um. Der Kayler Bürgermeister John Lorent erinnerte daran dass bei der Einweihung des Monuments auf „Léiffrächen“ 1957 das Schicksal der Opfer dieser Katastrophe ganz im Vordergrund stand. Damals liefen die Gruben in Luxemburg noch auf Hochtouren, wurden Rekordmengen an Eisenerz für die boomende Stahlindustrie gefördert.

Köpfe und Herzen geprägt

Heute, knapp 35 Jahre nach der Schließung der letzten Grube in Luxemburg, sei das „Selbstverständnis des Minett“, immer noch „stark geprägt von der harten Arbeit unserer Minettsbrecher“, sagte Lorent. Ihnen gebühre herzlicher Dank, genau wie den anderen Kräften, die „ihren Beitrag zu einem starken Stück Luxemburg beigesteuert haben“. Auch Innenminister Dank Kersch (LSAP) würdigte den Beitrag der Bergleute zur Wandlung des Landes von der Agrar- zur Industriewirtschaft. Viele von ihnen hätte damals die pure Not aus vielen Ecken Europas nach Luxemburg getrieben. Unter schwierigen, fast unmenschlichen Bedingungen hätten sie unter Tage geschuftet, um ihre Familien ernähren zu können, in einem Umfeld, wo die Produktivität stets vor dem Menschen stand. „Hat sich das seither geändert?“, sinnierte der LSAP-Politiker.

Die harten Bedingungen hätten jedenfalls die Köpfe und die Herzen der „Minetter“ geprägt. Man sei hier gewohnt, hart zu arbeiten, aber auch solidarisch zu sein. Aus dieser Solidarität sind Anfang des 20. Jahrhunderts auch die Gewerkschaftsbewegungen und sozialistische Parteien hervor gegangen. Der erste Arbeiter, der 1914 ins Parlament einziehen konnte, war Jean Schortgen, ein Bergmann aus Tetingen. Er kam 1918 bei einem Grubenunfall ums Leben. 1935 ereilte das gleiche Schicksal Jean-Pierre Bausch, den „député-maire“ aus Rümelingen in der Walert-Mine, die heute zum Nationalen Grubenmuseum gehört. „Der Berg machte keinen Unterschied“, sagte John Lorent, der die Anwesenheit der vielen Menschen und insbesondere des Großherzogs - Henris Vater Jean hatte dem Internationalen Bergleute-Tag 1989 beigewohnt -als eine wichtige Geste bezeichnete. „Es ist eine Verneigung vor dem, was hier geleistet wurde und ein Vermächtnis für die Zukunft“.